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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Kultur

Eine Möwe im neuen Gefieder

24.11.2017

Oldenburg Wenn Dramaturg Jonas Hennicke vom Oldenburgischen Staatstheater von „einer Möwe im neuen Gefieder“ spricht, dann hat er nicht etwa plötzlich das Fachgebiet gewechselt und ist unter die Biologen gegangen. Vielmehr geht es um die neue Inszenierung von Anton Tschechows tragischer Komödie „Die Möwe“ von 1895.

Auch wenn Tschechow sich mit den großen Menschheitsthemen Liebe, Tod, Verrat und geplatzten Träumen beschäftigt hat, also Themen, die damals wie heute aktuell sind, gibt es doch ein Problem. Die meisten Übersetzungen des 120 Jahre alten Textes stammen aus den fünfziger und sechziger Jahren. Dadurch wirken sie auf uns teilweise etwas angestaubt oder antiquiert. Dem Staatstheater ist es jedoch gelungen, eine Regisseurin zu finden, die in Odessa geboren ist. Sie ist mit der slawischen Kultur vertraut und russische Muttersprachlerin. Elina Finkel hat eine eigene Übersetzung der Möwe angefertigt und den Text somit näher an uns herangeholt. Man versteht ihn besser und kann somit auch wieder besser mit den Figuren mitfühlen.

Und genau dieses Mitfühlen ist es ja auch, was Tschechow erreichen wollte. Seine extrem genauen Figurenzeichnungen waren Ende des 19. Jahrhunderts etwas ganz Neuartiges und machten ihn somit zum Mitbegründer des sogenannten „psychologischen Realismus“. Diese möglichst lebensgleiche Beschreibung und Darstellung von psychologischen Zuständen war eine Strömung, die sich bis ins heutige Hollywood fortgesetzt hat. „Alles, was wir heute in Film und Fernsehen sehen, hat dort seinen Ursprung“, erklärt Hennicke.

Neben der neuen Übersetzung bietet diese Inszenierung eine weitere Besonderheit. Man arbeitet erstmalig mit dem Landesmuseum Natur und Mensch Oldenburg zusammen. Das Landesmuseum hat zahlreiche Tierpräparate aus seinem mehr als reichhaltigen Archiv zur Verfügung gestellt. Diese wurden kunstvoll in das Bühnenbild integriert und haben zum Ende des Stückes ihren großen Auftritt. Mehr möchte Hennicke vorab zum Bühnenbild jedoch nicht verraten. Die Zuschauer sollen sich lieber überraschen lassen.

Man kann nur hoffen, dass die Premiere im Staatstheater beim Publikum besser ankommt als bei der Uraufführung 1896 im Alexandrinski-Theater in St. Petersburg. Aber dort waren die Zuschauer auch mit anderen Erwartungen ins Theater gegangen: Es sollte eine Benefizveranstaltung für einen bekannten russischen Komödianten stattfinden. Tschechows Komödie war für dieses Publikum nicht komisch genug.

Was wiederum sehr komisch ist, denn genau dieses Szenario hat er in der Möwe fast schon prophetisch geschildert. Ein junger Mann namens Konstantin Gawrilowitsch Trepljow möchte Schriftsteller werden. Er scheitert aber an seiner eigenen Mutter, der berühmten Schauspielerin Irina Nikolajewna Arkadina. Aus ihrem übermächtigen Schatten vermag er nicht zu treten. Mit weiteren Gästen verbringen die beiden auf einem Landsitz ihre Zeit und aus Langeweile lässt Trepljow eines seiner Stücke den Gästen vorführen. Dabei kommt es zum Eklat.

Eine spätere Aufführung der Möwe am Moskauer Künstlertheater war übrigens ein spektakulärer Erfolg.

Als Konstantin Gawrilowitsch Trepljow tritt Rajko Geith im Staatstheater auf. Die Rolle der Irina Nikolajewna Arkadina übernimmt Caroline Nagel. Als Nina Michailowna Saretschnaja, die Geliebte Trepljows, gibt Katharina Shakina ihr Debüt. Jens Ochlast spielt Boris Alexejewitsch Trigorin, einen berühmten Schriftsteller und Vertrauten der Arkadina.

Das Stück feiert Premiere am 25. November um 20 Uhr im Kleinen Haus. Dafür gibt es noch Restkarten. Weitere Vorstellungen finden am 2. und 9. Dezember statt, jeweils um 20 Uhr. Das Stück wird bis zum 13. März 2018 gespielt.

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