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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Kultur

Sängerin Im Nwz-Interview: Warum Kery Fay beim CSD in Oldenburg auftritt

15.06.2017
NWZonline.de NWZonline 2017-06-15T17:13:20Z 280 158

Sängerin Im Nwz-Interview:
Warum Kery Fay beim CSD in Oldenburg auftritt

Oldenburg

Frage: Kery Fay, Sie stehen oft bei CSDs und ähnlichen Veranstaltungen auf der Bühne...

Fay: Ich habe das nie geplant, weil ich früher mit dem Thema Homosexualität nicht in Berührung gekommen bin. Das hat sich irgendwie entwickelt, als ich vor rund fünf Jahren die ersten Einladungen zu CSDs bekommen habe. Ich habe dadurch viele Leute kennengelernt und viele Freunde in der Szene gewonnen.

Linktipp: NWZ-Spezial zum CSD Nordwest in Oldenburg

Frage: Warum kommen Sie besonders in dieser Szene so gut an? Gibt es – überspitzt gefragt – „schwule Musik“?

Fay: Ich glaub, dass viele Leute in der LGBT-Szene (Abkürzung aus dem englischen Sprachraum, steht für Lesben, Schwule, Bisexuelle und Transgender; Anm. d. Red.) gerne elektronische Musik hören. Zudem unterstützen sie oft starke Frauen in der Pop-Szene wie schon Madonna, Kylie Minogue oder Lady Gaga. Ich glaube schon, dass Homosexuelle einen guten Riecher für Trends haben. Sie waren häufig die ersten Entdecker. Ich denke, das hängt damit zusammen, dass sie einfach offener sind für neue Dinge, an die sich ein „Normalo“ vielleicht nicht so herantraut.

Kery Fay

Kery Fay (28) wurde unter dem bürgerlichen Namen Karyna Fedorchuk nahe Kiew in der Ukraine geboren. Mit zwölf Jahren wanderte sie mit ihren Eltern nach Deutschland aus.

Die Wahl-Hamburgerin begann schon früh, eigene Songs zu komponieren. 2014 veröffentlichte die Sängerin, Songwriterin und Keyboarderin ihre Debüt-Single „Running“.

„Otherside“ heißt ihre aktuelle Single, bei der Fay auch als Co-Produzentin fungierte. Ihr erstes Solo-Album erscheint Anfang Herbst 2017.

Beim Kulturfest auf dem Schlossplatz nach der CSD-Demo am Samstag, 17. Juni, ab 14 Uhr, steht Fay auf der Bühne.

Frage: Haben Sie keine Sorge, dass Ihnen dadurch als Künstlerin ein Stempel aufgedrückt wird?

Fay: Überhaupt nicht. Ich fühle mich super wohl damit. Auf den Events ist immer gute Stimmung, oft sogar bessere als auf manchen anderen. Und ich denke, dass mich ein Veranstalter, der mich wegen meiner Nähe zu Homosexuellen nicht bucht, mich auch so nicht gewollt hätte. Man muss nicht jedem gefallen. Jeder hat sein Publikum, und das ist auch gut so.

Frage: Sie setzen sich für Toleranz und Gleichberechtigung ein. Wie kam es zu diesem Engagement?

Fay: Ich habe durch meine Auftritte viele Freunde gewonnen, die homosexuell sind und mich dann mehr mit dem Thema beschäftigt. Das hat mir auch eine neue Perspektive auf meine Heimat Ukraine eröffnet. Ich selbst war erst kürzlich für eine Woche dort und habe festgestellt, dass viele Leute leider nicht sehr offen sind. Das hat sich zuletzt gebessert und es ist auch nicht so schlimm wie zum Beispiel in Russland. Ich bemerke, dass sich Prominente wie Schauspieler oder Sänger häufiger trauen, offen mit ihrer Homosexualität umzugehen. Aber bei ganz normalen Bürgern sieht man das eher selten. Ich habe ein paar Freunde, die ich gerne einmal in meine Heimat mitnehmen möchte. Aber ich traue mich noch nicht richtig, weil ich nicht weiß, ob sie dort sicher sind. Das macht mich sehr traurig und ich hoffe, das wird sich demnächst ändern.

Frage: Wie ist diesbezüglich ihr Eindruck in Deutschland?

Fay: Hier sind die Leute schon sehr tolerant, gerade in Großstädten. Was ich mir persönlich aber wünsche, ist, dass die Menschen auch in kleineren Orten offener werden. In Berlin, Hamburg oder Köln ist der Umgang mit Homosexualität ganz normal. Aber in einem kleinen Dorf ist es viel schwieriger, sich zu outen.

Frage: Im Video zu Ihrem Song „Otherside“ zeigen sie auch homosexuelle Liebespaare. Ist das die visuelle Umsetzung Ihres Aufrufs zu Toleranz?

Fay: Es war schon bewusst das Ziel, damit auch ein bisschen zu provozieren. Wenn man sich das Video anschaut, sieht man ja nicht sofort, dass dort auch zwei Männer Arm in Arm zusammensitzen, weil einer von ihnen lange Haare hat. Da gab es viele überraschte Reaktionen. Ich wollte damit zeigen, dass Liebe bei allen gleich ist, egal ob in der Konstellation Frau-Mann, Mann-Mann oder Frau-Frau.

Frage: Was folgern Sie aus den Reaktionen auf das Video?

Fay: Es ist natürlich ein schlechtes Zeichen, wenn so ein Video immer noch Aufregung erzeugt und als Provokation gesehen wird. Aber wenn man es nicht macht, werden die Menschen auch nicht damit konfrontiert und es ändert sich nie etwas. Insgesamt gab es aber wenige negative Reaktionen, sondern mehr Interesse und Fragen.

Frage: Nun sind Sie zu Gast beim CSD Nordwest. Was kann das Publikum erwarten?

Fay: Ich plane Party und ganz viel tanzbare Musik. Ich hoffe, die Menschen haben tolle Laune. Ich habe gehört, der Auftritt wird am Tag stattfinden, das kenne ich von anderen CSDs anders. Aber ich hoffe und bin mir ziemlich sicher, dass es trotzdem eine super tolle Stimmung sein wird.

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