Infoveranstaltung zum geplanten Stadionneubau: Austausch vor wegweisender Entscheidung

Da lädt die Stadt Oldenburg zum Thema „Stadionneubau“ die Bürgerinnen und Bürger zu einer Infoveranstaltung ein. Und was kommt dabei heraus? Die Infoveranstaltung ist eine reine Werbeveranstaltung für das neue Stadion an der Maastrichter Straße (...). Die Angelegenheit wird zu einem nie gefährdeten Heimspiel für den VfB, das Ergebnis ist vorhersehbar und sicher. Verantwortlich dafür sind eine Schiedsrichterin (Moderatorin), die schon in fast unerträglicher Weise für den VfB pfeift, und eine VIP-Lounge (eine Herrenrunde mit dem Geschäftsführer des VfB, dem Leiter der Polizeiinspektion, dem Vertreter des Planungsbüros AS+P, dem Vertreter des Projekt- und Planungsmanagement und dem OB; allesamt Herren, die aus unterschiedlichen Motiven unisono mit allen Mitteln den Stadionneubau wollen), die das Spielgeschehen bestimmt. Die wackeren Gegenspieler haben wenig Chancen. Fair Play geht anders. (...)

Und wo bleibt in diesem Millionenspiel die finanzielle Beteiligung des VfB oder seiner Sponsoren oder seiner Gesellschafter oder anderer Investoren? Doch die lassen sich lieber von der Stadt in „Gratismentalität“ das Schmuckkästchen bauen, ohne Selbstbeteiligung. Wetten, dass nach Fertigstellung die Stadionkosten locker die 60 Millionen Euro überschritten haben werden und dass die städtische Betreibergesellschaft dann froh sein würde, nur 1,3 Millionen Euro jährlich aus dem Stadtsäckel bezahlen zu müssen.

Klemens Blömer Oldenburg

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Aus meiner Sicht stellt der Bau eines neuen Stadions eine notwendige Investition in die Infrastruktur dar. Wie oft habe ich es erlebt, dass ich bei Oldenburger Schmuddelwetter nass geworden bin, da das Stadiondach am Marschweg nicht vor Regen schützt. Die Stehplätze sind sogar ganz dem Wetter ausgesetzt (man stelle sich vor, es würde im Theater oder Museum hineinregnen). Als drittgrößte Stadt Niedersachsens steht es der Stadt gut, ebenso wie Theater und Museen auch eine drittliga-taugliche Spielstätte für die Stadtgesellschaft anbieten zu können.

Das Marschweg-Stadion hat verschiedenste Einschränkungen (begrenzte Anstoßzeiten, Parkplatzsituation, schwierige Trennung der Fanlager), so dass über die Instandsetzung hinaus Investitionen (...) nicht zu begründen wären.

Daher stellt sich für die Politik doch die Grundsatzentscheidung, ob man zukünftig durch einen Stadionneubau Profifußball ermöglichen möchte oder nicht. Aus meiner Sicht hat Fußball-Kultur mit vielen tausenden Zuschauern ebenso eine Daseinsberechtigung und ist auch ein wichtiger Teil der Identifikation mit der Stadt.(...)

Kevin Dewald Lüdenscheid

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Was hat sich nur für ein Demokratieverständnis in unserer Stadt breitgemacht! Da werden für ein geplantes Stadion mit Kosten von mehr als 50 Millionen Euro bei zwei „Info“-Veranstaltungen überwiegend nur zustimmende Bürger eingeladen, weil der OB nach „Gutsherrenart“ schon lange positiv entschieden hat! Das wäre dann ein weiteres „Denkmal“ für OB Krogmann, nach dem teuren Museum. Mit renovierten Straßen und Schulen kann man keine Aufmerksamkeit gewinnen!

Manfred Heinisch Oldenburg

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Initiative Stadionbau kritisiert Veranstaltung

Sport wird in Oldenburg vielfältig und auch sehr erfolgreich betrieben in Jugend-, Breiten- und Spitzensport. Nun fordern die Profifußballer des VfB ein neues Stadion aus öffentlichen Mitteln von der Stadt. Die Kalkulation 34 Millionen aus 2017 nebst 12 bis 14 Millionen Ertüchtigung des Marschwegs bis 2026 dürften sich bis zur Fertigstellung schnell auf mindestens 60 Millionen belaufen. Die EWE vertagte gerade ihr Bauvorhaben wegen galoppierender Kosten.

