• Jobs
  • Immo
  • Auto
  • Kleinanzeigen
  • Trauer
  • Hochzeit
  • Guide
  • Shop
  • Tickets
  • nordbuzz
  • Fußball
  • Werben
  • Kontakt
 
NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Kultur

Prinzessin ohne Krone und Idealmaße

25.03.2017

Oldenburg Man stelle sich eine Oper vor und die weibliche Hauptrolle singt nicht einen Ton. Diese Gegebenheit sagt schon viel über das unkonventionelle Stück „Yvonne, Princesse de Bourgogne“ aus, das an diesem Samstag seine deutsche Erstaufführung am Oldenburgischen Staatstheater feiert.

Yvonne ist zwar eine Prinzessin, doch sie ist eigentlich genau das Gegenteil von dem, was man sich darunter vorstellt. Von ihrer Umwelt wird sie als plump und hässlich wahrgenommen. Gerade weil sie dadurch so anders ist und gegen die übliche höfische Etikette verstößt, erregt sie die Aufmerksamkeit des Prinzen Philippe, der sie gegen den Willen von Hof und Familie heiratet. Doch sowohl bei ihm als auch bei allen anderen Mitgliedern des Hofstaates löst Yvonnes Verhalten Aggression und Hass aus. Dies gipfelt schließlich in dem Wunsch, Yvonne zu töten.

Als Vorlage für diese tragikomische Oper diente Witold Gombrowiczs „Yvonne, die Burgunderprinzessin“ von 1935. Es zählt zu Gombrowiczs bekanntesten Werken und wurde schon früh für das Theater adaptiert. Als Oper erlebte es 2009 durch den belgischen Komponisten Philippe Boesmans und den Librettisten und Regisseur Luc Bondy seine Uraufführung in Paris. Neben zwei weiteren Spielorten handelte es sich aber um die einzigen Aufführungen dieser Produktion. Weitere Produktionen folgten nicht. Bis jetzt. Dass die Oper bisher noch nicht in Deutschland aufgeführt wurde, verwundert auch Regisseurin Andrea Schwalbach. Nach ihrer Aussage handelt es sich bei Boesmans eigentlich um einen häufig und gern gespielten Komponisten. Als sich in Oldenburg die Möglichkeit bot, die „Yvonne“ als Oper auf die Bühne zu bringen, habe sie sich sofort bereit erklärt. Schließlich zählt auch Gombrowicz, von dem sie bereits in Osnabrück eine andere Inszenierung sehr erfolgreich auf die Bühne gebracht hat, zu ihren Lieblingsautoren. Gombrowicz hat Yvonne im Original als „hohle Nuss“ und tatsächlich unattraktiv dargestellt, Regisseurin Andrea Schwalbach wählt hier aber einen etwas anderen Ansatz und zeigt sie eher als bemitleidenswerte Figur, die in ihrer Passivität zwar sogar beim Zuschauer mitunter Aggressivität auslöst.

Vielmehr lässt Schwalbach sie als einzige natürliche Gestalt auftreten, während alle anderen durch Maske und Kostüm als sehr überzeichnete Figuren dargestellt werden. Eine eindeutige Kritik am aktuellen Schönheitsideal, bei dem es um ein perfektes Äußeres geht.

Die Oper wird wie im Original in französischer Sprache aufgeführt. Dazu gibt es deutsche Übertitel. „Wir haben kurz über eine deutsche Übersetzung nachgedacht, aber das Französische eignet sich einfach so gut als höfische Sprache und passt hervorragend zur Musik“ erläutert Andrea Schwalbach. Überhaupt lobt die Regisseurin die Musik von Boesmans in den höchsten Tönen.

Es handelt sich um eingängige Leitmotive und besonders die musikalische Untermalung der Yvonne, die ja nicht singt und nur fünf bis sechs Worte spricht, durch Bläser und Harfe hat es ihr angetan.

Nientje C. Schwabe spielt die Yvonne und hat als reine Schauspielerin ihre Premiere in einer Opernhauptrolle. Philipp Kapeller ist als Prinz Philippe zu sehen und zu hören. Und Tomasz Wija und die neue Sopranistin des Hauses, Sarah Tuttle, geben das Königspaar als Eltern.

Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.