• Jobs
  • Immo
  • Auto
  • Markt
  • Trauer
  • Hochzeit
  • Guide
  • LocaFox
  • Shop
  • Events
  • Tickets
  • nordbuzz
  • FuPa
  • Werben
  • Kontakt
NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Kultur

Persönliches Tagebuch des Schreckens

16.02.2011
NWZonline.de NWZonline 2015-07-30T08:27:26Z 280 158

Lesung:
Persönliches Tagebuch des Schreckens

OLDENBURG Die Schrecken des Holocausts haben sie häufig im Geschichtsunterricht bearbeitet. Immer wieder wird versucht, die Erinnerung wach zu halten. Doch wenn es persönlich wird, dann bleiben sie hängen, diese Namen, Gesichter und ihre Geschichten.

Ganz persönlich ging es am Dienstagnachmittag im Gymnasium Eversten (GEO) zu, als der Schauspieler und Grimme-Preisträger Thomas Darchinger aus dem Buch „Das andere Leben“ des Holocaust-Überlebenden Solly Ganor vorlas. Darin berichtet der Autor von seiner Zeit im KZ nahe Dachau – in einer „schwarzen Welt, in der Dobermänner und die SS regierten und der Tod keinen Schrecken besaß.“

Um den Schülerinnen und Schülern die persönlichen Erinnerungen noch näher zu bringen, zeigte Darchinger ein Video von Solly Ganor. „Der Krieg kam plötzlich und ich wurde von einem Schüler zu einem gejagten Tier“, sagte er darin. Zunächst habe er vier Jahre im Ghetto Kaunas verbracht, kam dann ins Konzentrationslager Danzig und von dort ins KZ nahe Dachau.

Dann setzte Thomas Darchinger ein. Er legte viel Gefühl in seine Stimme und brachte mit dezenter musikalischer Begleitung von Wolfgang Lackerschmidt am Vibraphon den Oberstufen-Schülern die Geschichte des 16-Jährigen Häftlings Solly so nahe, dass ihnen am Ende der Lesung die Worte fehlten.

Sie sollten Fragen stellen, doch was blieb war die Wiedergabe von Eindrücken. Einer Schülerin war besonders in Erinnerung geblieben, dass Solly und seine Wegbegleiter im KZ zum Teil nahezu nackt zur Arbeit gezwungen wurden. „Eine Form der Entwürdigung“, erklärte Darchinger. Und eine weitere Möglichkeit, den Satz „vom Schüler zum gejagten Tier“ einzuordnen. Gleiches gilt für die langen Märsche, die die Gefangenen kurz vor Kriegsende zurücklegen mussten. „Sie hatten kein Ziel“, erklärte der GEO-Geschichtslehrer Ulf Rosenfeld. Es sei den Deutschen nur darum gegangen, Menschen sterben zu lassen.

Er erklärte nach der Veranstaltung die Zurückhaltung der Schülerinnen und Schüler: „Sie waren erschlagen von den Eindrücken.“ Der Lehrer versucht immer wieder, die Erinnerung an die Schrecken wach zu halten.

Mit einer Schülergruppe war er bereits in Ausschwitz, andere haben Zeitzeugen interviewt. Er war besonders stolz darauf, dass alle Oberstufen-Schüler der Einladung gefolgt waren. Ähnlich positive Resonanz auf die Einladung erlebte die Organisatorin der Veranstaltungsreihe Kristin Martini von der Firma Martini-Events an anderen Schulstandorten. Unter der Schirmherrschaft von Bundespräsident Christian Wulff las Thomas Darchinger auch an der Cäcilienschule, der IGS Flötenteich und der Realschule Eversten. Realisiert wurde das Projekt auch durch die Hilfe zahlreicher Sponsoren aus Oldenburg.

An allen vier Standorten appellierte Darchinger an die Schüler, sich für Freiheit und Demokratie einzusetzen. Einen wichtigen Unterstützer hatte er dabei im Rücken: Solly Ganor.