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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Kultur

Premiere: Wie der König den Kopf verliert

24.10.2015

Oldenburg Der demente Vater will nach Hause. Unruhig steht er da, auf dem Sprung, nun komm schon. „Du bist zu Hause“, sagt sein Sohn milde. Der Vater erinnert sich nicht. Fühlt sich so Zuhause an?

Es ist einer dieser Momente, der das Publikum bei der Premiere von „Der alte König in seinem Exil“ besonders berührt. Ein Vater, der die reale Welt nicht mehr versteht, weil er sie vergessen hat. Ein Sohn, der seinem alten Herrn – trotz aller Schwierigkeiten, die der Alltag mit sich bringt – in der Krankheit neu begegnet.

„Der alte König in seinem Exil“ ist ein anrührender, zuweilen komischer und oftmals fröhlicher Roman des Autors Arno Geiger, der darin autobiografisch über sich und seinen dementen Vater schreibt. Die Kulturetage hat aus dem 2012 erschienenen Buch nun eine szenische Lesung gemacht, die sich eng an die Vorlage hält.

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Die Schauspieler Uwe Bergeest als Sohn und Rudi Plent als Vater füllen die Dialoge aus dem Roman mit Leben. Wie schwer die Krankheit zuweilen auf dem Sohn lastet und wie ungeschickt er sich zu Beginn verhält, zeigt ein Beispiel: Der Vater will zu seiner – längst verstorbenen – Mutter. Er behauptet, sie warte auf ihn. Sohn: „Wie alt ist deine Mutter?“ Vater: „Mhm, ungefähr achtzig.“ Sohn: „Und wie alt bist du?“ Vater: „Ebenfalls ungefähr achtzig.“ Sohn: „Deine Mutter ist tot.“ Vater: „Ich habe es fast befürchtet.“

Als die Szene über die kleine Bühne (Bernhard Weber-Meinardus) in der Staublau-Galerie geht, entfährt es einer Zuschauerin spontan: „Das darf man nicht machen!“ Und wahrscheinlich hängt in diesem Augenblick jeder der 51 Gäste seinen eigenen Gedanken nach und erinnert sich an das ein oder andere Gespräch mit einem nahestehenden demenzkranken Menschen.

Das ist wohl die Stärke des Stückes. Es lässt Raum für das eigene Empfinden, überfrachtet das Publikum nicht mit Aktionen. Oft musizieren die beiden Männer gemeinsam am Klavier. Immer ein bisschen zu laut, Hausmanns-Musik – eine versöhnliche Erinnerung an vergängliches Familienglück.

Das Stück gelingt insgesamt so feinfühlig wie die Buchvorlage. Mal liest Uwe Bergeest ein paar Seiten aus dem Roman. Dann klappt er ihn zu und spielt die Rolle des Sohnes, meist geduldig lächelnd, selten genervt und aufbrausend.

Rudi Plent, der im November seinen 76. Geburtstag feiert, spielt den stets fröhlichen, zunehmend verwirrten Vater mit einem breiten Grinsen. Plent ist ein Vollblut-Schauspieler und das stellt er einmal wieder unter Beweis. Einige Zuschauer mögen Plent noch von seiner Zeit am Staatstheater kennen, an das er 1968 kam. Später war der gebürtige Österreicher vor allem als Regisseur für hoch- und niederdeutsche Stücke erfolgreich und etablierte in Westerstede das Freilichttheater. Als alter „König in seinem Exil“ ist er nun auch ein richtig guter Theatervater für Uwe Bergeest, dem beliebten und bekannten Schauspieler der Kulturetage.

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