Vertragspartner der Stadt wäre eine Fußball-GmbH, die erst seit zwei Jahren besteht, aber auf eine 40-jährige Geschichte des Geldverbrennens der 1. Mannschaft zurückschaut. Nicht der VfB war und ist das Problem, stets nur „die Erste“. Seit Klaus Berster 1982 von Gerold Schellstede den kerngesunden Verein mit Millionengrundvermögen übernahm, wurde dieses Geld zum Nachteil aller Abteilungen des Vereins bis hin zur Insolvenz nur durch die 1. Mannschaft des Fußballs verprasst. (...)

Wenn Firmen expandieren wollen und auch noch im öffentlichen Interesse sich erweitern, dann kann man über Grundstück und Erschließung zum Schnäppchenpreis sicher reden. Die Betriebsstätte aber bauen Unternehmen in der Regel selbst und tragen damit das kaufmännische Risiko. Anders wären öffentliche Ausgaben auf Jahre/Jahrzehnte blockiert.

Andreas Hohls Neuenkruge

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„Stadt soll nicht allein bezahlen“: Grüne stellen klare Kriterien für Zustimmung zum Neubau auf

(...) Die Position der Oldenburger Grünen zum geplanten Stadionneubau ist mir völlig unverständlich. Selbst unter Klimaschutzaspekten bietet doch gerade die Verlagerung und Modernisierung des Stadions eine Vielzahl von Vorteilen: Ein Stadion in der Nähe des Hauptbahnhofs würde nicht nur von der gemeinsamen Verkehrs- und Parkplatz-Infrastruktur mit der Weser-Ems-Halle profitieren, sondern auch das übrige Stadtgebiet deutlich vom Fahrzeugverkehr und Lärm-Emissionen entlasten. Dabei ist es nahezu unerheblich, in welcher Liga der heimische VfB gerade spielt.

Hier lohnt sich der Blick über die Stadtgrenzen hinaus: In Hamburg etwa wird derzeit ein Neubau für Altona 93 (ein Oberligist!) geplant. Der Umzug auf ein früheres Industriegrundstück schafft dort nicht nur eine moderne Sportstätte direkt am neu entstehenden Bahnhof Altona, sondern ermöglicht an anderer Stelle attraktive Wohnbebauung und die Erschließung eines ganzen Stadtviertels.

(...) Andere haben es vorgemacht: Vergleichbare Städte wie Regensburg oder Ingolstadt zeigen die Wirksamkeit, die ein Neubau als städtische Investition für die Zukunft entfaltet. Dabei sollten Sport, Kultur und Soziales nicht gegeneinander ausgespielt werden: Als Oberzentrum im Nordwesten hat Oldenburg ein adäquates Stadion ebenso nötig wie ein attraktives Stadtmuseum oder ein Theater. Ausgerechnet die „Übermorgenstadt“ sollte sich hier nicht als Stadt der Bremser und Bedenkenträger präsentieren.

Dr. Henrik Eßler Hamburg

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Für Stadionbau zeichnet sich breite Mehrheit ab

Beim jüngste Auswärtsspiel in Meppen konnte man es wieder sehen: Wenn der VfB Oldenburg erfolgreich ist, kommen die Leute aus dem ganzen Oldenburger Land zu den Spielen. Über 1200 VfB-Fans unterstützten ihre Mannschaft im Emsland. Der Gästeparkplatz war rappelvoll mit Autos aus sämtlichen „Oldenburger“ Landkreisen: WST, FRI, BRA, OL, VEC, CLP. Auch nach 25 langen Jahren im Amateurbereich hat der VfB also nicht an Strahlkraft verloren.

Damit jedoch könnte es schon bald wieder vorbei sein. Denn wenn der Stadtrat sich gegen den Bau eines neuen Stadions entscheiden sollte, wird der DFB dem VfB die Lizenz für weitere Spielzeiten in der 3. Liga nicht mehr erteilen. Dem Verein würde damit jede Chance auf professionellen Fußball genommen werden. Oldenburg würde (wahrscheinlich für immer) von der überregionalen Fußballlandkarte verschwinden.

