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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Kultur

Schöne Hommage an einen mutigen Musiker

13.06.2015

Oldenburg Es war ein Abend der leisen, nachdenklichen und gleichzeitig unglaublich starken Töne: Unter dem Titel „Weil ich leben wollte“ präsentierten Sängerin Julia Schilinski, Schauspieler Rolf Becker und Pianist Gerhard Folkerts am vergangenen Donnerstag auf Einladung der Evangelischen Akademie im PFL einen Abend mit Werken von Mikis Theodorakis. Unterstützt wurden sie dabei vom Oldenburger Chor Bundschuh. Eine Hommage zum 90. Geburtstag des griechischen Musikers und Widerstandskämpfers sollte es werden, hatten die Künstler versprochen – und ihr Versprechen gehalten. Das Publikum dankte es ihnen mit großem Applaus, teils sogar stehenden Ovationen.

„In Theodorakis‘ Liedern steckt ganz viel ehrliches Gefühl – sie haben mich vom ersten Moment an im Herzen berührt“, sagt Sängerin Julia Schilinsky. Alle drei Künstler kennen den großen Griechen persönlich, und diese Nähe war in jedem Moment des Konzertes spürbar. Nach einem ersten gemeinsamen Auftritt von Theodorakis und Gerhard Folkerts entstand vor zehn Jahren die Idee eines Programms mit Werken des bekanntesten griechischen Musikers, der sich besonders mit der Musik zu Filmen wie Alexis Zorbas international einen Namen gemacht hat. An diesem Abend allerdings zeigte sich weitaus mehr als nur diese bekannte Seite des Komponisten. Mikis Theodorakis war nie nur Künstler, sondern ist bis heute immer auch ein politischer Geist. Er war Widerstandskämpfer während der Besetzung Griechenlands durch die Deutschen im Zweiten Weltkrieg, fand klare Worte gegen die griechische Militärdiktatur – 1967 wurden daraufhin seine Lieder verboten –, wurde mehrfach inhaftiert und misshandelt und ist dennoch bis heute eine kritische Stimme in der Politik. Im Rahmen der Finanzkrise Griechenlands warnte er in seinem gemeinsamen Aufruf mit Manolis Glezos 2011 vor dem „Imperium des Geldes“, mit dem Europa heute wieder einer finanziellen, sozialen und politischen Bedrohung gegenüberstehe und Gefahr laufe, seine Kultur zu verlieren. Aktuelle Texte wie diesen und niemals an Aktualität verlierende Texte aus früheren Zeiten las Rolf Becker mit großer – spürbar auch persönlicher – Emotionalität. Seit 30 Jahren zieht es den Schauspieler nach Griechenland, zunächst im Urlaub, mittlerweile regelmäßig auch für Hilfsprojekte. Dort unterstützt er gemeinsam mit Mitstreitern unter anderem ein Arbeitslosenzentrum im Hafenbezirk von Piräus. „Die Arbeitslosigkeit liegt hier bei 80 Prozent“, erzählt er. „Und trotzdem versuchen die Menschen, sich irgendwie selbst zu organisieren.“ Die Griechen, so Becker, „haben immer gekämpft, auch wenn sie viele Niederlagen einstecken mussten. Durch diesen ungebrochenen Willen ist ein ganz besonderes Selbstbewusstsein entstanden.“ Im September macht er sich wieder auf den Weg nach Griechenland, bis dahin ist er gemeinsam mit Julia Schilinski und Gerhard Folkerts mit dem Theodorakis-Programm noch auf mehreren deutschen Bühnen zu sehen. „Was ich als Wertvollstes gegeben habe, ist meine Musik“, hat Mikis Theodorakis einmal gesagt. „Und ich möchte mein Leben zu Ende bringen, indem ich meine Musik weiter verschenke.“ Diese Hommage an den großen Musiker und Kritiker ist ganz zweifellos ein Geschenk an das Publikum.

Das Programm der Akademie der Ev.-Luth. Kirche in Oldenburg finden Sie unter


  www.akademie-oldenburg.de 

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