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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Kultur

Damit der Horror von Auschwitz niemals vergessen wird

04.02.2019

Oldenburg Das Erinnern an die Verbrachen des Dritten Reiches fällt zunehmend schwer. Obwohl sich gerade erst die Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau jährte, ist das Thema für die junge Generation oft unendlich weit weg. Wörter oder Bilder ersetzen die Unmittelbarkeit dessen, was die wenigen noch lebenden Zeitzeugen berichten können, nur ungenügend. Umso wichtiger ist es daher, denen zuzuhören, die den Horror des Nationalsozialismus persönlich miterlebt haben.

Zuhören konnte man am Samstagabend im PFL der 94-jährigen Esther Bejarano, eine der letzten Überlebenden des Frauenorchesters im Lager Auschwitz. Gemeinsam mit der Microphone Mafia, die in aktueller Besetzung neben ihr aus Frontmann Kutlu Yurtseven ihrem Sohn Joram Bejarano besteht, sang und rappte sie alte und neue Lieder und berichtete aus ihrem Leben.

Zu Gast im PFL: Die 94-jährige Esther Bejarano. Bild: Martin Remmers

Esther Bejarano brachte einen erfrischenden Wortwitz, eine scharfe Beobachtungsgabe und vor allem deutliche Worte mit. Auch wenn die zu großen Teilen fremdsprachigen Lieder – Hebräisch und Jiddisch, begleitet von deutschen Rap-Einlagen – nicht vollständig im Wortsinn verständlich waren, vermittelten sie doch eine Botschaft. Der Kontrast der bedrückenden Thematik zur wachen und lebendigen Bühnenpräsenz von Esther Bejarano macht das Gesagte und Gesungene nur noch eindringlicher.

Die Veranstaltung fand im Rahmen des Projektes „Erinnern für die Zukunft – keine Zukunft ohne Erinnern“ statt, das durch ganz Deutschland tourt. Den Anfang des Abends gestaltete die Projektgruppe Cins, Circus im Nationalsozialismus, der Zirkusschule Seifenblase. In einer szenischen Lesung präsentierten die Künstler die Lebensgeschichte der jüdischen Artistin Irene Bento. Sie wurde während des Krieges mit einem Teil ihrer Familie im Cirkus Adolf Althoff versteckt. Untermalt wurden die Passagen mit akrobatischen Einlagen und Musik.

Artisten gehörten zum Bühnenprogramm. Bild: Martin Remmers

Die Angst vor der wachsenden Bedrohung der Nationalsozialisten, Ächtung und Verrat durch andere, Misshandlungen im Krankenhaus und Verfolgung durch „die Ledermäntel“ – all dass wurde durch Mimik, Gestik und ein melancholisches Live-Akkordeon eindrucksvoll lebendig gemacht.

Die Veranstaltung hatte aber nicht nur die Vergangenheit, sondern auch die Gegenwart zu Thema. Der Landesparteitag der AfD in der Weser-Ems-Halle im vergangenen Herbst oder die Bedrohung der Anwältin Seda Basay-Yildiz durch Polizisten wurden von Kutlu Yurtseven angesprochen und scharf kritisiert. Dabei ging es auch selbstkritisch um das eigene Schweigen und wie es einen einholen kann. „Die Schlange, die mich nicht beißt, soll 1000 Jahre leben“, heißt ein zitiertes, anatolisches Sprichwort.

Die Geschichten von Esther Bejarano und Irene Bento sind ein Zeugnis dessen, was passiert, wenn jeder so denkt. Umso wichtiger ist es, denen zuzuhören, die sich noch erinnern. „Wir geben nicht auf!“, sang Esther Bejarano. Das ist auch gut so.

Arne Haschen Volontär, Agentur Schelling / Redaktion Ganderkesee
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