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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Kultur

Brauchtum: Tradition ist, was sie daraus machen

18.04.2017

Oldenburg Es knistert. Flackert. Und frohlockt. Meterhoch schlagen die Flammen, himmelwärts zieht beißender Qualm. Schattenrisse versprechen Küsse, mindestens aber Umarmungen. Menschen lachen, schnacken, schweigen still – jeder für sich, und alle miteinander. Handys werden nur selten gezückt; das Fläschchen Bier in der linken und die Liebste in der rechten Hand mögen das an diesem späten Samstagabend verhindern. Vielleicht ist’s aber auch einfach der Anlass an sich, der derart innehalten, das Gefühl fürs Besondere dieser Nacht walten lässt?

Schon ein gutes halbes Stündchen vor dem Start des Fackelzugs kauern sie hier in Neuenwege eng beieinander. So eisig der Wind durch die Gasse fegt, so groß ist die Vorfreude der vor allem kleinsten Gäste auf das, was da in den nächsten Minuten kommen mag. Die Osternacht steht bevor – und die wird bewährter Weise mit einem Fackelzug der Kinder eingeläutet. Schließlich sollen sie gleich den wochenlang ehrenamtlich zusammengetragenen Haufen aus Baum- und Strauchschnitt entzünden. Vor dem Vergnügen aber kommt die Arbeit – und ein mehrere hundert Meter langer Weg, über den die Fackeln möglichst verletzungsfrei ins Ziel gebracht werden müssen. „Nicht mit dem Feuer an die Menschen!“, weist da ein verzweifelter Vater seinen Jüngsten an. Und im Hintergrund dudelt der Schneewalzer im Dreivierteltakt.

Fritz Heinemann (77) und Gerold Hinrichs (78) holen aus ihren frisch aufpolierten Quetschkommoden alles raus, was ihre zusammen rund 150-jährige Musikerfahrung hergibt. „Und was uns gerade noch einfällt“, kokettiert Hinrichs, „nur nichts von Andrea Berg!“

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Seit vielen Jahren wandern sie hier schon mit, sorgen im Anschluss für das passende Hintergrundrauschen einer Nacht, die kein Beteiligter gern vergessen mag. Von den Zuhörern gibt’s dafür Beifall, vom hier federführenden Heimat- und Bürgerverein Neuenwege ein Kaltgetränk, ’ne Wurst und ganz viel Herzenswärme. Richtig heiß wird’s aber erst, als der über 100-köpfige Fackelzug aufs Kommando der vorfreudigen Vorsitzenden Birgit Kempermann das Osterfeuer entzündet. Über die mittlerweile rund 300 Mitfeiernden legt sich ein schwerer Hitzepanzer, Kempermann indes wirkt schlagartig wie befreit. „Das Gesellige“, wird sie wenig später sagen, „steht hier absolut im Vordergrund“. Und so haben die Kleinsten also ihre Eltern im Schlepptau, weil’s deren Eltern auch schon mit ihnen gemacht hatten. Seit Jahrzehnten läuft das schon so. Aus gutem Grund.

Auch wenn das Wörtchen „Tradition“ gern mal so weit wie eben möglich gebeugt und gezerrt wird, trifft’s in diesem Falle aber tatsächlich zu. In Zeiten, da Brauchtum immer seltener gepflegt wird, stattdessen ständig neue Action herhalten muss, um Geist und Nerven zu berühren, scheint solch ein knisterndes Osterfeuer ein wahrer Schatz. Nur noch vier wurden an diesem Wochenende auf Oldenburger Boden entzündet; einst waren es sehr viel mehr. Und auch wenn das Eten und Drinken, der gemeinsame Schnack, beim Osterfeuer mehr und mehr in den Vordergrund rücken mag, bleibt der Anlass doch stets derselbe. Dass immer nach dem ersten Frühlingsvollmond allüberall Osterfeuer zur Zusammenkunft laden, daran die Osterkerze entzündet wird und so Christus als Licht der Welt symbolisiert, ist hier nicht jedem Zaungast geläufig. Das ist schade, muss es aber ja vielleicht auch gar nicht sein. „Uns geht es hier um die Pflege der Tradition“, sagt Kempermann – und spricht damit wohl den meisten Teilnehmern aus dem Herzen.

Schlickerkram gibt’s für die Kleinsten, die älteren Kinder dürfen länger wach bleiben und in der Natur spielen, während die Älteren in der Vergangenheit und vielleicht ja auch in sich schwelgen. Früher war nicht alles besser. Aber Bestes wie dieses bleibt. Zum Glück.

Ein Video zum Feuer, samt Erklärstück, findet sich hier:

https://www.youtube.com/watch?v=xqWr0Ae9WuQ&t=3s

Marc Geschonke Redakteur / Redaktion Oldenburg
Rufen Sie mich an:
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