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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Kultur

Wo die Verstärker Abkühlung brauchten

03.05.2014

Oldenburg Es war gleich der dritte Abend, nachdem Peter Porikis 1991 das „Sunup’s“ als Chef übernommen hatte. „Ich dachte erst, mein DJ hätte Wunderkerzen angezündet“, erinnert sich Porikis. Tatsächlich schlugen Funken aus dem DJ-Stand, eine Kupfer-Überbrückung brannte, die Sicherungen flogen heraus, die Lautsprecherboxen verstummten, und in der Diskothek an der Baumgartenstraße wurde es schlagartig dunkel. Den Schaden behob damals nach 30 Minuten ein Gast, der sich als Starkstromelektriker vorstellte. Porikis hielt derweil die übrigen Feiernden ohne Mikrofon bei Laune.

Mit Improvisieren kannte sich der Disco-Inhaber aus. Gerne erinnert sich der heute 54-Jährige an die „ersten Jahre“, in denen die DJs offene Behälter mit Eiswürfeln unter die Verstärker stellten, um ein „Durchknallen“ zu verhindern. Porikis hat die Geschichte des „Up’s“ zwischen 1981 und 1995 von Anfang an begleitet: Er gehörte quasi so zum Inventar wie die 15 Meter lange Theke, der Biersalon, die Korbsessel in der Ruhezone, das legendäre Kirschen-Logo oder die arenaartige Tanzfläche.

Jubiläen mit Riesentorte

Unvergessen ist auch die mehrstöckige Riesentorte, die in der Jubiläumsnacht vom 30. April auf den 1. Mai jedes Jahr vom Personal als Dankeschön an die Besucher verteilt wurde. „Die sah immer toll aus, allerdings war die Glasur ziemlich hart“, erinnert sich Porikis.

Neue Serie: Erinnerungen an Disco-Zeit

Ob Tiffany, Renaissance, Etzhorner Krug, Ede Wolf, Sunup’s, Byblos, Scala oder Rocktheater – sie und einige andere waren von den 70er bis in die 90er Jahre die angesagten Discos in Oldenburg.

Orte, an denen man an Wochenenden die Nacht zum Tag machte. Wo man getrunken, geraucht, gefeiert, gequatscht und getanzt hat, sich verliebt und getrennt hat, erwachsen geworden ist. Erinnerungen an diese Orte möchte die NWZ  in ihrer neuen Serie über frühere Diskotheken lebendig werden lassen.

Machen Sie mit: Schreiben Sie uns den Namen Ihrer Lieblingsdisco und welche Erlebnisse Sie damit verknüpfen, schicken Sie uns Ihre Geschichten und Bilder per Post an die NWZ -Lokalredaktion (Stichwort Disco), Peterstraße 28-34, 26121 Oldenburg oder per E-Mail an red.oldenburg@nordwest-zeitung.de.

Die Bundeswehr verschlug den gebürtigen Wilhelmshavener 1981 nach Oldenburg. Weil er bereits erfolgreich in seiner Heimatstadt im „Palazzo“ als DJ gearbeitet hatte, kam ihm das Angebot von Joachim Ebel, auch im „Up’s“ Platten aufzulegen, gerade recht. Das „Up’s“ war 1981 auf das „Why not“ gefolgt, zuvor hatte das denkmalgeschützte Gebäude an der Baumgartenstraße 3 das „Montparnasse“, Oldenburgs erste Innenstadt-Disco, beherbergt.

150 000 Gäste im Jahr

Bis 1985 absolvierte Peter Porikis als DJ im „Up’s“ vier bis fünf Schichten pro Woche, gab dann Kurzgastspiele im „Renaissance“ in Oldenburg und im „Na Sowas“ in Sedelsberg, um noch im selben Jahr als Betriebsleiter zum „Up’s“ zurückzukehren. Von 1991 bis zum Aus im Jahre 1995 führte er den Laden als Chef. „Die 15 Jahre waren die heißesten in der Oldenburger Innenstadt“, ist Porikis überzeugt. 150 000 Gäste pro Jahr hätten im „Up’s“ gefeiert. „Wir haben Oldenburg komplett abgegraben, vor allem die Jüngeren“, so Porikis. Ausnahmezustand habe stets an den Stadtfest-Tagen geherrscht: „Da war immer die Hölle los.“

Zum Erfolg beigetragen hat die Musikauswahl, die auf hohem Niveau und breitgefächert war: Von A-ha bis ZZ Top reichte die Palette, die in 90ern nach dem Motto „Abends im ,Up’s’ gehört, tagsüber ausgeliehen“ im von Porikis gegründeten CD-Verleih am Stadthafen und später an der Donnerschweer Straße (damals noch legale) Verbreitung fand.

Zum Personal im „Up’s“ zählten bis zu 40 Leute gleichzeitig – insgesamt gehörten der Crew in den 15 Jahren etwa 350 Köpfe an. „Wir waren ein Haus der Generationen“, schmunzelt Porikis und meint damit neben gerade dem Teenie-Alter entwachsenen Thekenkräften die beiden „Opas“, die im Obergeschoss der Diskothek die Buchführung erledigten. Die Herren Kutz und Scholz waren damals beide schon über 70. „Security-Personal“ hat indes nie dazugehört: „Der Rausschmeißer war ich“, sagt Porikis. Nötig gewesen seien Hausverbote nicht oft: „Es war ein friedlicher Laden. Schlägereien gab es kaum.“

Im Publikum seien ganze Schulklassen gewesen – „überwiegend Gymnasiasten“, erinnert sich der DJ und Chef. „Wer da nicht dabei war, konnte montags in der Schule nicht mitreden.“ Schülerfeten im „Up’s“ seien die Vorläufer der heutigen Abi-Partys gewesen. Gäste konnten das Lokal für Motto-Partys mieten – Porikis weiß noch von einer „Milchparty“ und einer „Happy Bunny Party“. Der heutige Stadtfest-Organisator Reinke Haar verdiente sich 1992 im „Up’s“ erste Sporen als Event-Veranstalter mit Spaghetti-Wettessen und einer NDW-Revival-Party.

5000 Nächte

Die Motto-Partys konnten indes das Ende im „Sunup’s“ nicht aufhalten. Als 1995 die Nutzungsverträge ausliefen, zog sich Peter Porikis zurück. Nach geschätzten „5000 Nächten“, die er seit 1981 in der Diskothek verbracht hatte, war er froh, „dass es vorbei war“. Das „Sunup’s“ wurde zum „Schmizz“, heute hält das „Cubes“ hier die Club- und Disco-Tradition aufrecht. Porikis ließ sich zunächst zum Programmierer ausbilden. 2004 machte er sich aber als Fotograf selbstständig („OlDigitalEye“), um unter anderem auch die Partys in der Stadt abzulichten – das Nachtleben hatte ihn wieder.


Spezial unter   www.nwzonline.de/discos-oldenburg 
Stephan Onnen
Redakteur
Redaktion Oldenburg
Tel:
0441 9988 2114

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