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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Kultur

„Prof. Bad Trip“ mit neuer Musik in der Exerzierhalle

20.10.2012

Oldenburg Was ist das für eine Musik, die gleich mit dem Zerschmettern einer Weihnachtskugel beginnt? In 100 intensiven, widerborstigen Minuten ließ das Oldenburger „oh ton ensemble“ zeitgenössische Musik in der Exerzierhalle lebendig werden. „Prof. Bad Trip“, ein Werk des mit 41 Jahren verstorbenen Fausto Romitelli, fungierte als Motto und Programmtitel – aber nicht ganz zu Recht, denn außer dem Werk selbst, in dem Deformiertes und Manieristisches dominieren, die Instrumente, Flöte, Klarinette, E-Gitarre, Violine, Viola, Violoncello, Schlagzeug, Flügel und Keyboards, mit eingespielten Klängen konkurrieren, sich gegenseitig übertönen wollen und alles auf etwas Gewaltsames, metallisch Hartes, hinausläuft, kamen nur „good vibrations“ zur Aufführung, nichts, was nicht wie traditionelle klassische Musik gehört werden wollte.

Der aktuelle „Rundumschlag“ von Brigitta Muntendorf bezieht ganz bewusst die Theatralik einer Aufführung ein, überspitzt und ironisiert Erwartungen und Hörverhalten. Die zerschlagenen Weihnachtskugeln geben ein Ordnungsmuster vor, der Gummiball schafft beim Aufprallen auch nur einen genau kalkulierten Klang, die E-Gitarre spielt kammermusikalisch wie Flöte, Klavier, Cello und das subtil eingesetzte Schlagwerk, das Ende, eine wohldosierte Kakophonie, beteiligt alle am wilden Treiben, nicht nur das unter Strom stehende Instrument.

Auch das zweite Werk von Fausto Romitelli, „Nell’alto die giorni immobili“, ein intensives Auf-der-Stelle-Treten für Violine, Viola, Cello, Flöte, Klarinette und Klavier, lebt vor allem durch die bewundernswerte Arbeit der Solisten von „oh ton“, die allesamt wie mit Stummheit geschlagene Propheten Großartiges, Beredtes, Herzzerreißendes, Visionäres aus ihren Instrumenten pressen. Nirgends kam dieser rituelle, predigende Aspekt schärfer zum Tragen als bei Séverine Ballons Darstellung der „Invisibility“ an ihrem Cello. Mit zwei verschiedenen Bögen zwang sie ihrem Instrument die unsichtbare, aber sehr wohl hörbare Präsenz des Göttlichen ab, von der diese Komposition Liza Lims ganz im Sinne der Aborigines erzählt.

Eine Komposition von Eckart Beinke für zwei Schlagzeuger stellte dann die Gretchenfrage unserer Gesellschaft: „Die Würde des Menschen ist antastbar“ nach dem Titel einer postumen Aufsatzsammlung von Ulrike Marie Meinhof, lässt zwei Schlagzeuger an identischen Instrumentarien spielen, wobei es durch Reiben, Wischen, Kratzen zu angenehmen Verflechtungen kommt. Alles, auch die Bewegungsabläufe der Musiker, ist vorgegeben, aber bestimmte Ereignisse obliegen der interpretatorischen Verantwortung der Spieler. Das von der Stadt in Auftrag gegebene Werk ist ein willkommenes Hör- und Denkstück mit ganz eigenem Charakter, den die gelassen-disziplinierte Wiedergabe prächtig herausstellte. Wunderbare Solisten, viel Beifall!