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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Kultur

Reiterstandbild bleibt in der Diskussion

16.04.2019
Betrifft: „Beim Grafen gilt für zwei Wochen der Videobeweis“ und Kommentar „Falsche Aussage“ von Thomas Husmann (NWZ vom 20. März) sowie nachfolgende Berichte und die dazugehörige Umfrage

Die Fakten: Hochrangige Politiker und Freunde beauftragen einen Künstler mit der Anfertigung eines Bronze-Denkmals des Grafen Anton Günther nach dem Vorbild eines Wandgemäldes aus der Zeit des Historismus. Sie fordern dessen Aufstellung im Schlosshof Oldenburgs. Der verantwortliche Museumsdirektor lehnt das aus guten Gründen ab. Seine Entscheidung wird vom zuständigen Ministerium bestätigt. Die Initiatoren veranlassen darauf den Landtag, darüber abzustimmen.

Die Mehrheit entscheidet gegen das Denkmal. Der Kultusminister nötigt darauf den Museumsleiter, die Arbeit vorübergehend als Bestandteil eines Ausstellungsprojektes zu übernehmen. So wird diese Bronzearbeit mit großem Aufwand im Schlosshof aufstellt. Aber wenige Tage später lässt der Eigentümer diesen Anton Günther wieder abholen, um ihn weiter „vor Beschädigungen durch Jugendliche zu bewahren.“ Aus meiner Sicht ein Glücksfall.

Ich wurde erinnert an meinen Besuch im neuen Museum der Deutschen Kunst in München 1939. Ein Albtraum von politisch ausgewählter Kunst lieblicher Landschaften, strahlender Bauerntypen sowie beutend blickender Kriegshelden und Politiker. Glücklicherweise waren wir Gymnasiasten von unserem hoch angesehenen Kunstlehrer Adolf Niesmann, entgegen dem vorgeschriebenen Lehrplan, vertraut mit zeitgenössischen Kunstrichtungen. Das war eine prägende Erfahrung darüber, was passiert, wenn Politik vorgibt, was gute und was schlechte (entartete) Kunst ist. (...)

Ummo Francksen
Oldenburg

Wenn Menschen kollektiv an einen Monarchen zurück gedenken wollen, ist Ihnen dieser Wunsch zu verweigern? Es geht ja nicht zwangsläufig um eine Sehnsucht zurück in die Unmündigkeit. In jedem von uns steckt doch ein König. Poesie, Pädagogik, Psychologie wissen von der Relevanz dieses Ur-Motivs in allen Zeiten und Kulturen.

Das Standbild sollte also so, wie es ist, an einem bedeutungsvollen Platz öffentlich aufgestellt werden, aber auf einem sehr hohen Sockel in, sagen wir, vier bis sechs Metern Höhe. Warum?

1. Die Verehrung des Grafen wird auf charmante und buchstäbliche Weise ironisch überhöht.

2. Der Graf, Zeichen einer anderen Zeit, rückt in eine angemessen andere Sphäre, unserer direkten Wahrnehmung entzogen.

Auf den reichlich vorhandenen Seitenflächen des Sockels wäre der Entscheidungsprozess um die Skulptur zu dokumentieren, denn dies wäre doch das Denk-Mal, das Oldenburg sich nun wirklich verdient hat. (...)

Postskriptum: Ein größeres Vorhaben wäre es, dem hochbesockelten Grafen eine aufrührerische Figurengruppe am Erdboden zur Seite zu stellen, die mit Seilen versucht, den Monarchen von seinem hohen Ross bzw. Sockel zu zerren. Alles in Bronze, versteht sich. Der Sturz des Regenten würde freilich nicht gelingen, denn in dieser Geste wäre die gesamte Szene eingefroren, verewigt. Das ganze Ensemble würde so zu einer Art Versuchsanordnung. Einer Paraphrase über die offensichtlich unbezwingbare Sehnsucht nach Ordnungen früherer Zeiten – und deren gleichzeitige Unwiederbringlichkeit.

Alexander Goretzki
Oldenburg

Die letzte Befragung zu diesem Thema hat leider nicht geklappt (Internetproblem!), deshalb melde ich mich gerne heute:

Als Neu-Oldenburger (seit zehn Jahren), aber schon lange in der Region lebender, kann ich die ganze Diskussion nicht ganz nachvollziehen:

Immerhin hat Oldenburg dem Grafen viel, sehr viel zu verdanken und gehört – finde ich – ganz einfach zu Oldenburg! Und schließlich steht auf dem Schloßplatz ja auch jemand wie Peter Friedrich Ludwig, warum also nicht auch der Graf?? Ehre, wem Ehre gebühret! Alles Übrige halte ich – pardon – für kleinlich!

Gerhart Krutschinna
Oldenburg

Das Reiterstandbild soll natürlich bleiben!

Erika Martens
Ofen

Die NWZ hat wiederholt vom „Künstler“ Bernd Eylers geschrieben. Aber die Reiterstatue hat der Dresdner Walter Hilpert geschaffen.

Eylers Denkmal ist auch kein Duplikat, sondern die zweite Ausführung aus der Gießerform. Man sollte sich mit dem Eylers-Denkmal nicht mehr befassen, sondern sich um das Original in der Waschstraße kümmern. Der Eigentümer ist bereit, es der Stadt zur Aufstellung in Schlossnähe zu geben. Eine Aufstellung direkt vor dem Schloss fände ich nicht passend, und Professor Stamm hat ja auch ein Wörtchen mitzureden. Man könnte Skeptikern die Aufstellung schmackhaft machen mit einer Aufstellung ohne Sockel. Damit wäre das Denkmal volkstümlich für alle anzufassen und eventuell auch „bereitbar“ zwischen den Kanonen am Paradewall zu platzieren. Die Kanonen sollten Richtung Erdboden umgedreht werden, eben „friedensgerecht“.

Die Darstellung von Hilpert hat etwas für sich. Sie zeigt Graf Anton Günther nicht als Hero, sondern als gebrechlichen Greis drei Jahre vor seinem Tod. Er sitzt auf einem normalen Pferd, denn der „Kranich“ war schon lange tot. Die Darstellung wäre dann auch kein Anachronismus, sondern touristengerecht. Die Stadtführer würden sich freuen, die Führungen vor der Statue beginnen zu lassen.

Diese Platzierung könnte noch mal wichtig werden, weil der Grund zum Land Niedersachsen gehört, der Schlossplatzgrund der Stadt Oldenburg.

Hans-Adolf Puls
Oldenburg

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