• Jobs
  • Immo
  • Auto
  • Markt
  • Trauer
  • Hochzeit
  • Guide
  • LocaFox
  • Shop
  • Events
  • Tickets
  • nordbuzz
  • FuPa
  • Werben
  • Kontakt
NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Kultur

Zeitgenössischem Klangmüll Leben eingehaucht

31.08.2013

Oldenburg Massenproduktion ist standardisierte Produktion des Ewiggleichen. Allenfalls saisontypische Farben und aufgesetzte Spielereien erzeugen bei derartigen Waren einen Rest Wiedererkennbarkeit.

Wer sich wirklich, nicht nur vermeintlich, abheben will, etwas Neues und Individuelles haben will, ist auf gediegenes Handwerk verwiesen. So auch bei der Musik. Wer wirklich etwas ganz Neues, Unerhörtes, vielleicht auch Verstörendes hören will, wird sich bei der Avantgarde, bei der experimentellen Musik umhören.

Ein Kreis solch gediegener Handwerker, das hiesige oh ton-Ensemble, führte im Stadtmuseum acht sehr unterschiedliche Werke auf, darunter eine Uraufführung, „Stil 1“, von Johannes Kreidler. Dem Saxophon (Mark Lorenz Kysela) und der E-Gitarre (Steffen Ahrens) werden vom Band Alltagsgeräusche, Banales zugespielt, in variierenden Repetitionen wird dann unablässig zeitgenössischer Klangmüll abgearbeitet. Das klingt nicht didaktisch, da wird nichts aufgezeigt, das ist einfach lebendig, witzig und immer auch ein wenig komisch. Eckart Beinke, künstlerischer Leiter von oh ton, überzeugte mit einer gehaltvollen Komposition, „Chiffren haltbarer Zustände“ für Flöte und Schlagzeug, die vieles nur gestisch andeutete, die nicht nur mit dem Hörbaren, sondern auch mit dem Unhörbaren und damit indirekt auch mit dem Unerhörten arbeitete und im Erklingen angewiesen blieb auf den emotional, phantasievoll und intellektuell beteiligten Zuhörer, der die Chiffren, die Zeichen - wie Old Shatterhand die Spuren - zu lesen weiß.

Und dann noch Claude Debussy! Erst die „Masques“ für Klavier, wunderschöner musikalischer Expressionismus, vom großartigen Thomas Hell aber nicht gefühlig, sondern atmosphärisch dicht, überlegen in Technik und Phrasierung, farbig und markant wiedergegeben.

Sie ist eine Frau, sie ist schön, und sie spielt die Flöte beispiellos: Darf man eine Künstlerin aus einem Ensemble so herausheben? Die aus Gent stammende Stockhausen-Spezialistin Karin de Fleyt spielte nicht einfach „Syrinx“ von Debussy, das wichtigste Flötenwerk des 20. Jahrhunderts, sie lebte es, ganz in sich gekehrt, entlockte ihrem Instrument solch herrliche Farben, die wie durch Magie fast zu sehen und zu riechen waren, war die große Vortragende gerade durch dieses Verschwinden im Instrument und im Werk. Das war dann schon mehr als gediegenes Handwerk!

Weitere Nachrichten:

Stadtmuseum | Kreidler