Die Ignoranz der Mehrheit des Rates in Bezug auf die Zerstörung des letzten Freibads in der Stadt Oldenburg verschlägt einem regelrecht den Atem. In den vergangenen Jahrzehnten ist ein Bad nach dem anderen verschwunden. Das letzte bezahlbare Bad, das den Namen Freibad verdient, soll nun auch noch verschwinden. Interessanterweise „zum Wohl von ganz Oldenburg“. Im Ernst?
Kann es sein, dass die Entscheider allesamt Nicht-Schwimmer sind? Das Negativ-Beispiel haben wir mit dem sogenannten „Olantis“ am Schlossgarten doch vor Augen. Vor 20 Jahren haben sich die Oldenburger Schwimmer mit Händen und Füßen gegen den Abriss des idyllischen Huntebades gewehrt. Statt zentralgelegenem Sommervergnügen für alle, kam auf Biegen und Brechen der teure Spaß für Plantscher und Wellnessbesucher.
Ein Freibad aber gehört zur Grundversorgung, wie Schule, Theater, Museen, Sportvereine. Freibäder haben Saisonbetrieb, das war schon immer so. Sie werfen auch keinen Gewinn ab. Jedenfalls nicht auf den ersten Blick. Auf den zweiten aber schon: Gesundheitsvorsorge, Gemeinschaft, Freizeitaktivität für alle, um nur die wichtigsten zu nennen.
Das Flötenteichbad hat alles, was ein Freibad braucht: 50-Meter-Becken, Kinderbecken, Becken mit Sprungturm, Duschbereiche, Umkleiden und große Liegewiesen.
Was also soll das sein, ein „Gesundheitsbad“. Ein Freibad ist per se ein Gesundheitsbad. Das neue Etikett erlaubt schicke neue Eintrittspreise, stimmt’s?! (...)
Mein Kommentar lautet “Verlust für viele Gäste“. Ein Freibad mit hohem Erholungswert und entsprechenden Besucherzahlen im Sommer (besonders bei schönem Wetter) soll einer Kopie des „Olantis“ weichen.
Ich stimme ihnen zu, dass ein Ganzjahresangebot gegenüber einem befristeten Sommerangebot ein überzeugendes Argument ist. Immer wieder wird auch auf Defizite beim Schwimmunterricht für Kinder hingewiesen.
Warum kann man diese nicht im Nichtschwimmerbecken des Flötenteichbades durchführen? Das Freibad Flötenteich liegt im Einzugsbereich der Grundschule Nadorst, der Grundschule Ohmstede und unmittelbar neben der IGS Flötenteich. Warum kann man mit diesen Schülern dieses Bad nicht in den Sommermonaten zum Schwimmunterricht benutzen? Lieber fährt man diese mit Bussen zum „Olantis“, anstatt dort hinzulaufen?
In früheren Jahren sah man auch Bundeswehr und Bereitschaftspolizei im Flötenteichbad. In den letzten Jahren habe ich das aber auch nicht mehr beobachtet.
Aus meiner Sicht wird das Freibad Flötenteich in den Morgenstunden überwiegend von Personen genutzt, die aktiv etwas für ihre Gesundheit und Fitness tun. Sie alle lieben und schätzen das 50-Meter-Becken. Auch ich habe auf diesem Weg nach einem Herzinfakt 2017 zurückgefunden zu alter Fitness und Rückkehr in das Berufsleben.
Ein gewisser Trost unter den Nutzern des Freibades Flötenteich war ein Ausweichen nach Rastede in das dort existierende bzw. neu errichtete Freibad mit 50-Meter-Becken. Nun hat aber auch die NWZ über Probleme dort berichtet. Eine Inbetriebnahme im Sommer 2024 wird angezweifelt.
Ein Wegfall des Freibades Flötenteich und die nicht rechtzeitige Fertigstellung des Freibades Rastede erhöht jedenfalls nicht die Möglichkeit, das Schwimmen zu erlernen und die Fähigkeiten zu trainieren. Über viele Jahre wird dies nicht der Fall sein.
