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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Kultur

Tränen einer Königin fließen musikalisch

27.11.2013

Oldenburg Wie setzt man die Tränen einer Königin in Musik um? Der in Verona geborene und im barocken Wien tätige Antonio Bertali schrieb mit „Lamento della regina d´Inghiterra“ ein zeitnahes, packendes Klagelied der englischen Königin Henrietta Maria, deren Mann, König Karl I., gerade vom britischen Parlament hingerichtet worden war. Ein gehaltvolles Konzert in der Ansgari-Kirche mit Erläuterungen der Oldenburger Historikerin Dagmar Freist zu Zeit- und Lebensumständen der französischen Königstochter Henrietta Maria, die aus dynastischen Gründen als ungeliebte Katholikin ins protestantische England verheiratet wurde, nach und nach die Liebe ihres Mannes gewann, im Bürgerkrieg als Mutter von zehn Kindern fliehen musste und Ehemann und Besitz verlor, brachte über die Zeiten hinweg ein weibliches Lebensschicksal durch die Kraft der Musik nahe.

Schmerz und Rache

Bertalis Klagelied der Königin ist dunkel getönt und lässt die Protagonistin mit den Mitteln der damaligen Oper (sehr intensiv deklamierend, so Nele Gramß) ihren Schmerz, ihre Verzweiflung, aber auch ihren Hass und ihre Rachegedanken ausagieren. Natürlich sind diese in Musik gesetzten starken Gefühle der damaligen Ästhetik entsprechend formalisiert, typologisiert, eben nicht individuell, aber in ihrer Ausdruckskraft, die durch das packende, rhythmisch bewegte Spiel des Kammerorchesters La Dolcezza schön herauspräpariert wurde, fordern sie auf, sich in die dramatischen Geschehnisse hineinzuversetzen. In Bertalis Werk sinkt am Schluss die leidende Königin in tiefe Ohnmacht; die historische Königin soll durch die Nachricht von der Exekution ihres Gatten in einen Schock gefallen sein und bis zu ihrem Tod ein einfaches schwarzes Trauerkleid getragen haben.

Die weiteren Werke des von der Geigerin Veronika Skuplik zusammengestellten Programms bezogen sich nicht auf die historischen Ereignisse, waren aber geeignet, die Ausdruckspalette des Trauerns, Weinens und Verzagens im Auditorium wachzurufen.

Überzeugende Kantate

Unter den eindringlichen Melodien stach künstlerisch und von der Expressivität die Kantate „De profundis clamavi“ (Aus der Tiefe rufe ich, Herr, zu Dir) von Nicolaus Bruhns hervor, gesungen von einem ebenso würdevoll wie emotional anrührenden Harry van der Kamp, dessen Stimme aus der Tiefe kommt und dessen Flehen hätte Steine erweichen können. Nicht um Tränen einer Königin ging es hier, sondern um Tränen und Verzweiflung jedes Menschen.

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