• Jobs
  • Immo
  • Auto
  • Markt
  • Trauer
  • Hochzeit
  • Guide
  • LocaFox
  • Shop
  • Events
  • Tickets
  • nordbuzz
  • FuPa
  • Werben
  • Kontakt
NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Kultur

Andreas Van Hooven: Ex-Stadtsprecher von Oldenburg geht unter die Schriftsteller

07.05.2016
NWZonline.de NWZonline 2016-05-09T09:09:08Z 280 158

Andreas Van Hooven:
Ex-Stadtsprecher von Oldenburg geht unter die Schriftsteller

Oldenburg Er lebt nach wie vor in Oldenburg, arbeitet in Essen – und hat jetzt einen Berlin-Roman veröffentlicht. Andreas van Hooven (45), Pressesprecher der Stadt Oldenburg von 2010 bis 2014, hat ein in den 90er-Jahren entstandenes Manuskript im Selbstverlag „Book on Demands" als Taschenbuch an die Öffentlichkeit gebracht.

„Berlin – Stadt der Platanen“, lautet der Titel. Stadt der Platanen? Berlin?

„Mich hat das Bild dieser Bäume fasziniert – wie sie ihre Rinde absprengen, um zu wachsen“, erläutert van Hooven den in Bezug auf Berlin nicht eben selbst erklärenden Titel. Wachstum – das sei das Thema des Romans, sagt er.

Das Manuskript entstand während seines Studiums und beschreibt eine Ära, die – wie der Autor selbst sagt – eher unspektakulär war. Die Ära Kohl war noch nicht beendet, den Euro gab es noch nicht, und auch Hartz IV war noch nicht in Kraft. „Eine Zeit zwischen den Zeiten“, so van Hooven,

Namenlose Werber

Diese gesellschaftliche Folie nutzt van Hooven als Hintergrund, auf dem seine Protagonisten auftauchen. Ein namenloser Werbefachmann spielt die Hauptrolle, frisch entlassen, mit einem halbwegs restaurierten Porsche unterwegs in Berlin, zwischen unentschiedenen Beziehungen zu Frauen und drogengeschwängerten Nächten in Techno-Clubs pendelnd, zwischen Treffen mit erfolgreichen Karrieristen in Galerien und Altbauwohnungen und halbseidenen Gebrauchtwagenunternehmern, die von Gläubigern verfolgt werden. Ein Panoptikum von Getriebenen, die den Erfolg wollen und ihm ständig hinterherlaufen, seltsam unbeseelt und gedankenleer, ohne inneren Kompass.

„Ich habe damals selbst in der Werbebranche gejobbt“, erzählt van Hooven. Damals habe er viele Menschen kennengelernt, „die genau wussten, was man Kunden erzählen muss, und die genau wussten, wie man eine Idee verkauft – aber was sie selbst vom Leben wollten, das wussten sie nicht“. Eine Haltung, die auch die Figuren in seinem Roman ausdrücken. Ein Zitat: „Wer gestern noch zu Greenpeace wollte, macht heute PR für einen Atomkonzern. Wer heute über Darwin promoviert, wirft sich morgen in der Freikirche zu Boden. Wer jahrelang durch Schwulenbars gezogen ist, zerrt plötzlich seine Schulfreundin zum Standesamt.“

Weitere Manuskripte

Das Manuskript wurde damals von vielen Verlagen abgelehnt, trotz des Einsatzes einer Literaturagentur. „Der Roman dreht sich nicht nur um die Geschichte eines Scheiterns, die seiner Vermarktung ist auch eine“, sagt der Ex-Stadtsprecher, der heute für den „Rat für kulturelle Bildung“ in Essen tätig ist und mit seiner Familie im Dobbenviertel wohnt. Die Veröffentlichung bei „Books on Demand“ – einer der Verlage, bei denen der Autor selbst das finanzielle Risiko trägt, war „Plan B“. In gewisser Weise, sagt van Hooven, stehe man als Autor nach dem Druck mit leeren Händen da. Klassische Verlagsaufgaben wie Marketing und Vertrieb liegen beim Autor – oder man kauft sie für weiteres Geld ein.

Plan B soll aber nicht die Regel werden. Van Hooven hat zwei weitere potenzielle Bücher in der Schublade. Ein bereits fertiges Manuskript dreht sich um eine Rockband im Emsland und verbindet so das Studium des promovierten Musikwissenschaftlers mit seinem Aufwachsen im Emsland, das zweite (in Vorbereitung) dreht sich um eine Familiengeschichte zwischen Oldenburg, Danzig und Südamerika, die durchaus mit seiner Familiengeschichte zu tun hat. Für beide hofft er auf einen „richtigen“ Verlag: „Das wäre ein ganz anderer Ritterschlag.“

Für van Hooven ist das literarische Schreiben unverzichtbar. Trotz Kindern und Familie, trotz Pendelns nach Essen, trotz vieler Arbeit im und am Haus in der Herbartstraße. „Es tut mir gut“, sagt er – davon profitiere auch sein Umfeld. Es beantworte die Frage nach dem Sinn des Lebens, „indem man etwas hinterlässt“. Aufmerksame Oldenburger können ihn dabei sogar manchmal sehen, denn zum Schreiben treibt es ihn immer wieder in die Uni-Bibliothek: „Der Blick in die Haarenniederung inspiriert mich.“

Auch wenn dort keine Platanen stehen.