Oldenburg - Wenn Tobias Götting in diesen Tagen früh morgens zum Üben in die Lambertikirche fährt, steigt er nicht wie sonst die Treppe hoch zur Empore. Sein Weg führt den Organisten und Kantor statt dessen noch bis Anfang September ins Erdgeschoss zu einer kleinen, digitalen Holzorgel.
Sein Stamminstrument steht ihm nicht zur Verfügung: Die große, von Alfred Führer gebaute Orgel macht momentan einen etwas zerpflückten Eindruck. Sie steht ohne ihre Pfeifen da, die Elektronik und alle mechanischen Teile sind ausgebaut. Nach 50 Jahren im Dauereinsatz für die Kirchengemeinde und für Konzerte ist für die Orgel in diesem Jahr eine große Sanierung geplant.
Wie ein Oldtimer
„Viele Verschleißteile sind längst an ihrer Belastungsgrenze angekommen. In dieser Hinsicht ist die Orgel wie ein Oldtimer“, erklärt Tobias Götting. Elemente aus Plastik, Holz oder Leder müssen ersetzt werden. Alle 3000 Pfeifen werden vorsichtig gereinigt und der Motor überholt. „Auch technische Neuerungen werden bei dem Renovierungskonzept umgesetzt. Das Stimmen wird zum Beispiel einfacher. Und es wird mehr digitale Speicherplätze für die Register geben“, erklärt der 56-Jährige weiter.
Auch über ganz neue Klänge können sich die Zuhörer nach der Sanierung freuen. „Das Instrument bekommt ein neues Register. Es wird ein Carillon angeschlossen. Das ist eine französische Technik“, so Götting. Das Carillon hört sich an wie ein Glockenspiel, bekannt sind die Klänge vielleicht einigen aus dem Film „Willkommen bei den Schtis“.
Die Kosten der Renovierung betragen 250.000 Euro. Sie werden zu 50 Prozent von der evangelischen Landeskirche, zu 40 Prozent von der Kirchengemeinde und zu 10 Prozent aus Spenden finanziert.
Besinnung im Alltag
„Unsere Orgel ist ein Instrument von überregionale Bedeutung. Neben Veranstaltungen der Landeskirche haben wir auch oft prominente Gastorganisten hier“, erzählt Tobias Götting. Beliebt seien die Klänge des Instruments aber auch für kleine Momente der Besinnung im Alltag. „An jedem ersten Samstag im Monat findet das Angebot ,Orgelmusik zur Marktzeit’ um 12 Uhr statt. Die Menschen sind dann schon in der Stadt unterwegs und kommen einfach mit ihren Einkaufstaschen rein“, so der Kantor.
500 Mal im Jahr
Insgesamt sei die Orgel bestimmt bei 500 Gelegenheiten im Jahr im Einsatz. Das nächste Mal erklingt sie erst wieder Anfang September, dann mit frisch gereinigten Pfeifen. „Wir planen dazu eine kleine Reihe von Einweihungskonzerten“, kündigt Tobias Götting an. Dann können die Oldenburger ihr neues Carillon-Register zum ersten Mal hören.
