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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Kultur

Was Mercker gegen den Strich geht

08.06.2016

Oldenburg Trotz doppelstöckigem Lamellenzaun kann der EWE-Baskets-Profi nach wie vor über den Sichtschutz gucken – „Renate, wir müssen noch höher aufstocken!“, ruft der Nachbar seiner Frau zu. Diese Szene hat der gebürtige Oldenburger Cartoonist Hannes Mercker in einer von insgesamt 50 neuen Zeichnungen verarbeitet, in denen er mit feinem Gespür für die Komik absurder Situationen das Leben in seiner Heimatstadt aufs Korn nimmt. Seine schönsten aktuellen Werke über Oldenburg hat er in dem Cartoon-Buch „Na? Auch aus Oldenburg?“ zusammengefasst. Sein mittlerweile dritter Oldenburg-Band ist wieder im Isensee-Verlag erschienen. „Schon vom ersten Manuskript im Jahr 2010 war ich begeistert“, schwärmt Verleger Florian Isensee, „diese Begeisterung hat sich noch verstärkt.“

Der Wahl-Mannheimer Mercker ist ungefähr alle zwei Monate auf Stippvisite in Oldenburg – seine Familie wohnt in Nadorst. Bei seinen Besuchen schnappt er auf, was Stadtgespräch ist. Und er pilgert zu seinen Lieblingsplätzen – immer auf der Suche nach Veränderungen. Merckers Cartoons sind getragen von einer durchgängigen Grundsympathie für seine Heimatstadt. Sie zeigen Liebenswürdigkeiten der Oldenburger zwischen Grünkohl und Horst-Janssen-Museum, sommerlichem Zelten in den Huntewiesen und winterlichem Rodelvergnügen auf dem Rundbogen der Weser-Ems-Halle. Und Mercker hat nach eigenem Bekunden das „weltweit erste Cartoon“ zum Thema Mockturtle gezeichnet. Auch politische Diskussionen greift er gerne auf – stets mit einem Augenzwinkern, aber nie bösartig. So finden sich bei Mercker Bahnlärm-Geschädigte in einem Stille-Seminar wieder, das jäh durch Laubbläser gestört wird. Auch der Neubau der Cäcilienbrücke lässt ihn nicht los: In seinem Cartoon über die Sichtung der Modelle gewinnt eine zufällige Komposition aus vergessenen Utensilien des Seniorentreffs. Das Lieblingsmotiv des 33-Jährigen ist zweifellos Graf Anton Günther mit seinem Pferd Kranich.

Oldenburg-Cartoons sind für Mercker die „schönste Freizeitbeschäftigung“ – rund 300 sind bisher entstanden: „Da kann ich gedanklich zuhause sein und mich am Schreibtisch wohlfühlen.“ Noch mehr zeichnerisch aus seiner Heimatstadt herauszukitzeln, ist für ihn „wie ein Sport“. Zwischen Auftragsarbeiten für Unternehmen oder aktuellen Karikaturen für Tageszeitungen könne er hier „frei zeichnen“. Oldenburg, so findet der Illustrator, habe sich „gemacht“ und sei trotz aller Veränderungen immer noch durch eine „gewisse Ruhe“ geprägt. Mercker bedauert allerdings, dass „kleine alte Läden“ zunehmend verschwinden.

Alle Cartoons zeichnet eine große Liebe zum Detail aus. „Das ist eher untypisch fürs Genre, das auf den Witz fokussiert ist“, sagt Mercker. „Ich dagegen habe großen Spaß an Nebensächlichkeiten.“

Vom Vogelzählerzum Cartoonisten

Hannes Mercker (33) wurde in Oldenburg geboren und ist in der Huntestadt aufgewachsen. Nach dem Abitur an der Waldorfschule leistete er seinen Zivildienst bei der Naturschutzgesellschaft Schutzstation Wattenmeer auf der Nordseeinsel Pellworm ab, wo er unter anderem als Wattführer und Vogelzähler arbeitete. Hier begann er mit dem Zeichnen von Cartoons und Comicstrips.

Er studierte für das Lehramt an Grund- und Hauptschulen in Freiburg und schloss das Studium 2008 mit dem 1. Staatsexamen ab. In dieser Zeit intensivierte er seine Arbeit als Cartoonist und beteiligte sich deutschlandweit an Ausstellungen und Wettbewerben. Das Referendariat in Ellwangen beendete er 2009 nach kurzer Zeit, um hauptberuflich als selbstständiger Cartoonist und Illustrator zu arbeiten.

Der 33-Jährige lebt und arbeitet seit 2010 in Mannheim. Er zeichnet für Verlage, Unternehmen, Agenturen und Zeitungen.

Das Stadtmuseum widmete dem Cartoonisten Ende 2015 eine umfangreiche Ausstellung, in der das bisherige Gesamtwerk des Zeichners gewürdigt wurde. Zentrales Element der Ausstellung war ein zwei mal vier Meter großes Wimmelbild der Stadt Oldenburg.

In einer Signierstunde präsentiert Hannes Mercker an diesem Mittwoch sein neues Buch „Na? Auch aus Oldenburg?“ von 16 bis 17 Uhr in der Buchhandlung Isensee, Haarenstraße 20. Bei Isensee sind auch die Vorgänger-Bücher „Hier bitte keine Fahrräder abstellen!“ (2012) und „Möchten Sie den Stau umfahren?“ (2010) erschienen.

Mehr Infos unter

Mehr Infos unterwww.hannes-mercker.de

Stephan Onnen
Redakteur
Redaktion Oldenburg
Tel:
0441 9988 2114

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