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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Kultur

Von Leiden und Leidenschaft

10.03.2017
NWZonline.de NWZonline 2017-03-13T18:01:02Z 280 158

Uraufführung:
Von Leiden und Leidenschaft

Oldenburg Was Antoine Jully in seiner Choreographie „Men and Women“ über Männer und Frauen erzählt, geht unter die Haut. Es werden keine klassischen Pas de Deux auf die Spitze getrieben und auch nicht 50 Shades of Grey gespielt. Zu sehen ist Leidenschaft zwischen den Polen Hass und Hingabe. Mit ihren Körpern – die Haut wie Seide über den Muskelfasern gespannt – buchstabieren Tänzer und Tänzerinnen das Alphabet von Emotionen und Passionen zwischen Männern und Männern, Frauen und Frauen sowie Männern und Frauen. Sie kleben aneinander, sie stützen und tragen oder verschrauben sich ineinander. Sie beten sich an und stoßen sich ab.

Die Ausdruckskraft der BallettCompagnie steht im Zentrum dieser ersten abendfüllenden Arbeit des Chefchoreographen Antoine Jully am Staatstheater, der sich für diese Uraufführung die sechste Sinfonie des schwedischen Komponisten Allan Pettersson (1911-1980) ausgewählt hat. Sie treibt die Paare immer wieder zum Äußeren. „Man muss als Tänzer immer wieder über seine Grenzen gehen, jede Minute bis zum Äußersten, um wirklich gut zu sein“, erklärt er. Beim Entwickeln dieser Choreographie hat er intensiv mit dem Corps gearbeitet, von den Frauen und Männern auch verlangt, ihre Bewegungen mit tiefen Gefühlen aufzuladen. Dabei ließ er den Tänzern aus sechs Nationen viel Freiheit, um auch das Individuelle sichtbar werden zu lassen.

Sein Ziel mit diesem Ballett ist nicht, die Leichtigkeit in den Schritten, Abfolgen und Sprüngen zu zeigen, die Generationen von Ballerinen an der Stange von Position eins bis sechs trainieren, sondern die Anspannung sichtbar zu machen. Nicht zuletzt, da es auch im Leben von Paaren heute viel Anspannung gibt. „Männer und Frauen verbringen viel zu selten einfach so Zeit miteinander“, sagt er. Zumeist habe man doch schon den nächsten Tag oder andere Pläne im Kopf, während man miteinander spreche. Es sei heute eine Herausforderung, innere Stabilität zu bewahren, sich zu finden, eine eigene Identität zu entwickeln. „Ständig muss man sich im Leben beweisen oder auch Hindernisse überwinden“, sagt Jully.

Petterssons Musik war ihm Inspirationsquelle, weil sie manche Themen jenseits aller Harmonien dehne, bis man es nicht mehr aushalte. Gespielt wird sie am Sonntag bei der Premiere vom Staatsorchester unter der musikalischen Leitung von Carlos Vázquez. Pettersson hatte die Sinfonie in den Jahren von 1963 bis 1966 komponiert, Jahre in denen er an Depressionen litt. Dennoch lässt die Musik, die in Oldenburg zum ersten Mal als Klangfarbe für ein Ballett umgesetzt wird, dem Zuschauer auch Raum für positive Gefühle. Zumal wenn er sich von den Tänzern und dem Bühnenbild inspirieren lässt: Die Oldenburger Goldschmiedin und Malerin Alexandra Telgmann hat Figurinen entworfen, die unaufdringlich und kühn zugleich ihre Position im Hintergrund behaupten.

Männer und Frauen, eine unendliche Geschichte, die Antoine Jully und die BallettCompagnie für die Zuschauer im Großen Haus extrem ästhetisch sezieren und verdichten. Kostüme von Judith Adam, das Licht verantwortet Sofie Thyssen, und die Dramaturgie hat Burkhard Nemitz. Es tanzen Eleonora Fabrizi, Arianna Kob, Maelenn Le Dorze, Marjorie Lenain, Nicol Omezzolli, Marié Shimada, Timothée Cuny, Lester René, González Álvarez, Floriado Komino, Herick Moreira, Marco Russo Volpe und Gianluca Sermattei.

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