Oldenburg - Er ist in aller Munde: der Fachkräftemangel. Gut ausgebildete Ärzte werden daher mehr als gebraucht. Die Carl von Ossietzky Universität Oldenburg hat dieses Problem bereits vor Jahren erkannt und mit dem Lehrpraxen-Netzwerk eine Strategie entwickelt, um angehende Medizinerinnen früh an den Patienten zu bringen.
Gute Partnerschaft
Anna Federhen (19) studiert im zweiten Semester den Modellstudiengang Humanmedizin an der European Medical School (EMS) der Universität Oldenburg. Als Motivation, in den Norden zu kommen, nennt die Kölnerin den guten Ruf der Uni und die Aussicht auf ein grenzüberschreitendes Studium. „Ende des zweiten Semesters wird ein Niederländisch-Kurs angeboten“, so Federhen.
Das Lehrpraxen-Netzwerk der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg besteht aktuell aus 195 aktiven Praxen. Auf dem letzten Lehrärztetag am 4. März 2023 konnte Prof. Dr. Michael Freitag, Koordinator des Lehrpraxen-Netzwerks der Universitätsmedizin Oldenburg, mehr als 60 Lehrärzte (davon 26 neue) für Studenten des Modellstudiengangs Humanmedizin begrüßen. Da die Zahl der Studierenden in Oldenburg aber stetig steigt, werden neue Lehrärzte immer gebraucht.
Die European Medical School (kurz EMS) ist ein grenzüberschreitendes Kooperationsprojekt der Universität Oldenburg und der Rijksuniversiteit Groningen. Das länderübergreifende Konzept ermöglicht den Oldenburger Studierenden u.a. Medizin-Kurse in Groningen zu besuchen sowie einen Auslandsaufenthalt an der Partneruniversität zu absolvieren.
Dieser sei zwar nicht verpflichtend, aber die Aussicht, eine weitere Sprache zu lernen und möglicherweise für ein oder zwei Semester an der Partneruniversität in Groningen zu studieren, reizt die angehende Medizinerin. Sie war bereits ein paar Mal dort, um an den Anatomie-Kursen teilzunehmen.
Aufs Land
Auch Anna Lena Obst (28) ist Humanmedizin-Studentin an der EMS. Im mittlerweile 10. Semester hat sie bereits vier je einwöchige Hospitationen und ein zweiwöchiges Blockpraktikum in der Allgemeinmedizin absolviert. Zwei Hospitationen habe sie in einer Landarztpraxis durchgeführt. „Die Arbeit eines Landarztes kennenzulernen, das ist der Uni Oldenburg sehr wichtig“, so Obst. Einer ihrer Landarztbesuche war auf Norderney. Vom Landkreis Aurich habe sie damals finanzielle Unterstützung für die Unterkunft bekommen. Manche Ärzte böten den Studenten sogar die Möglichkeit, bei ihnen zu Hause zu wohnen. „Diese Hilfsbereitschaft ist einzigartig“, betont auch Federhen.
Nah am Patienten
Ihre erste Hospitation hatte Obst nach der ersten Klausur, d.h. bereits neun Wochen nach Studienbeginn. „Man wird sehr früh ins kalte Wasser geschmissen“, so Obst. Allerdings sei genau das so wichtig. „Wie kann ich das gebrauchen, was ich gelernt habe?“. Das sei eine der zentralen Fragen in der Ausbildung, so Obst. Beide Studentinnen finden, dass die Verknüpfung von Fachwissen und Praxis an der Uni Oldenburg optimal zusammenspiele.
Junge Menschen während ihrer Ausbildung zu begleiten, ist auch für Dr. Maria Bösenberg, Allgemein- und Palliativmedizinerin, eine Herzensangelegenheit. Neben angeleiteten Untersuchungen dürfen die jungen Mediziner selbstständig arbeiten. Und in den Feedbackgesprächen würde sie nicht nur die Studenten, sondern auch sich selbst als Ärztin reflektieren.
Alle drei Frauen teilen die Ansicht, dass die praxisorientierte Ausbildung sehr wichtig für den Standort Oldenburg ist. „Die Studenten sind ganz schnell am Patienten, das macht Oldenburg aus“, so Bösenberg. In Ihren Augen führe das dazu, dass die Medizinabsolventen Oldenburgs zu den best-ausgebildetsten Ärzten Deutschlands gehören.
