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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Kultur

Vom Power-Pilgern und hupenden Autos

23.10.2013

Oldenburg Ein junger Mann hetzt sich auf dem Laufband ab, eine Frau strampelt in die Pedalen auf dem Fahrrad, ein weiterer Mann „leidet“ liegend auf der Hantelbank. Das Besondere an dem schwarz-weißen Bild: Alle Sportler schultern ein schweres Kreuz. Die Zeichnung, die am Montagabend unter den Gästen im Foyer der Universitätsbibliothek spontan Gelächter und Applaus auslöste, trägt den Titel „Power-Pilgern“.

Reaktion als Bestätigung

„Die Reaktion des Publikums ist die beste Bestätigung meiner Arbeit“, sagte Til Mette (56), der extra zur Eröffnung seiner Ausstellung „Hupen Sie, wenn Sie Jesus lieben“, die sich auf ironische Weise mit religiösen Themen beschäftigt, nach Oldenburg angereist war. „Oh Gott, oh Gott...“ nennt sich das Buch, in dem der „Stern“-Cartoonist rund 100 seiner Zeichnungen zum Thema Kirche veröffentlicht hat – 20 von ihnen sind von nun an im Foyer der Universitätsbibliothek zu sehen.

Eingeladen hatte ihn Brigitte Gläser, Leiterin der Ev.-Luth. Akademie Oldenburg. Die Ausstellung ist Teil des Kooperationsprojektes „Freiheitsraum Reformation“. Normalerweise, so Mette, gehe er nicht persönlich zu den zahlreichen Ausstellungen seiner Zeichnungen, „doch Frau Gläser hat mich in einem interessanten Telefongespräch derart von ihrer Idee überzeugt, dass ich hier bin“.

Die Idee, die Mette meinte, war eine Diskussionsrunde mit Religionswissenschaftler Tobias Frick und Stefan Buss, Pfarrer im Ruhestand, sowie den rund 40 Gästen. In lockerer Runde plauderten die drei Protagonisten über die Intention Mettes bei verschiedenen Cartoons, die auf einer Leinwand gezeigt wurden.

Was soll Power-Pilgern nun bedeuten? „Es könnte eine Anspielung auf den Fitness-Wahn sein, dem sich sogar die Kirche beugt“, mutmaßte Tobias Frick. Die Zeichnung zeige eine Kirche, die den guten Zeiten hinterherhetzt, dabei aber zu schwere Lasten tragen müsse, glaubte Stefan Buss. Doch Til Mette entkräftete: „So weit habe ich nicht gedacht.“ Der Cartoon sei in der Zeit entstanden, in der Komiker Hape Kerkeling auf den Jakobsweg gepilgert ist – und plötzlich „jeder irgendwie pilgern wollte, obwohl er gar nicht wusste, was das bedeutet. Faszinierend, ich konnte das nicht nachvollziehen“.

Und der Titel der Ausstellung? Er bezieht sich auf einen Cartoon, bei dem ein Mann mitten auf einer Kreuzung und umzingelt von zahlreichen Autos mit dem Schild „Hupen Sie, wenn Sie Jesus lieben“ steht, und mit einem Hupkonzert jene Reaktion bekommt, die er sich wünscht – „ob nun aufgrund des Schildes oder des Unmutes der Autofahrer, kann jeder selbst ergründen“, so Mette.

Gezielt provozieren

„Natürlich ist die Kirche ein sensibles Thema, ich will auch keine Grenzen überschreiten“, betonte der Cartoonist Provozieren wolle er natürlich, das sei sein Job: „Ich will einigen den Spiegel vorhalten.“ Die Reaktionen, die er in Leserbriefen oder persönlichen Gesprächen erhalte, seien zumeist positiv: „Die Leute freuen sich, dass sich einer auf lustige Art und Weise mit dem Thema beschäftigt – negatives Feedback gibt es nur selten.“

Lars Blancke
Redakteur
Sportredaktion
Tel:
0441 9988 2033

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