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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Kultur

Oldenburgerin brachte Stars richtige Töne bei

13.10.2011

OLDENBURG „Er war immer zwei Jahre hinterher.“ Maja Evans muss lächeln, wenn sie auf das Jubiläum von Schlagersänger Freddy Quinn angesprochen wird. Um den 80. Geburtstag des „singenden Seemanns“ wird derzeit ein großes Gewese gemacht – dabei gebührt auch der 82-jährigen Oldenburgerin ein kleiner Anteil an der Karriere des Österreichers (von dem alle dachten, er wäre Hamburger). Maja Evans war Freddys Gesangslehrerin.

„Dort an der Elbe habe ich ihn auch kennengelernt“, erzählt sie, „Freddy Quinn – der Name sagte mir gar nichts.“ Die gebürtige Leipzigerin hatte 1945 mit ihren Eltern die sowjetische Zone verlassen und ihre dort begonnene Gesangsausbildung im Westen fortgesetzt (wo sie sie mit Auszeichnung abschloss). Und hier, an der Hamburger Musikhochschule, kam 1954 der Kontakt zum aufstrebenden Schlagersänger zustande. „Seine Plattenfirma Polydor suchte eine Gesangslehrerin für ihn, sie waren nicht zufrieden mit seiner Aussprache.“

Gelehriger Schüler

Nachdem sie den Job schließlich übernommen hatte, war Maja Evans nicht nur mit Freddys Aussprache unzufrieden. „Wenn du in den Höhen singst, musst du tief greifen“, predigte sie ihrem recht gelehrigen Schüler zwei- bis dreimal pro Woche das ABC der guten Tonbildung.

Um die Resultate ihrer Bemühungen zu überprüfen, machte sie sich sogar auf in den berühmt-berüchtigten Teil Hamburgs. „Freddy sang in der Washington-Bar auf St. Pauli. Da habe ich mir eine Show angesehen und erstmals seine Lieder gehört.“ Es ging damals viel um „Heimweh“ und „Mary Ann“ (so auch der Titel seiner erste Schallplatte 1955). Sogar Rock’n’Roll ließ er damals nicht aus, weiß der Oldenburger Oldie-Experte Heinz-Günther Hartig. „Er trat mit The Manhattans auf“, sagt der 59-Jährige.

Quinns berühmtester Song „Junge, komm bald wieder“ war damals noch weit weg hinterm Horizont. Doch der Österreicher fand langsam hinein in seine Rolle als „Hamburger Seemann“.

Den großen Schlagerstar Freddy Quinn hat Maja Evans indes nur aus der Ferne erlebt – nach zwei Jahren endete ihr Engagement als seine Gesangslehrerin. Bald darauf zog sie mit ihrem Mann David G. Evans nach Wales, wo sie zwölf Jahre lang lebten. Dann erhielt ihr Mann ein Angebot als Co-Repetitor und Pianist mit Dirigierverpflichtung am Staatstheater in Oldenburg – und Maja Evans kam in die Stadt, in der sie 1953 fast für den Chor engagiert worden war.

Üben mit Margot Eskens

Dann hätte sie kaum Freddy Quinn oder Margot Eskens (ein anderer Schlagerstar der 50er/60er Jahre) ausbilden können – und es wäre kaum zu dem denkwürdigen Wiedersehen gekommen: 1997 trat Freddy mit der Musical-Tournee „Große Freiheit Nr. 7“ in der Weser-Ems-Halle auf, Maja Evans wagte sich hinter die Bühne – und Quinn erkannte seine ehemalige Gesangslehrerin wieder. „Ich hoffe, Sie sind nicht so streng mit mir“, begrüßte er sie. „Ein guter Auftritt“, beruhigte ihn Maja Evans, die 20 Jahre lang an der Uni Oldenburg Gesangsdozentin war und selbst heute noch einer Privat-Schülerin Sprachunterricht gibt.

So berühmt wie Freddy Quinn ist aber nie ein Eleve von Maja Evans mehr geworden.

Klaus Fricke

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