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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Kultur

Online-Projekt In Oldenburg: Von wegen „Abgestempelt“

20.08.2015

Oldenburg Schlampe. Homo. Übermutti. Asozialer. Spießer. Spaßbremse. Macho. Gleich erkannt. Stempel drauf. Fertig. Ab damit in die Schublade. Alles in Ordnung. Aufräumen mit den Vorurteilen: Unerwünscht.

Unendlich viele Stempel

Würde da nicht ein neuer Wind durchs Netz fegen und kreatives Chaos in den Köpfen hinterlassen: Unvollkommenheit in Wort und Bild nennt Wiebke Stöhr das, was sie fragt, knipst, schreibt und in ihrem Internetblog veröffentlicht. Angefangen hat alles mit Fotos von Bäumen und Bushaltestellen, Katzen mit Säbelzähnen und Glühwürmchenbildern. „Dann habe ich Texte geschrieben. Das kam irgendwie an“, sagt Wiebke und hebt die schmalen Schultern.

Seither tippt die 20-Jährige ein, was ihr in Sinn kommt: Gedichte, Geschichten, Kommentare – manchmal bissig, oft poetisch: „Als Kind mochte ich Stempel. Ich hatte welche von dem kuscheligen Hasen Felix. Stempel sind toll. Ich habe unendlich viele Stempel. Ich trage sie immer bei mir – wer weiß, wofür man sie mal gebrauchen kann.“

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Abwischbare Folienstifte

Beim Schreiben kam der Oldenburgerin die Idee zu einem kreativ-sozialen Projekt: Abgestempelt nennt sie die Idee, Menschen mit aufgedrückten Klischees vorzustellen. Eine Freundin, die lieber feiert ohne zu trinken, hat Wiebke neben eine Frau inmitten von Bier und Weinflaschen fotografiert. Die Frau sagt per Papp-Sprechblase: „Spaßbremse“ zu der alkoholfreien Freundin. „Was die Leute halt so denken. Ohne nachzudenken“, sagt Wiebke.

Doch klar: Sie selbst tut das auch. „Jemanden sehen und abstempeln, ohne ein zweites Mal hinzugucken, die eigenen Gedanken in Frage stellen“, sagt sie. Geändert habe sich das, als Wiebke den Entschluss gefasst hat, Sonderpädagogik zu studieren. „Alle zusammen rein in die Beeinträchtigungsschublade. Ob einer im Rollstuhl sitzt, langsamer spricht oder eine Krankheit hat, sagt noch gar nichts über sein Wesen aus“, sagt sie.

In der Uni, beim Praktikum in einer Förderschule, da habe sie ihr Menschenbild neu sortiert. „Wir sollten die Stempel ersetzen, durch abwischbare Folienstifte – falls wir uns mal geirrt haben – weil wir das, was wir den Menschen auf die Stirn geschrieben haben, so groß geschrieben ist, dass gar nichts anderes mehr hinaufpasst“, schreibt Wiebke in ihrem Blog. Gelesen und geliked wird er von vielen, gemeldet für das Projekt haben sich wenig. „Dabei lebt die Idee von echten Menschen. Das ist besser, als ein erhobener Zeigefinger“, sagt die Oldenburgerin. Aufrufen mag sie keine Randgruppen, Minderheiten oder Gesellschaftskreise. „Damit klassifiziere ich ja selbst wieder“, sagt sie und schreibt: „...hätten wir uns vielleicht mit der Person beschäftigt, hätten wir sie kennen gelernt und erfahren, dass es wahnsinnig viele Beschreibungen für diese eine Person gibt. Dass unsere entweder falsch war oder dass sie richtig waren, aber nicht ausreichend.“

Neu beschriften

Schlampe. Homo. Übermutti. Asozialer. Spießer. Spaßbremse. Macho. Und was ist Wiebke? „Die Kleine, die Süße. Der man nicht viel zutraut“, sagt sie. Ob sie genug Kraft habe, um später behinderte Menschen zu unterrichten, fragen sich solche Abstempler. Wiebke lacht. Wiebke ist stark. Wiebke ist klein. Wiebke ist groß. In Gedanken wächst sie über sich hinaus. „Vielleicht kann aus unserer Stempelgesellschaft eine abwischbare Folienstift-Gesellschaft werden“, schreibt sie auf der Internetseite.

Den letzten Eintrag hat sie vor ein paar Tagen gemacht. Jetzt ist der Laptop zugeklappt. Und Wiebke, die Echte, sagt: „Man kann immer etwas dazu schreiben. Auch auf die Stirn von Menschen. Selbst wenn sie eigentlich längst abgestempelt sind.“

Wiebke Stöhr hat Ideen in Bildern und Texten im Internet veröffentlicht unter kreationstattperfektion.com

Wer sich abgestempelt fühlt, selbst Schubladen aufräumen möchte und gerne beim Projekt „Abgestempelt“ mitmachen möchte, schreibt an kreationstattperfektion@web.de

Lea Bernsmann Redakteurin / Redaktion Oldenburg
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