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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Kultur

Wie das Bauhaus nach Oldenburg kam

15.07.2017

Oldenburg Wer an Bauhaus denkt (und hier ist nicht etwa der gleichnamige Baumarkt gemeint), hat Dessau im Kopf. Vielleicht noch das thüringische Weimar, wo die avantgardistische Hochschule für Gestaltung 1919 von Architekt Walter Gropius (1883-1969) gegründet wurde. Oder gar Berlin. Dorthin musste diese wohl einflussreichste stilbildende Ausbildungsstätte des 20. Jahrhunderts 1932 umziehen und wurde von Architekt Mies van der Rohe (1886-1969) als Privatschule weitergeführt. Doch wer verbindet schon Oldenburg mit dieser Talentschmiede für Architektur, Kunst und Design, die das prägte, was man heute mit dem Schlagwort Bauhausstil weltweit verbindet?

Mit viel Spürsinn

Mit detektivischem Spürsinn und Expertise graben die Kunsthistoriker Prof. Dr. Rainer Stamm, Direktor des Landesmuseums für Kunst und Kulturgeschichte, und Kollegin Gloria Köpnick ihre Schätze aus. Sie zeigen, dass Oldenburger „Bauhäusler“, die während der Weimarer Republik zum Studieren nach Dessau gingen und hierher zurückkehrten, die modernen Ideen auch in den Nordwesten brachten und hier stilbildend mit ihren Ideen Geschichte schrieben – aber bis heute weitgehend unentdeckt blieben. Erst in jüngster Zeit etwa ist es Stamm gelungen, den Nachlass von Gautel für das Museum zu erwerben.

Mit dem Projekt und der Ausstellung „Zwischen Utopie und Anpassung – das Bauhaus in Oldenburg“ im Jahr 2019 soll sich das ändern. Im Mittelpunkt steht das Wirken von vier Absolventen der bis heute wegweisenden Hochschule: Hermann Gautel (1905-1945), Hin Bredendieck (1904-1995), Karl Schwoon (1908-1976) und Hans Martin Fricke (1906-1994).

„Das Landesmuseum Oldenburg gehörte Mitte der 1920er Jahre zu den ersten Museen, die sich zum Ansatz dieser innovativen Ausbildungsstätte bekannten und Arbeitsproben der neuartigen Produkte ausstellten“, erläutert Prof. Rainer Stamm. Und so kann das Museum für die im Augusteum geplante Ausstellung auch auf viele eigene Dokumente und 40 Werke aus jener Zeit zurückgreifen.

Recherchiert wurden auch die Lebensläufe der vier Protagonisten. „Für unsere weitere Forschung ist es wichtig, dass wir erst einmal einen Überblick über die Werke und Lebensstationen der Vier gewinnen“, erzählt Gloria Köp-nick, wissenschaftliche Mitarbeiterin, die für das Projekt weltweit forscht.

Gautel und Bredendieck etwa gestalteten Mitte der 30er Jahre die Stahlrohr-Möbel und die Vitrinen für einen Raum im Oldenburger Schloss, der dem Luftfahrpionier Schütte-Lanz gewidmet war. Karl Schwoon baute nach der Rückkehr aus dem Zweiten Weltkrieg eine moderne Galerie auf, zunächst in der Brüderstraße, dann später am Theaterwall. „Er organisierte modernste Ausstellungen und gestaltete den kulturellen Wiederaufbau der Bundesrepublik mit“, erklärt Gloria Köpnick. Später wurde er Bildredakteur bei der „Hörzu“

Die Oldenburger Kunsthistoriker stehen nicht nur mit den großen Bauhaus-Archiven in Berlin, Dessau und Weimar in Kontakt, sondern sind auch international vernetzt, da etwa Hin Bredendieck vor den Nazis flüchtete und ins Exil in die USA ging. Für die Ausstellung erwartet man auch Leihgaben.

Weimarer Bauhausarchiv

Das Weimarer Archiv verfolgt mit Interesse, was in Oldenburg derzeit erforscht wird und hatte Rainer Stamm und Gloria Köpnick zu einem Vortrag eingeladen. Sie interessierten sich besonders für die gebrochene Biografie des Architekten Hans Martin Fricke. Er war einer, der zeitgleich mit dem berühmten Marcel Breuer („Wassily-Stuhl“) sehr reduzierte Möbel entworfen hatte, sich während der Zeit des Nationalsozialismus aber führend in der Kulturadministration engagierte. Aus der Nachkriegszeit erinnern spannende Gebäude an ihn, am außergewöhnlichsten wohl die ehemalige Firmenzentrale des Bauunternehmens Ludwig Freytag an der Altenburgstraße.

Als einzige „Bauhäuslerin“ und fünfte am Rande mit im Spiel ist Margarete „Grete“ Willers, von der man aber noch wenig weiß. Doch das wird bestimmt noch mehr.

Sabine Schicke
stv. Redaktionsleitung
Redaktion Oldenburg
Tel:
0441 9988 2103

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