Seit über sechs Jahren arbeite ich für einen oldenburgischen Träger in der Einzelfallbetreuung. Zurzeit bin ich an einer Grundschule und muss auch hier feststellen, dass es zu Kürzungen zum Ende dieses Schuljahres kommen soll. Die Verhandlungen zur Kostenübernahme unseres Trägers mit der Stadt sind gescheitert! Also betreffen die Kürzungen auch die Einzelfallhilfen. Eine Tariferhöhung, wie im öffentlichen Dienst wird für uns nicht vorgesehen und auch die Inflationspauschale soll nicht finanziert werden. Wenn man der Aufgabe entsprechend gewachsenes Personal haben möchte, muss man auf die Qualität achten und diese fair bezahlen.
Unter der Prämisse, dass die Förderschulen abgebaut werden sollen und die Inklusion gefördert werden muss (ein hehres Ziel der Politik), sollten diese Maßnahmen wirklich greifen, können wir diesen Wunsch wohl ad acta legen. Die Politik scheitert erneut an der Realität.
Ein neues Stadion scheint der Politik wohl wichtiger zu sein, hier möchte man sich wohl ein Denkmal setzen.
Jeder in der Prävention eingesetzte Euro spart mehrere Euro, die in der individuellen Schulbegleitung ausgegeben werden müssten, wenn es keine Prävention mehr gäbe.
Die Stadt Oldenburg hat sich das Thema Inklusion auf die Fahnen geschrieben und mit dem sogenannten Oldenburger Modell in der Schulbegleitung auch Gutes geleistet. Dieses gilt es, in mindestens bisherigem Maße fortzuführen, wenn nicht sogar an die gestiegenen Bedarfe anzupassen. Sollte die Stadt ihr Sparvorhaben durchsetzen, muss sie sich vorwerfen lassen, die Kinderrechte mit Füßen zu treten. Das Recht auf Bildung und das Recht von Kindern mit Behinderung oder Einschränkungen auf Förderung gelten gemäß der UN-Kinderrechtskonvention als Grundrechte von Kindern.
Anzumerken bleibt, dass auch das Land Niedersachsen die Schulen besser mit entsprechend geschulten Lehrkräften ausstatten muss, um Inklusion gemeinsam mit der Stadt Oldenburg zu gewährleisten.
Die Pläne der Stadt zeigen auf erschütternde Weise, zu welchem Ziel die (im Grundsatz großartige) Idee der Inklusion eingeführt wurde: Es ist nichts anderes als ein Modell zum Sparen von Geldern. Schon jetzt sind Lehrkräfte und Schüler überfordert durch die Art, wie die Inklusion in den Schulen umgesetzt wird. Eine Schulbegleitung für Kinder mit Unterstützungsbedarf ist zumindest eine kleine Hilfe für alle Beteiligten. Fallen hier nun auch noch Gelder weg, ist das Chaos an den Schulen vorprogrammiert. Zudem frage ich mich vor diesem Hintergrund, wo die Motivation von jungen Menschen her kommen soll, den Beruf des Lehrers noch in Erwägung zu ziehen.
Auch „der Stadt“ sollte klar sein, dass diese sehr kurzfristig gedachte Vorlage auf dem Papier vielleicht toll aussieht, aber viel weitreichenden Folgen haben würde.
Mit Erstaunen habe ich gelesen, dass die Stadt eine Million Euro für die Arbeit der Schulbegleitung in den Schulen streichen will. Warum? Wir alle wissen, wie wichtig diese Arbeit ist: In den Schulen fehlt es an Personal! Im Kultusminister sieht man sich schon seit Jahren nicht in der Lage, die Schulen mit ausreichendem Personal zu versorgen. Nun will die Stadt ihr Modell „Schulbegleitung“ um eine Million Euro kürzen. Diese Arbeit für die Kinder und Jugendliche, die Unterstützung benötigen, ist immens wichtig. Für die Arbeit der Schulen vor Ort darf es nicht am Geld scheitern. Die Situation in den Schulen ist katastrophal und das nicht erst seit gestern. Alle in Schule arbeitenden Mitmenschen kommen jeden Tag an ihre Leistungsgrenzen, sie sind am Limit und werden krank!
Was haben wir als BürgerInnen dieser Stadt von dieser Kürzung: Die Kinder und Jugendlichen können nicht gefördert werden, auf Dauer erreichen sie nicht ihre schulischen Abschlüsse! Sie sind frustriert, erleben Misserfolge, fühlen sich minderwertig und ausgegrenzt. Junge Menschen benötigen eine gute Schul- und Sozialausbildung, um sich später im Berufsleben erfolgreich wiederzufinden. Und das kostet Geld! Jugendliche ohne Berufschancen kosten uns später mehr Geld und sind eine Gefahr für die Gesellschaft!