Dabei bietet das neue Stadion an der Maastrichter Straße alle Chancen: Es kann ein Vorzeigeobjekt in Sachen Klima- und Lärmschutz werden. Es wäre fußläufig von Bahnhof und ZOB zu erreichen. Man könnte Tagungsräume, eine Kita, eine Gaststätte uvm. integrieren. Gemeinsam mit den benachbarten Spielorten der Handballerinnen und Basketballer würde durch das Stadion ein prestigeträchtiger „Oldenburger Sportbogen“ in Donnerschwee entstehen. Und Menschen aus ganz Deutschland würden nicht nur zu den Spielen, sondern auch zum Essen, Trinken und Übernachten nach Oldenburg kommen und damit viel Geld in die Stadt bringen. (...)

Henning Menke Westerstede/Oldenburg

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Meiner Meinung nach benötigt die Stadt Oldenburg ein neues Stadion als Investition in die Zukunft! Als Vater von drei Söhnen (acht, sechs und vier) ist mir wichtig, dass die Stadt sich weiterentwickelt und in Zukunft eine attraktive und lebenswerte Perspektive bietet. Mir ist bewusst, dass wir über eine enorme Investitionssumme sprechen. Auf die Jahre gerechnet relativiert sich die Summe jedoch und die jährlichen Zahlungen können mit möglichen Mehreinnahmen ausgeglichen werden. (Es kommen mehr Besucher in die Stadt und ins Stadion!)

Unabhängig von den monetären Überlegungen sollte bedacht werden, dass ein neues Stadion die Möglichkeit beinhaltet, nachhaltig erstellt zu werden, den erhöhten Sicherheitsvorkehrungen entspricht und – am vorgesehen Standort – wesentlich mehr Zuschauer mit öffentlichen Verkehrsmitteln anreisen.

Des Weiteren ist Fußball die Sportart mit der höchsten Medienpräsenz. Allein in den letzten acht Monaten wurde der VfB fünfmal live im NDR gezeigt und sehr oft in der Sportschau (...). Eine bessere Werbung kann es für die Stadt Oldenburg gar nicht geben! (...)

Simon Horstjann Oldenburg

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(...) Sicherlich sind die Argumente für Wirtschaftlichkeit, Klimaneutralität,... wichtiger Teil in der Diskussion um einen Stadionneubau, aber, und hier spreche ich als 70-jähriger Fußballfan, für mich hat Fußball auch eine sozio-kulturelle, integrationsfördernde Größe in einer Stadt wie Oldenburg. Seit 2015 arbeite ich intensiv in der Beratung und Hilfestellung für Flüchtlinge. Ein guter Stein für eine Integration ist hier Sport, besonders Fußball. Hier sind sehr schnell Integrationsstrukturen geschaffen worden, die ohne das „Spiel“ wesentlich mehr Zeit benötigen würde (z.B. Spiele des VfB mit Flüchtlingen, Afrikacup, Rewis).

Ein weiteres positives Ergebnis war auch bei vielen „einheimischen“ Fans/Zuschauern/Spielern das Aufbrechen von Vorurteilen und Meinungen im Kontext zu Rassismus, Homophobie usw. Es war meistens für alle eine „entspannte Spannung“, egal ob als Akteur oder Zuschauer.

Jetzt kann man natürlich einwerfen, dies ginge doch auch auf jedem beliebigen Rasen.

Stimmt, aber lassen Sie mich dies mit einem anderen Kulturgut vergleichen, dem Theater: Auch Theater kann man auf einem freien Platz durchführen, wurde in Urzeiten auch gemacht (analog zum Fußball: die Mayas und ihre Ballspiele). Aber mit der Zeit schaffte man sich Räume, die ein besseres Zuschauen und den Akteuren eine „Bühne“ boten. Diese Räume entsprachen zunehmend den Vorstellungen der Zuschauer und gehören heute zu den imposantesten Gebäuden einer Stadt. (...)

Ronald Albrecht Oldenburg