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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Kultur

Wo Efeu und Moos Kulturgüter zerstören

01.04.2015

Oldenburg Sogar dort, wo die Zeit stillsteht, lässt sich der Zahn der Zeit nicht aufhalten. Der Eindruck vieler Leute, die sich das Mausoleum auf dem Gertrudenkirchhof seit dem Abschluss der Sanierung angesehen haben, täuscht nicht: Das direkte Umfeld fällt hinter das so schön herausgeputzte Baudenkmal von nationalem Rang weit zurück.

Fakt ist: Zahlreiche auch kulturhistorisch wertvolle Grabmale von hoher bildhauerischer Qualität waren in diesem ältesten Bereich des Friedhofs zu finden, die aber zu lange im Schatten dichter Bäume unbeachtet geblieben waren. Weshalb Horst-Günter Lucke, Präsident der Stiftung Oldenburgischer Kulturgüter (SOK), beim Anblick des fast vergessenen Friedhofsbereichs ein Machtwort sprach: „Das packen wir an!“

Aufgeplatzte Reliefs

Das war Ende vergangenen Jahres, und seitdem hat sich einiges getan im nordöstlichen Winkel des Gertrudenkirchhofs. Finanzielle Unterstützer wurden gefunden, die zu restaurierenden Grabmale ausgesucht, und der Auftrag wurde vergeben. Dafür war es auch höchste Zeit: Der „schlechte bis besorgniserregende Zustand“ vieler Grabdenkmäler in dem Bereich werde zwar seit über 20 Jahren schon beklagt, meint Dr. Jörgen Welp (Oldenburgische Landschaft), der für die SOK das Projekt betreut. Doch „gerade in den vergangenen Jahren haben die Schäden noch zugenommen“. Da fehlen mal Zierurnen, da platzen Reliefs und Inschriften aus den Sandsteinoberflächen ab, und da dringt Wasser in offene Fugen.

Insgesamt 18 Grabmale stehen nun zur Restaurierung an. Die Arbeit an den alten Steinen ist aber nicht gratis, denn sie ist aufwendig und detailintensiv. Mit dem Sandstrahlgebläse darf der Bremer Restaurator Matthias Seefried jedenfalls nicht zu Werke gehen: „Das würde die Denkmäler endgültig zerstören. Kleine Bürsten jede Art, Pinsel, Meißel, Kalk und Wasser sind meine Arbeitsmittel.“

Ein Grabstein ist fertig

Es wird wohl Spätsommer sein, bis Seefried die Restaurierung abgeschlossen hat. Einen kleineren Stein hat er bereits komplett aufgearbeitet: Der Block der Grabstelle von Justizrat Friedrich Wilhelm von Hendorff (gestorben 1798) ist von Moos und Algen befreit, der zuvor kaum noch erkennbare Text wieder gut lesbar. Dieses Grabmale gehört zu einer ganzen Sammlung von Steinen („Lapidarium“), die verschiedene Epochen repräsentieren: „Klassizismus, Neugotik bzw. Historismus, Barock – hier findet sich alles“, erläutert Welp.

Wegen seiner Größe – und wegen seines schlechten Zustandes – besonders beeindruckend ist das Grabdenkmal der Freiin Christa von Scharnhorst (gestorben 1870). Unterarmdicke Efeuranken haben den grau-weißen Gusszement-Zaun fast völlig zerstört, das gleiche Schicksal erlitten Verzierungen des Kunstwerks. Den Zaun muss Restaurator Seefried neu gießen und auch an anderen Stellen grundlegend eingreifen. „Doch am Ende wird das Denkmal wieder so aussehen wie einst.“

Was Restaurierung bewirken kann, zeigt das nach dem Mausoleum größte Grabdenkmal in diesem Teil des Friedhofes, der früher unter das Belegungsrecht des Herzogs fiel, mithin hohen Beamten oder wichtigen Angestellten bei Hofe vorbehalten war. Dazu zählten die Kanzleiräte Albrecht Ludwig von Berger und Christian Daniel von Finckh, die 1813 von den Franzosen hingerichtet worden waren und an die Herzog Peter Friedrich Ludwig mit der großen Grabstätte unübersehbar erinnern ließ. Hier wurde bereits der schwarze Eisenzaun repariert und angestrichen.

Kirche plant Grünes

Andere kulturell und bildhauerisch interessante Grabstätten, die nun restauriert werden, sind die des Geheimen Staatsrats Johann Friedrich Mutzenbecher (gestorben 1855), der Kammerfrau Ernestine Catharin Elisabeth Wenzel (gestorben 1817) oder des Grafen Detlev Hans von Schmettau (gestorben 1795). Diese Aufgaben zu erledigen sind aber nur darum sinnvoll, weil die Evangelisch-lutherische Kirchengemeinde Oldenburg zuvor die „gute Stube“ des Friedhofs von Wildwuchs befreit und die großen Bäume beschnitten hat. Die Kirche ist auch für die weitere Grünplanung des Areals verantwortlich und wird zudem zwei Grabbauten, deren Instandsetzung besonders aufwendig sein wird, vornehmen.

Der Frühjahrsputz in der „guten Stube“ des Gertrudenkirchhofs wird offensichtlich gründlich ausfallen.

Klaus Fricke
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