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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Kultur

Literatur: Von der Biografie bis zum Gemeinschaftskrimi

04.03.2017

Ofenerfeld Das historische Bauernhaus war als Kulisse eine gute Wahl. Die Atmosphäre des Heinrich-Kunst-Hauses bot den Gästen der Autorenlesung des Leseforums Oldenburg passende Assoziationen zum Titel des Buches, das sie vorstellten: „Frieden, Glück – Heimat.“

Besonders eindrucksvoll zeigten sich ihre unterschiedlichen Herangehensweisen an den Themenkomplex. Rolf Glöckner etwa arbeitete die drei Stichworte in jeweils eigenen Kurzgeschichten ab. Deren Protagonisten – ein Junge mit autoritären Eltern, seine Großmutter und ein Onkel – sind stark autobiografisch inspiriert. „Mein Onkel hat mich zum Schreiben inspiriert und dazu, Dinge zu sehen, die andere nicht sehen“, sagt Glöckner. „Deshalb ist er ein wiederkehrender Charakter meiner Geschichten geworden.“

Ebenfalls biografische Züge trägt der Text von Axel Berger. Er erzählt von einer Syrerin, die auf der Flucht vor dem Bürgerkrieg in Norddeutschland ankommt und zur wichtigsten Bezugsperson einer Rentnerin wird, die auf ihre eigene Fluchtbiografie zurückblickt. „Es ist Geschichte meiner Großmutter“, erklärt Berger. „Eines Tages erzählte sie mir die ganze Geschichte ihrer Flucht aus Breslau. Es musste einfach alles raus. Ich wollte diese Geschichte unbedingt erzählen. Durch ein Auffanglager nahe meiner Wohnung kam ich auf die Idee, die Parallelen von Entwurzelung und Heimatlosigkeit damals und heute herauszustellen.“

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Mit einer Abwandlung des Märchens von Rapunzel schuf Ilka Silbermann eine Parabel über das Streben nach dem Glück und die Bedeutung der Selbstbestimmung. Als Erklärebene fügte sie eine Schulklasse ein, der dieses Märchen vorgetragen wird. „Ich hatte ursprünglich das Märchen für sich stehend geschrieben, stellte aber fest, dass viele Zuhörer Probleme mit der Interpretation hatten“, erklärt sie und fügt schmunzelnd hinzu: „Ich habe schon öfter gehört, dass meine Denkwege ganz anders ist als die der meisten Menschen.“

Hanna Seipelt wagte mit „Man hat immer eine Wahl“ einen Exkurs ins Krimigenre. Die Geschichte entstand in der Facebook-Gruppe des Leseforums als Gemeinschaftsarbeit mehrerer Mitglieder. „Ich habe den ersten Absatz geschrieben und wusste noch nicht, wo die Geschichte hingehen sollte“, erklärt Hanna Seipelt. „Ich habe dann dazu aufgefordert, dass jeder einen Absatz dazuschreibt, um sie fortzusetzen. Ich hatte zuerst meine Zweifel, aber am Ende wurde ein richtig plausibler kleiner Krimi daraus.“

Für einen humorvollen Abschluss des Abends sorgte Marlies Peters mit „Willkommen im Paradies“. Sie erzählt die Geschichte eines Regisseurs, der im Botanischen Garten das biblische Motiv der Vertreibung aus dem Paradies mit Laiendarstellern zu verfilmen versucht. Die Unprofessionalität aller Beteiligten und die Unberechenbarkeit der naturnahen Kulisse sorgen dabei immer wieder für anarchisch-chaotische Pannen und Zwischenfälle. Wie das Projekt endet, ließ Marlies Peters an diesem Abend offen. „Das können Sie dann im Buch nachlesen“, bemerkte sie verschmitzt.

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