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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Kultur

Viel mehr als alltägliches Zahlungsmittel

15.12.2015

Bümmerstede Was für viele nur ein alltägliches Zahlungsmittel ist, ist für Ernst Klie ein leidenschaftliches Hobby. Seitdem er im Alter von zehn Jahren von seinem Onkel die ersten Münzen geschenkt bekam, beschäftigt er sich mit der Numismatik. Heute umfasst seine Sammlung sowohl oldenburgische Münzen aus dem 18. Jahrhundert, als auch Papiergeld der Inflationsjahre 1918-1923.

Der gebürtige Göttinger beschäftigte sich zunächst mit Hartgeld aus dem Königreich Hannover, bevor er 1979 nach Oldenburg kam. „Ich interessiere mich vor allem für regionale Stücke. Vor Ort gibt es im Staatsarchiv und im Landes- oder Stadtmuseum viele Informationen zu den geschichtlichen Hintergründen“, sagt er.

Es scheint, als sei der 74-Jährige in dieser Region genau richtig: Bei den Oldenburger Fundstücken geht ihm das Sammlerherz auf. Das Großherzogtum hat eine besondere Münzgeschichte, die in zwei Perioden aufgeteilt wird: Vom frühen Mittelalter bis zum Tod von Graf Anton Günther 1667 und ab 1761 bis zum Ende des 1. Weltkriegs 1918. Ernst Klie spezialisiert sich auf die zweite Phase. „Die Taler aus dem 17. Jahrhundert sind kaum noch erhalten und daher unbezahlbar, ein Taler wurde für 39 000€ Euro versteigert“, erzählt Ernst Klie, der von der Versteigerung ein drei Grotestück von 1761 für 460 Euro€ mitgebracht hat. „Ich bin vom Sammeln geprägt, da kribbelt es oft in den Fingern.“

In Oldenburg sind nur in der Zeit von 1761-1765 im damaligen Ballhaus Münzen geprägt worden. Aus dieser Zeit stammt auch Ernst Klies größter Stolz: Ein Taler aus dem Jahr 1763 zur Zeit der Dänenherrschaft. Abgebildet ist der dänische König Friedrich V., der damalige Landesherr von Oldenburg. Auch Medaillen erwecken mittlerweile sein Interesse. Auf einem Flohmarkt entdeckte er die vergoldete Medaille von einer Oldenburger Gewerbeausstellung im Jahr 1885. Zu diesen Fundstücken muss Ernst Klie eigenständige Forschungen in Archiven betreiben. Für seine Recherchen zu den Oldenburger Medailleuren Rudolph Kölbel und Richard Knauer lobte ihn der Landschaftspräsident Thomas Kossendey in seiner Laudatio zur Verleihung der Ehrennadel: „Ernst Klie hat sich um die oldenburgische Geschichte und Kulturgeschichte große Verdienste erworben.“

Doch der Oldenburger musste auch schon negative Erfahrungen machen. Er berichtet von zwei Medaillenfälschungen, die ihm in seinen Sammlerjahren untergekommen sind. Doch diese Enttäuschungen halten ihn nicht von seinem Hobby ab: „Münzen sind geprägte Geschichte. Ihre qualitative Prägung, die künstlerische Ästhetik vereint mit dem wirtschaftlichen Aspekt machen die Stücke so interessant.“ Als gelernter Bauingenieur hat er ein geschultes Auge für die Schönheit der Münze: „Auch sie sind ein Teil der Architektur“. Mittlerweile fokussiert er sich auf gezielte Stücke, die ihm für seine Serien noch fehlen und wirft dafür gerne einen Blick in fachgerechte Auktionskataloge. „Flohmärkte lohnen sich heute einfach nicht mehr“, gesteht er ein.

Im Laufe der vergangenen Jahre bemerkte Ernst Klie eine neue Trendentwicklung: „Münzen werden nicht mehr nur aus Sammelgründen, sondern immer häufiger als Wertanlage an- und dann teuer wieder verkauft. Das macht sich dadurch bemerkbar, dass viele Stücke schon nach drei Jahren wieder auf den Auktionen auftauchen. Normalerweise betrug die Umlaufzeit immer um die 30 Jahre.“

Numismatische Informationen gibt es auch in den Werken, die vom Verein Oldenburger Münzfreunde eigenhändig zusammengestellt werden. An drei von sechs Bänden hat Ernst Klie selbst mitgewirkt. Seit diesem Jahr ist er einer von zwei Ehrenmitgliedern in dem Verein, in dem er sich seit 30 Jahren mit mittlerweile circa 35 anderen Mitgliedern austauscht. Jedoch hat der seit 1959 existierende Verein große Nachwuchsschwierigkeiten. Der derzeitige Altersdurchschnitt liegt bei 65 Jahren. „Das Interesse an Sammeltätigkeiten nimmt ab, das sehe ich auch bei meinen eigenen Kindern. Die sind an einer Fortführung meiner Sammlung nicht sonderlich interessiert.“

Der Vater von zwei Kindern will das ändern: „Mein Wunsch für die Zukunft ist, dass sich im Lauf der Zeit die jüngere Generation wieder für dieses Kulturgut interessiert und dass der Verein vielleicht durch eine Trendwelle neue Mitglieder bekommt und somit bestehen kann. Münzen sind nicht nur ein Zahlungsmittel.“

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