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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Kultur

Miss-Germany-Erfinder Horst Klemmer: Nur er darf Deutschlands schönste Frauen krönen

03.12.2016

Ihm fehlt einfach die Zeit. Hinter den grauen Türen des Wandschranks verbergen sich bergeweise Fotos, stapelweise Zeitungen, kistenweise Medienpreise. Bilder von Roger Moore, Zarah Leander und Rudi Carrell – beim gemeinsamen Golfen – hätte er gerne mal sortiert, nach Jahren und Lebensstationen. Einmal war er auf dem Titel der BZ – neben Hape Kerkeling: Horst Schlemmer und Horst Klemmer. Er lacht. „Für uns war das die billigste Werbung aller Zeiten“, sagt der Seniorchef der Miss Germany Cooperation (MGC).

An den Wänden hängen Poster vergangener Schönheiten und großer Legenden. Heinz Erhardt beispielsweise. Das Veranstaltungsplakat vom 11. Oktober 1971 kündigt den letzten Oldenburg-Auftritt des Komikers an. Über elf Jahre hat Horst Klemmer die Nachkriegsikone gemanagt. Dann bekam der Mann mit dem feinen Wortwitz einen Schlaganfall. „Wenn ich irgendwas an meinem Leben ändern könnte, wäre es das“, sagt Horst Klemmer, „ich hatte ja schon alles gebucht“. Nein, nicht nur geschäftlich habe ihn der Tod von Erhardt getroffen. Da war die goldene Uhr aus dem Nachlass für „Kemmerchen“ von der Witwe des Humoristen, die gemeinsamen Jahre.

Horst Klemmer aber ist Geschäftsmann. Nur er darf die schönsten Frauen Deutschlands krönen. Seit 16 Jahren liegen die Rechte allein bei der 1970 gegründeten MGC. „Ein kleines Papier mit großer Wirkung.“ Auf die Lizenz zum Küren hat der Mann aus der Tangastraße – einer Adresse, über die schon jede erdenkliche Zote geschrieben wurde – lange hingearbeitet.

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Beginnt Horst Klemmer von seiner Karriere zu erzählen, startet er mit seiner Geburt – im Sudetenland – seiner Kindheit im Oldenburg der Nachkriegsjahre als singender Klassensprecher, der Lehre als Steuerberater und den ersten Bühnenerfahrungen.

Im Rampenlicht hat sich Horst Klemmer zuhause gefühlt. Mit Anfang 20 war er Statist am Staatstheater. 3 Mark 50 gab es pro Vorstellung und sechs Freikarten. Damit konnte er die „hübsche Hille Bumbum“ zu einem Rendezvous locken. Von einer Telefonzelle am Pferdemarkt aus hat er seine Hildburg angerufen. Die beiden sind bald 60 Jahre verheiratet. Eifersüchtig sei Miss Westerland 1962 nie gewesen, sagt er.

Den Laufstegschönheiten hinterherzurennen war kein Teil seines Businessplans. Horst Klemmer ist bis in die grauen Haarspitzen seriös geblieben. Er prahlt nicht, er erzählt. So ausführlich, wie das Menschen mit fast 80 Jahren Lebenserfahrung und davon 56 auf den Brettern, die die Welt bedeuten, eben tun.

Auf dem Fußboden stehen fünf Aktentaschen aus braunem Leder. „Für Termine“, sagt er. Zu denen geht er gerne selbst. Auch wenn Sohn Ralf samt Gattin Ines längst das Steuer der MGC übernommen haben und Enkelsohn Max bereits vom Großvater angelernt wird, verbringt der Senior sechs Tage die Woche im Büro. „Außer dienstags, da spiele ich Tennis.“

Er drückt aufs Telefon und fragt die Sekretärin nach diesem Namen von der Bar, in der er damals für 50 D-Mark aufgetreten sei und wie die jetzt nochmal heißt.

Das ist wichtig. Alles ist wichtig: Die Hitparaden-Shows mit Dieter Thomas Heck, das Management von Heinz Schenk, von dem ihm ein Miniatur-Bembel und viel Geld, das er als Testamentsvollstrecker verwaltet, geblieben ist. Damit soll die Schenk-Stiftung für Nachwuchskünstler gegründet werden.

Die Telefonanlage summt. „Die Bar heißt jetzt Extrablatt“, sagt die Sekretärin. „Ach ja“, sagt der Chef, und dann muss er noch unbedingt erzählen, wie er es damals geschafft hat, den Gorbatschow nach Deutschland zu holen.

Publikum hat der Oldenburger immer: beim Gottschalk auf der Couch oder in Jauchs Quizshow. Um Millionär zu werden braucht Horst Klemmer keine Fragen zu beantworten. Über Geld redet er nicht. „Es gab auch schwierige Zeiten“, sagt er, „aber ich habe nie den Humor verloren“.

Nein, rückblickend sei das ein gutes Leben gewesen. Bis jetzt. Die interessantesten Menschen der Welt habe er fast alle kennengelernt. Die meisten hat er überlebt. Mit einigen wird er an diesem Montag seinen 80. Geburtstag feiern. Rund 90 Gäste sind in die Klinkerburg eingeladen.

Er kramt ein zerschlissenes Heft unter den Fotobergen auf seinem Schreibtisch hervor. „50 Abschnitte hab’ ich schon geschrieben“, sagt er und blättert durch die engbekritzelten Seiten. „Wenn ich noch 80 Jahre leben würde“, sagt Horst Klemmer, „könnte ich das Buch über mein Leben fertig machen“. Aber einem wie ihm fehlt einfach die Zeit.

Lea Bernsmann Redakteurin / Redaktion Oldenburg
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