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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Kultur

Von Euphorie war anfangs nichts zu spüren

08.02.2014

Oldenburg Von Hurrapatriotismus keine Spur: In den Gesichtern spiegeln sich Verunsicherung, Furcht, Trauer und Abschiedsschmerz wider. Festgehalten hat diese Momente menschlicher Tragödien Anna Feilner, Hof-Fotografin von Großherzog Friedrich August.

Dr. Helmuth Steenken (85) verwahrt diesen Nachlass. Beeindruckende Aufnahmen, die hundert Jahre nach Ausbruch des Ersten Weltkrieges erahnen lassen, was sich zwischen dem 1. und 3. August 1914 in Oldenburg abspielte. Da ist (wegen der frappierenden Ähnlichkeit) offensichtlich eine Mutter zu sehen, die ihren Sohn zur Abfahrt an die Front zum Zug gebracht hat. Auf Gleis 1 des Hauptbahnhofs steht eine besser gekleidete Gesellschaft – Offiziere, deren fein herausgeputzte Frauen und Kinder zum Abschied mit ans Gleis gekommen sind. Die Gesichtsausdrücke der Männer sind ernst, die Damen haben in Vorahnung des womöglich endgültigen Abschieds verweinte Gesichter. Das mag daran gelegen haben, dass in der ersten Welle gut ausgebildete Soldaten an die Front geworfen wurden, die wussten was auf sie zukommt. Die Kriegseuphorie hatte andere Bevölkerungsschichten gepackt.

Andere Aufnahmen zeigen den Konvoi von Pferdekutschen durch die Bahnhofstraße, voll beladen mit den Ausrüstungsgegenständen der militärischen Einheiten und Lebensmitteln. Oder Soldaten, die über den Bahnübergang am Pferdemarkt hinweg in die Heiligengeiststraße marschieren. Zu sehen ist auch ein Porträt des späteren Reichspräsidenten Paul von Hindenburg, der das Infanterieregiment 91 befehligte.

Steenken, ehemaliger Chefarzt am Evangelischen Krankenhaus, blickt nachdenklich auf die Aufnahmen. Sein Großvater Christian war Amtsarzt in Elsfleth und Generalarzt in Russland. Helmuth Steenken besitzt auch Fotos von der Ostfront mit schwer verletzten Soldaten aus dem Lazarett in Mitau (dem heutigen Jelgava in Lettland). Auch ein frisches Grab ist zu sehen.

In ihrer Gesamtheit stellen die Aufnahmen die hässliche Fratze des Krieges dar, die sich auch durch Aufnahmen von Kindern in Matrosenanzügen nicht aufhellt. Es sind die Söhne des Elsflether Apothekers Kuhland, die posieren. Vater Magnus gehörte zu den ersten, die im Krieg verletzt wurden. „Als Soldat auf dem kleinen Kreuzer ,Köln’ geriet er quasi beim Auslaufen in der Deutschen Bucht vor der Doggerbank unter britischen Beschuss, rettete sich mit einem Sprung ins Wasser und geriet in britische Kriegsgefangenschaft“, erzählt Steenken.

Nicht alle Aufnahmen aus dem Jahr 1914 stammen aus dem Besitz von Hof-Fotografin Anna Feilner, doch die meisten. Bekommen hat er sie als Freund der Oldenburger Fotografenfamilie Besser, die den Nachlass von Feilner übernommen hatte. Steenken plant für Anfang August eine kleine Ausstellung.


Ein Spezial finden Sie unter   www.nwzonline.de/erster-weltkrieg 
Thomas Husmann
Redakteur
Redaktion Oldenburg
Tel:
0441 9988 2104

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