Stand das wirklich da? Zweimal musste ich den Text lesen, um sicher zu gehen, mich nicht verlesen zu haben. „Die Hürden einer universalistischen Linken“, lautet der Titel einer Veranstaltung, die das städtische Edith-Russ-Haus für Medienkunst, die Evangelische Akademie Oldenburg, das Staatstheater und die Universität Oldenburg am 25. Januar 2022 gemeinsam durchführen werden. (...) Zwar bin auch ich der Meinung, dass Kultureinrichtungen politisch sein können. Doch bitte gesellschaftspolitisch, etwa indem sie sich zu heiß umkämpften, strittigen Themen engagieren.
Und auch das doch mit ein wenig Fingerspitzengefühl. Denn in den angelsächsischen Ländern sehen wir zurzeit, was geschieht, wenn als neutral wahrgenommene öffentliche Einrichtungen sich zu sehr auf eine politische Seite schlagen: Sie verlieren allgemein an Akzeptanz in der Bevölkerung.
Um nicht missverstanden zu werden: Selbstverständlich sollte es Veranstaltungen wie die genannte geben. Das ist nicht mein Punkt. Wenn die parteinahe Luxemburg-Stiftung eine solche Veranstaltung organisiert – bestens. Wenn die gewerkschaftsnahe Böckler-Stiftung das macht: alles in Ordnung. Aber wenn zwei steuerfinanzierte Kultureinrichtungen eine solche Veranstaltung durchführen, die sich vom Ankündigungstext an ein dezidiert linkes Publikum richtet, finde ich das problematisch. Und Offenheit der Veranstaltung für alle ist doch, mit Verlaub, kein ernst zu nehmendes Argument. (...)
Die Befürworter einer solchen Veranstaltung stellen sich bitte nur einen Augenblick unter veränderten politischen Vorzeichen vor, es gäbe eine Veranstaltung zum Thema „Den Neoliberalismus neu beleben“, unterstützt von einem der Landesmuseen, dem Oldenburger Energiecluster OLEC und der katholischen Kirche.(...)
