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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Kultur

Premiere: Zerrissen zwischen Hass und Liebe lustvoll zerfleischt

13.02.2014

„Quartett“ von Heiner Müller ist ein Schauspiel für zwei Personen. Mit zerstörerischer Sprachmacht zerfleischen sich die Marquise Merteuil (Anna Steffens) und ihr ehemaliger Geliebter Vicomte Valmont (Vincent Doddema) in einem lustvollen, bitterbösen Geschlechterkampf. Zuweilen tauschen sie ihre Rollen. Außerdem – und so kommt man schließlich auf vier Figuren und ein Quartett – schlüpfen sie in die Haut der Präsidentengattin Madame de Tourvel sowie der Klosterschülerin Cecile de Volanges. Beide Frauen sind Opfer im wuchtigen Kampf um Verführung und Zerstörungslust.

Dass sich die Figuren als Täter und als Opfer spüren sowie mal als Mann und mal als Frau lustvoll erniedrigen, „ist ein brillanter, raffinierter Schachzug“, sagt Regisseur Marc Becker über den Autor Heiner Müller (1929-1995), der als einer der bedeutendsten deutschsprachigen Dramatiker der Gegenwart gilt. „Quartett“ schrieb dieser 1980 nach dem Briefroman „Gefährliche Liebschaften“ (1782) von Choderlos de Laclos. Die Verfilmung sei empfehlenswert, sagt Marc Becker. Man müsse sie aber nicht gesehen haben, um das Theaterstück zu verstehen.

Die Marquise und der Vicomte kämpfen auf dem Schlachtfeld der Liebe, in einer Vernunft gesteuerten, gottlosen Welt, wo sie an ihrer eigenen Endlichkeit zugrunde gehen. Ihre Sprache ist kunstvoll, intellektuell und philosophisch. Zuweilen ist sie auch witzig, aber immer kraftvoll und energiegeladen.

In „Quartett“ stecke Dekadenz, Langeweile und Zynismus, der manchmal so hohe Wellen schlage, dass er in Masochismus übergehe, erläutert Marc Becker: „Für die Schauspieler ist es schwer genug, all diese Gedankenräume zu öffnen. Als Regisseur mit kleinen Spielereien dazwischen zu gehen, schien mir deshalb nicht angemessen.“

Beckers Inszenierung hält sich treu an Müllers Text. Dessen Ortsangabe „Salon vor der Französischen Revolution/Bunker nach dem dritten Weltkrieg“ setzt der in Oldenburg lebende Regisseur puristisch um. „Wir haben uns für zwei betongraue, voneinander getrennte Wände entschieden“, beschreibt er die Spielfläche (Bühne: Peter Engel). Deren Form gleiche einer verfehlten Schöpfung und schaffe Raum für Assoziationen: „Es könnten zwei Grabsteine sein ebenso wie überdimensionierte Stühle.“

Während die Darsteller auf einer futuristisch anmutenden, erhöhten Fläche spielen, dürfen es sich bis zu 80 Zuschauer 70 Minuten lang so richtig bequem machen. Für sie stehen in der Exerzierhalle rote Plüschsofas, Sessel und Stühle bereit – wie in einem französischen Salon.

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