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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Kultur

Vom Rollenspiel bis                   zur Bühnenreife

08.04.2016

Ofenerdiek /Stadtmitte Mit großen Augen betreten 15 Schülerinnen und Schüler der Sprachlernklasse 2 der Oberschule Ofenerdiek das „Große Haus“ des Oldenburgischen Staatstheaters. Gerade wird das Bühnenbild für die Abendvorstellung aufgebaut. Leise setzen sich die jungen Gäste in den Zuschauerraum. Theaterpädagogin Hanna Puka, die den Kontakt zur Schule hergestellt hat, erzählt ihnen etwas über die Geschichte des Theaters.

„In Syrien hatten wir auch ein großes und schönes Theater“, sagt ein Junge traurig mit Blick auf die roten Samtsitze und den riesigen Kronleuchter in der Kuppel. „Jetzt ist es kaputt.“ Viele dieser Schülerinnen und Schüler im Alter von 12 bis 16 Jahren kommen aus Syrien, dem Irak oder Afghanistan. Sie sind zum Teil ohne ihre Eltern geflohen, alleine, mit einem Bruder oder einem Onkel. Eltern und kleinere Geschwister leben zum Teil noch im Heimatland oder in der Türkei als Zwischenstation. Sie hoffen sehr, bald nachkommen zu können.

Fotos für die Familie

Durch die Fotos, die ihnen regelmäßig geschickt werden, können sie ein wenig teilnehmen am Leben ihrer Kinder und sehen, wie sie in der neuen Heimat leben, wie der Alltag aussieht, welche Menschen ihre Kinder täglich begleiten. Auch im Staatstheater wird deshalb emsig fotografiert. Die Klasse darf auch hinter die Kulissen gucken. Überall zücken die Schüler ihre Handys, machen Selfies von sich und den Masken, von außergewöhnlichen Kleidungsstücken und anderen interessanten Requisiten.

„Durch den Besuch des Theaters sollen die ausländischen Kinder mit unserer Kultur vertraut gemacht werden und aktiv teilnehmen am kulturellen Leben“, erklärt Christian Osterndorf, Leiter der Oberschule. Zustande gekommen sei die Theaterführung durch ein Theater-Projekt in Verbindung mit der Inszenierung des Kinder- und Jugendstückes „Als mein Vater ein Busch wurde“, das gerade Premiere gefeiert hat (NWZ  berichtete). Zum Kennenlernen kamen vor einigen Wochen Lisa Brüning (Regie), Dramaturg Matthias Grön, Hannah Dörr (Video), die Schauspieler Franziska Werner und Klaas Schramm und Theaterpädagogin Hanna Puka in die Schule, um das Theaterstück und das gemeinsame Projekt vorzustellen.

Zwei Workshopeinheiten im Theater begeistern einige Schüler so sehr, dass Hejen (16) aus dem Irak sagt: „Das macht Spaß. Wo kann ich Theater spielen?“, und Bashar (15) erzählt, dass er in Syrien auch schon Theater gespielt habe. Spontan liefert er eine pantomimische Vorstellung, die aufführungsreif ist.

Ebenso begeistert hat die Klasse die Erarbeitung einer Video-Sequenz. Dafür trafen sich alle an einem Sonnabendvormittag im Klassenraum, um zusammen mit der Hauptdarstellerin Charlotta Wohlert einige Szenen zu drehen. Darin ist es Charlotta (im Stück Toda), die neu in die Klasse kommt und die neue Sprache lernen muss. Vor einigen Wochen und Monaten erging es jedem Schüler der Sprachlernklasse genauso.

Neue Wörter lernen

Eine Schülerin übernimmt die Rolle der Lehrerin, die an der Tafel die neu gelernten Wörter zeigt und vorspricht. Alle müssen die Wörter im Chor wiederholen, und das nicht nur einmal. Immer wieder lacht jemand, spricht jemand zu laut, steht etwas im Weg – wie bei einer richtigen Theaterprobe. Geduldig werden die Szenen noch mal gedreht, bis alles „im Kasten“ ist.

Höhepunkt des Projektes ist nun der Besuch der Vorstellung am Vormittag. Sowohl das Bühnenbild als auch die Kostüme beeindrucken die Schüler sehr, ebenso die tolle schauspielerische Leistung von Charlotta. „Die musste ja so viel Text lernen“, sagt Sidra (15) erstaunt. Die Szene, in der das Mädchen den Schleppern sehr viel Geld für ihre Flucht bezahlen muss, kennen einige von ihrer eigenen Flucht. Sie erzählen nach der Vorstellung, dass sie sehr viel Geld dafür bezahlt haben und zum Teil lange dafür arbeiten mussten.

Bei den Videosequenzen müssen viele dann schmunzeln, als sie sich selber als Teil des Stückes sehen und die übrigen Zuschauer plötzlich merken, dass die Schüler auf der Leinwand mitten unter ihnen sitzen. Ein für alle Mitwirkenden beeindruckendes Projekt geht zu Ende mit großem Spaß im Großen Haus.

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