Oldenburg - „Jetzt will ich ihn richtig kennenlernen – den Ossietzky.“ Als Oldenburger kann sich Ralph-Peter Böschen noch gut an den Streit um die Namensgebung erinnern: Mit 25 Jahren hat er damals, in den stürmischen 70ern, die Studentenproteste verfolgt – Oldenburgs Uni durfte nicht nach dem Friedensnobelpreisträger benannt werden. Die Entscheidung traf das Niedersächsische Kultusministerium. Aber warum eigentlich?
Dieser und weiteren Fragen ging der 64-Jährige am Mittwochabend auf den Grund: Als einer von 20 Gewinnern einer NWZ -Sonderführung nahm er die Spurensuche durch Werk und Leben des Journalisten und Pazifisten Carl von Ossietzky (1889 bis 1938) auf.
Herzlich aufgenommen wurden die Gäste von der stellvertretenden Leiterin des Bibliotheks- und Informationssystems der Uni, Heike Andermann, und Dr. Oliver Schoenbeck, der u. a. für Veranstaltungen in der Universität zuständig ist.
In einer vielseitigen Ausstellung beleuchtet die Universität das Leben und Wirken ihres Namensgebers. Die Bandbreite der Themen reicht von Kindheit und großer Liebe bis zu Ossietzkys Wirken als Herausgeber der politischen Zeitschrift „Weltbühne“ und den Jahren des Leidens und des frühen Todes nach der KZ-Inhaftierung, unter anderem im Emsland.
Kerstin Schoof, die das Carl-von-Ossietzky-Archiv betreut, und Alexandra Otten, Kuratorin der Ausstellung im Rahmen der 40-Jahr-Feier der Uni, berichteten, wer die Idee zur Namensgebung hatte: Hans-Henning Adler. Der Linken-Fraktionschef war damals Student und hatte die Debatte mit angestoßen.
Zu den wertvollsten Schätzen im Ossietzky-Archiv zählen Medaille und Urkunde des Friedensnobelpreises, der dem streitbaren Publizisten 1936 zugesprochen wurde. Damit wird in Oldenburg einer der nur vier Friedensnobelpreise, die bisher an Deutsche vergeben wurden, verwahrt. Die Auszeichnung liegt in einem Tresor und wird so gut wie nie öffentlich gezeigt. Für die NWZ-Leserinnen und -Leser wurden die goldene Medaille und die prachtvolle Urkunde aus dem Tresor geholt. Anfassen war erlaubt – aber nur mit Handschuhen.
Der Besuch hinterließ eine Mischung aus Ehrfurcht und Sympathie: Die Gäste lernten von Ossietzky mal persönlich-poetisch durch Liebesbriefe, mal politisch-pazifistisch durch gesellschaftskritische Arbeiten kennen.
