• Jobs
  • Immo
  • Auto
  • Kleinanzeigen
  • Trauer
  • Hochzeit
  • Guide
  • Shop
  • Tickets
  • nordbuzz
  • Fußball
  • Werben
  • Kontakt
 
NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Kultur

Verrückte Idee mit Folgen

21.08.2013

Oldenburg Der Filmfestchef geht nicht, er rast die Treppe hinauf. „Tut mir leid“, murmelt er, „ich bin schon wieder zu spät“, und dann scannt er mit diesem Torsten-Neumann-Blick erst einmal die Umgebung, das „Seelig“ in den Schlosshöfen. Da hinten hängen alte Filmfest-Fotos an der Wand? Interessiert ihn jetzt nicht. Da oben laufen demnächst Filmfest-Filme? So weit denkt er noch nicht. „Ah“, er lächelt, da ist es ja: „Da kann ich rauchen!“ Torsten Neumann hat die rettende Tür zum Balkon entdeckt.

In drei Wochen beginnt das Filmfest Oldenburg, Ausgabe Nummer 20, und wenn sie keinen Kalender hätten, könnten die Filmfest-Mitarbeiter einfach Neumanns steigenden Tabakkonsum auswerten – das Filmfest würde pünktlich beginnen. „Ja, wir sind im Stress“, sagt er: die Foto-Ausstellung zum Jubiläum. Das Buch zur Ausstellung. Die Filme. Die Stars. Die Partys. Die Programmhefte. „Eigentlich“, sagt er, „kann man das nicht machen.“ Mit so wenig Geld. So wenig Mitarbeitern. So wenig Zuspruch aus der Politik. „Andererseits ist das mein Leben, seit 20 Jahren.“ Neumann ist jetzt 48.

Zwei Studenten, ein Plan

Wenn das hier ein Film wäre, begänne er in einer kleinen Kneipe bei Hannover. An einem klebrigen Tisch plaudern zwei Studenten über Filme; Zigarettenqualm hängt wie eine Glocke über ihnen. In der nächsten Szene fahren die Studenten gemeinsam zur Berlinale und zum Filmfest München, Schnitt, und schon gründen sie in Oldenburg ihr eigenes Festival. Die Studenten heißen Torsten Neumann und Thorsten Ritter.

Warum Oldenburg? „Berlin hatte ja schon ein Filmfest“, sagt Neumann.

Die ersten Filme laufen in der Kulturetage, die Presse lobt das „hervorragend zusammengestellte Programm“ und nennt das junge Festival einen „Geheimtipp“. Mutter Neumann und Mutter Ritter kümmern sich um die Buchführung.

Zu jedem Film gehören die nie gezeigten Bilder, die „deleted scenes“. Zum Beispiel diese hier: Als 1998 Til Schweiger in der Stadt war, sagten die Mütter, also das mit dem Roten Teppich würden sie ja auch gern mal sehen. Die Straßen waren alle gesperrt, deshalb setzten Neumann und Ritter die Frauen in die nächstbeste Filmfestlimousine. Vor dem Wallkino stieg Mutter Ritter aus, die Menge klatschte, bis einer maulte: „Das ist ja gar nicht Til Schweiger!“ Torsten Neumann lacht, und dann geht er erst einmal eine rauchen.

Filmfest 2010: Torsten Neumann und Verena Brandt BILD: Jörg Hemmen

Prominente an Oldenburger Plätzen fotografiert

Das 20. Filmfest Oldenburg läuft vom 11. bis zum 15. September. Fünf Tage werden 45 bis 50 internationale Filme in der Stadt gezeigt, gut 100 Schauspieler, Regisseure und Produzenten haben ihr Kommen zugesagt. Der Etat liegt bei knapp 340 000 Euro.

Als Vorgeschmack auf das Festival wird an diesem Donnerstag die Foto-Ausstellung „People and Places“ in der „Bauwerk“-Halle am Pferdemarkt eröffnet (19 Uhr). Verena Brandt fotografiert seit 2008 Filmfest-Gäste an verschiedenen Oldenburger Plätzen. Öffnungszeiten: montags, dienstags, donnerstags, freitags von 10 bis 18 Uhr.

Längst ist das Filmfest zu groß geworden für Mütter, die Buch führen, geblieben ist aber das Familiäre. Stars kamen nach ihrem ersten Besuch immer wieder: Rockmusiker Bela B., Hollywood-Mime Matthew Modine, US-Regisseur John Gallagher und allen voran Schauspieler Seymour Cassel, der für Oldenburg zahlose Kontakte in die USA knüpfte. Ein Oldenburger Hotel hat inzwischen eine Suite nach Cassel benannt, ein Filmfestpreis trägt seinen Namen, und in diesem Jahr wird er das große Stadtsiegel erhalten. Oldenburgs Oberbürgermeister Gerd Schwandner ist ein großer Filmfest-Fan. Andere Politiker tun sich da schwerer.

Die ganze Vielfalt

Torsten Neumann geht eine rauchen, er mag drei Wochen vor Filmfestbeginn nicht über Politik und sinkende Budgets reden. Lieber spricht er über die junge Keira Knightley („Piraten der Karibik“), die 2001 ganz schüchtern nach Oldenburg reiste, sie war 16. Oder die erste Oscar-Gewinnerin, die 2012 mit einem Stern auf dem Oldenburger „Walk of Fame“ geehrt wurde: Mira Sorvino. Wüssten sie ohne Filmfest, wo Oldenburg liegt? Und umgekehrt: Wüsste mancher Oldenburger ohne solche Stars, dass es das Filmfest gibt? „Wir wollen den Leuten hier die Vielfalt des Kinos zeigen“, sagt Neumann. Lockvögel helfen ihm dabei.

Wie lange noch? Neumann raucht und schweigt. Natürlich würde er unter dem Filmfest-Abspann gern den Zusatz „Fortsetzung folgt“ lesen. Er muss los: die Foto-Ausstellung. Das Buch. Die Filme. Die Stars. In drei Wochen beginnt das 20. Filmfest, und es soll mindestens großartig werden.


     www.nwzonline.de/filmfest 
Karsten Krogmann Redakteur / Reportage-Redaktion
Rufen Sie mich an:
0441 9988 2020
Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.