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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Kultur

GESCHICHTE: Räuberlatein vom Kramermarkt

01.09.2007

OLDENBURG Wie das so ist mit den Literaten: Bei aller Liebe zum Detail und (manchmal) zur historischen Wahrheit sind sie respektlos und stürzen mit lustvoller Recherche manch fest gemeißelt scheinende Wahrheit vom Sockel. Da machen Michael P. Hopp und Peter Parnicke keine Ausnahme. In ihrem Buch „Spektakel, Schau & Hightech-Power – Historisches & Kurioses aus vier Jahrhunderten Oldenburger Krahmer=Marckt“ rütteln die Autoren sogar am Anlass der Veröffentlichung. Ist der Kramermarkt wirklich 400 Jahre alt?

Die Autoren geben sich unentschieden: „Alle uns zur Verfügung stehenden wissenschaftlichen Datierungsmethoden münden in der Erkenntnis: Ansichtssache!“ Denn: Lege man die Anton Günthersche „Verordnung wegen der Oldenburger Krahmer-Marckte“ von 1608 zugrunde, „dann haben wir 2007 den 400. Kramermarkt“. Wohl wissend, dass 1608 kein neuer Markt begründet wurde, sondern dass per gräflicher Verordnung bereits lang existierendes Marktgeschehen geregelt wurde. Das alternative Altersmodell: In einem 1243 datierten Vertrag (mit Bremen) des Grafen Anton und seines Neffen Johann von Oldenburg, wird erstmals unter anderem auf zwei hiesige Märkte am 15. Juni („Viti“) und 16. Oktober („Galli“) hingewiesen.

Da das Marktgeschehen des Mittelalters aber auch hartnäckigen Rechercheuren wegen des allgemein anerkannten Dunkels dieses Zeitalters verborgen bleiben dürfte, stürzen sich die beiden Autoren ohne weiteres Urteil über das Alter des Markts in die greifbaren, also gedruckten Nachrichten über das bunte Treiben. Und wurden in der frühen Neuzeit fündig: Man trieb es im Oldenburgischen damals so bunt, dass sogar ein (titelloses) Berliner Blatt – in unserer Region gab es noch keine Zeitung – Kenntnis nahm. Nach den Recherchen des Historikers Walter Barton startete die Medienkarriere des Markts 1621 mit der Schilderung eines nächtlichen Überfalls, bei dem vom Oldenburger Markt kommende Kaufleute in Delmenhorst zu Opfern dreister Räuber wurden.

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Zitat: „…Verschiedene (Anm.: vergangene) Wochen haben sich 8 Reuter im Lande herum getrehet / vnd endlich die Kauffleut / so von Oldenburg Pferdemarck abgereiset / außgespüret / bey Nächtlicherweile auff der strassen in der Graffschafft Delmenhorst angegriffen / beraubt / vnd alles abgenommen / der Kauffleut sein eilff gewesen / auff zwey Heydwagen / vnd haben 6 geladene Rohr vnter sich gehabt / aber sich zu keiner Wehr gestellt / davon die Reuter endlich so getrost worden / das jhrer 2 gar von Pferden abgestiegen / vnd vnter den Leuten herumb gemaust / vnd gebeutet.“

Nach diesem ersten Kriminalreport sollte es Jahrzehnte dauern, bis wieder etwas über Oldenburger Markttage und Marktereignisse in Gazetten zu lesen war. Eine unspektakuläre (aber doch wichtige) Mitteilung verbreitete dann eine offizielle Anzeige („Advertissement“) in der Altonaer Zeitung von 1683. Sie handelt davon, dass der bisher zu Michaelis in Oldenburg abgehaltene Vieh- und Handelswarenmarkt aus Feiertagsgründen auf den darauf folgenden Montag, 1. Oktober, verlegt wird.

Das Buch, herausgegeben von der Stadt, erscheint im Isensee Verlag, hat 176 Seiten, und kostet 14,80 Euro. Zu haben ist es ab Dienstag, 4. September. Gefördert wurde es von der Landessparkasse zu Oldenburg und der Öffentlichen Versicherung Oldenburg.

Thorsten Kuchta stv. Redaktionsleitung / Redaktion Oldenburg
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