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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Kultur

Rigoletto von düsterster Seite

09.02.2018

Oldenburg Mächtige Männer und ihr hemmungsloser Umgang mit Frauen füllen zahllose aktuelle Artikel und Berichte in den Medien. Auch in den sozialen Netzwerken ist das Thema zurzeit Dauerbrenner.

So sehr das Thema die Menschen heute beschäftigt, hat es das auch schon vor fast 200 Jahren getan, als Victor Hugo 1832 mit dem Roman ‚Le roi s’amuse‘ (Der König amüsiert sich) die Vorlage für Guiseppe Verdis Oper „Rigoletto“ schrieb.

Worum geht es? Rigoletto ist Hofnarr am Hofe des Herzogs von Mantua. Mit zynischen Kommentaren und beißendem Sarkasmus hält er den Fürsten bei Laune. Dieser ist seinerseits ein Frauenheld und Verführer, der auch vor Gewalt nicht zurückschreckt, um zu bekommen, was er möchte. Als er auch Rigolettos Tochter Gilda entehrt, die sich naiv in den Fürsten verliebt hat, will Rigoletto sich rächen und beschwört ein Drama herauf.

Wenn an diesem Samstag „Rigoletto“ im Großen Haus des Oldenburgischen Staatstheaters seine Premiere feiert, wird das Publikum mit dem Herzog von Mantua einen wahrhaftig niederträchtigen mächtigen Mann erleben, der die Frauen reihenweise entehrt. „Oft ist der Herzog der klischeehafte Weiberheld, der gewisse Sympathien hat. Das hat er bei uns nicht. Man sieht genau, wie frauenverachtend er ist“, erklärt Dramaturgin Annabelle Köhler die düstere Oldenburger Inszenierung.

Kein Unschuldslamm

Laut Regisseur Hinrich Horstkotte ist dies aber auch von Verdi gewollt, der nach der Zensur des Stückes anmerkte, dass es vollkommen sinnlos sei, wenn der Herzog nicht von Grund auf schlecht dargestellt würde. Doch nicht nur der Herzog, auch die Hauptfigur Rigoletto selbst ist kein Unschuldslamm. Doch dass er gleichzeitig mit dem überbesorgten und liebenden Vater ein extrem bösartiger Spaßmacher bei Hofe ist, wird in vielen Inszenierungen vernachlässigt. „Bei dieser Zweigesichtigkeit habe ich oft den Eindruck, dass sie zu sehr in den Hintergrund tritt. Daher haben wir hier mit Rigoletto eine Figur, die in ihrer Verkleidung aussieht wie jemand, den wir schrecklich finden“, erläutert Horstkotte die von ihm selbst entworfenen Kostüme.

Schaut man sich Rigoletto an, ergeben sich sofort die Assoziationen Nationalsozialismus und Drittes Reich. Das bedeutet aber nicht, dass die Handlung in diese Epoche verlegt wurde. Bei allen sehr fantasievoll gestalteten Kostümen gibt es neben der Renaissance, in der das Stück entstanden ist, verschiedene historische Einflüsse und das Geschehen lässt sich zeitlich gar nicht konkret verorten.

Im Falle von Rigoletto war Horstkotte durch einen Dokumentarfilm über Hitlers Schergen Heinrich Himmler inspiriert worden, der in noch viel größerem Ausmaß seine zwei Leben, nämlich führendes Mitglied eines Gräuelregimes und treu sorgender Familienvater, voneinander getrennt hielt.

Das Bühnenbild von Siegfried E. Mayer soll ebenfalls die dunkle Seite der Charaktere widerspiegeln und gleichzeitig wie ein labyrinthischer Ort wirken, in dem sich Frauen, so wie Rigolettos Tochter Gilda, nicht alleine auf die Straße trauen dürfen, um nicht von den Häschern des Herzogs gepackt zu werden.

Außerdem verlangen zwei Bilder der Oper eine Simultanszene. So hat man sich für die Drehbühne und mehrere Stockwerke entschieden. Dies sei eine große Herausforderung für die Bühnenbauer, merkt Horstkotte an und: „Die Werkstätten arbeiten gegen die Zeit, denn es findet ja im ganz normalen Repertoirebetrieb statt und das sprengt eigentlich die zeitlichen Dimensionen. Das ist eine große Leistung.“

Gute Zusammenarbeit

Überhaupt lobt Horstkotte die Zusammenarbeit mit dem Staatstheater. Neben dem Orchester und den Sängerinnen und Sängern hebt er besonders den musikalischen Leiter der Inszenierung, Vito Christofaro, hervor. Laut Horstkotte arbeiten Regisseure und Dirigenten oft gegeneinander, aber hier sei es das Gegenteil: „Christofaro ist bei jeder Probe dabei, geht mit und unterstützt. Es fühlt sich nicht so an, als wäre es meine Inszenierung, sondern unsere.“

Als Herzog von Mantua wird Jason Kim zu sehen und zu hören sein, der zurzeit noch Gast in Oldenburg ist, aber festes Ensemblemitglied wird. Den Rigoletto teilen sich Kihun Yoon und Daniel Moon. Die Gilda geben Sooyeon Lee und Martyna Cymerman. Die Chorleitung hat Thomas Bönisch.

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