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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Kultur

Soul wird von Lyrik veredelt

23.07.2016

Oldenburg Es ist nicht jedem Künstler vergönnt, zweimal in kurzer Zeit auf der großen Kultursommer-Bühne vor dem Schloss aufzutreten. Iyeoka aber durfte: Nach ihrem spektakulären Oldenburg-Debüt 2014 wurde sie am Donnerstagabend fast schon wie eine gute Freundin empfangen. Und die Show, die sie den über 5000 Zuschauern bot, war dann auch in jeder Beziehung großartig.

Großartig vor allem deshalb, weil so vieles neu war, weil Iyeokas Auftritt mit jenem von vor zwei Jahren nicht mehr zu vergleichen ist. Die Sängerin mit nigerianischen Wurzeln aus Boston hat die Soul-Pop-Anteile in ihrem Repertoire weiter verringert zugunsten von poetischen Songgemälden, in denen sie viel Persönliches, aber auch Politisches offenlegt. Diese hörbaren Skulpturen, die vorrangig auf dem Einsatz diverser Perkussionsinstrumente ruhen, entfalten ihre Wirkung besonders durch Iyeokas offensiveren Kontakt zum Publikum. Was vor zwei Jahren noch schüchtern und zurückhaltend klang, war nun einem selbstsicheren Auftreten gewichen. Dass die Ansprachen bisweilen etwas zu sehr auf den Kauf einer CD abzielten, sei mal dahingestellt.

Man konnte der inzwischen zweifachen Mutter solche überlangen Monologe schnell verzeihen, die Kunst der Sängerin und Lyrikerin überragt alles. Allein ein Lied wie „Thunder“, in dem sie ihre Erfahrungen bei der Geburt ihres zweiten Kindes schildert, faszinierte mit ihrer musikalischen Dramatik und textlichen Eindringlichkeit gleichermaßen. Iyeoka Ivie Okoawo (so ihr kompletter Name) verbindet in ihren Kompositionen Soul, Pop, Reggae und Jazz mit teils sehr langen Gedichten. Sie schafft so eine einmalige, auf jeden Fall sehr eigenständige Form des oft normierten populär-künstlerischen Ausdrucks.

Iyeoka, deren Stimme gern mit der von Marla Glen, Tracy Chapman oder Amy Winehouse verglichen wird und deren Name mit „Ich möchte respektiert werden“ zu übersetzen ist, erhält diesen Respekt durch ihren Vortrag – und durch die Wahl ihrer Mitmusiker. Allen voran ist da der malaiische Gitarrist Shree Sadagopan zu nennen, dessen Spiel den vokalen Ausflügen der Sängerin die nötige Bodenhaftung verleiht. Und auch Jonathan Heraux (Schlagzeug), Eli Clemens (Congas), Andrew Bergmann (Saxofon) und Bassist Aaron Friedman sorgten für einen großen, dichten Sound auf dem Schlossplatz.

„Ich singe für die Kostbarkeit, die das Leben darstellt“, meinte Iyeoka gegen Ende des Konzerts. Sie bewies dieses Motto in bewegenden musikalischen Solidaritätsbekundungen für die über 200 entführten Schülerinnen in Nigeria („Cry for Africa“) ebenso wie in kurzen, knackigen Popsongs wie „Milk and Honey“ oder „Gold“. Knapp zwei Stunden machte Iyeoka den Schlossplatz erneut zu ihrem Vortragssaal, und keine Sekunde davon war überflüssig.

Klaus Fricke

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