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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Kultur

Konzert: Von der Spannung zwischen Himmel und Erde

14.03.2016

Oldenburg Manchmal hat diese Musik etwas Schwebendes. Berührt sie schon den Himmel? Neigt sie sich eher zur Erde? Es ist die Musik der Renaissance. Sie kann ohne große Spannungen entspannend wirken. Oder doch nicht? Wer in der gut besetzten Lambertikirche mit der Capella St. Lamberti und Tobias Götting am Cembalo in diese Klangwelt des 17. Jahrhunderts eintaucht, spürt: Da keimt Unruhe auf, ein Drängen hin zu neuen Zeiten.

Die lateinischen Texte wie „Tristis est anima mea“ („traurig ist meine Seele“) verstärken zum einen ein gewisses musikalisches Beharren, etwa bei Passionsgesängen von Pedro Rimonte oder Alonso Lobo. Doch schon Johann Kuhnau lässt zum anderen Intensivierungen in der Dramatik erkennen.

Vollends erst Heinrich Schütz. In seine „Geistliche Chormusik 1648“ zieht eine animierende Beweglichkeit ein. „Die mit Tränen säen“ ist ein Vorzeigestück für den Stil des ersten überragenden deutschen Komponisten. Dass er seine Musikkonzeption ganz auf den Vorrang des deutschen Textes abstimmte, war nachgerade avantgardistisch.

Die solistisch besetzte Capella mit ihren vier Frauen- und vier Männerstimmen in unterschiedlichen Zusammensetzungen modelliert die Gesänge flexibel im Klang und optimal in der Stimmenbalance. Gegensätze von Askese und Pracht oder von Introvertiertheit und Expressivität finden zueinander. Die Sängerinnen und Sänger wahren die formale Strenge, stellen sie aber hinter Wärme und Farbigkeit zurück.

Die Hörer-Ohren spitzt Götting mit seiner Auswahl der Cembalowerke an. Das liegt zum einen an der mitteltönigen Stimmung des 2004 vom Oldenburger Dietrich Hein gebauten Instruments mit ihren vielen reinen Terzen. Aber nicht nur. Der Lamberti-Kantor hat etwa Toccaten oder Capriccios von Girolamo Frescobaldi, Michelangelo Rossi oder Johann Jakob Froberger gewählt. Sie künden von freiem improvisatorischen Charakter und harmonischen Wagnissen.

Götting unterstreicht Bewegtheit und Ordnung der Stücke mit logischer Phrasierung und dem rechten Maß für die Verzierungen. Ihm liegt dieses mit einem warmen Ton ausschwingende Instrument, es verschmilzt Akkorde ohne sie zu verwischen. So arbeitet er eigenwillige Charaktere heraus: Froberger war kein Vor-Bach, sondern eine eigene kantige Persönlichkeit. Rossi liebte Kontraste auf engstem Raum und wagte sich an aberwitzige Dissonanzen.

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