„Man ist schnell bei 100 Millionen“

„Also den Zug für das Marschwegstadion“ hat die Politik doch längst verabschiedet. Dazu gab es nicht nur gute Bürgergründe, sondern auch logistische durch die Lage. Da gibt es kein zurück mehr. Und dennoch muss dort kräftig investiert werden. Das Versäumnis, hier nachzubessern, kommt erst jetzt zutage, weil man übergangsweise ein drittligataugliches Stadion braucht, bis ein Neubau fertiggestellt wird. Das dürfte circa drei bis vier Jahre dauern. Macht man das nicht, müsste ab nächster Saison jedes Heimspiel ausgelagert werden. Die Ausnahme für den Marschweg dürfte mit dieser Saison wohl endgültig beendet sein.(...)

Ein neues Stadion kann aus logistischer Sicht direkt am Bahnhof eigentlich nur ein „Sahnestück“ sein. Die Anwohner und die BI werden diese Argumente wohl kaum bremsen können, wenngleich sie aus ihrer Sicht gute Gründe haben. Klima, Nachhaltigkeit, Lärmschutz usw. mal ganz unberücksichtigt. Am Ende geht es um viel Geld. Insbesondere die Vereine profitieren von großen Beträgen für die Fernsehrechte.

Das System ist so perfekt, dass die Auflagen für die Stadien die Vereine und Kommunen in den „Würgegriff“ nehmen . „Friss Vogel oder stirb“ fällt dazu ein. Auch diese Frage müssen jetzt unsere Politiker/Parteien im Sinne ihrer Wähler beantworten. Sie entscheiden, ob Oldenburg die erste Stadt in Deutschland wird, die den Profifußball ablehnt („stirb“) oder ermöglicht („friss“ mit den folgenden „Futter- und Arztkosten“). (...)

Michael Köhler Oldenburg

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(...) Als gebürtiger Oldenburger, der zwar schon seit 1969 nicht mehr in Oldenburg lebt, sich der alten Heimatstadt aber weiterhin sehr verbunden fühlt, möchte ich einmal eine Sichtweise aus einer gewissen Distanz einbringen: Dass es in der Stadt Oldenburg kein Stadion gibt, das zeitgemäßen Ansprüchen und Vorschriften genügt, ist unbestreitbar. Oldenburg hat damit gegenüber nahezu allen Großstädten vergleichbarer Größe einen deutlichen Wettbewerbsnachteil. Das „Argument“, man könne das Problem durch eine Renovierung und einen Ausbau des Marschweg-Stadions lösen, ist schlichtweg falsch und – teilweise sogar wider besseres Wissen – vorgeschoben. Das Marschweg-Stadion befindet sich hinsichtlich der Verkehrsanbindung und infolge seiner Lage in einem hochwertigen Wohngebiet sowie der direkten Nachbarschaft zur Autobahn schlichtweg an einem in vielerlei Hinsicht ungeeigneten Ort. (...)

Das Marschweg-Stadion ist als Veranstaltungsort für professionellen oder auch nur höher angesiedelten Leistungssport inzwischen unbrauchbar und auch durch bauliche Maßnahmen hierfür nicht mehr aufrüstbar. Es wäre ein Gebot der Ehrlichkeit, auch und gerade von den Gegnern eines Stadion-Neubaus am – hierfür nachweislich gut geeigneten – Standort Maastrichter Straße, dies anzuerkennen.

Es ist sicherlich jedermanns gutes Recht, einen Stadion-Neubau (an der Maastrichter Straße oder anderswo in Oldenburg) abzulehnen. Nur sollten sich die Gegner eines neuen Stadions dann auch zu den Konsequenzen ihrer Haltung bekennen. Oldenburg würde auf absehbare Zeit keine heutigen Anforderungen entsprechende Freiluft-Sportstätte bekommen. Höherwertige Sportveranstaltungen wären dann, soweit es sich nicht um Hallensportarten handelt, in der „Sportstadt Oldenburg“ künftig nicht mehr durchführbar.(...)

Und ja, ein neues Stadion käme aktuell in erster Linie dem VfB Oldenburg zugute, der nun einmal seit Jahrzehnten der führende Fußballverein in Oldenburg ist und in der Stadt, wie auch im weiteren Umkreis, in Sachen Aufmerksamkeit und Zuschauerzuspruch geradezu ein Alleinstellungsmerkmal hat. (...)

Martin Kausler Wuppertal

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VfB vertraut auf gute Drainage am Marschweg

Es ist schön zu erleben, dass der VfB Oldenburg aktuell Gäste wie Dynamo Dresden mit mehr 2.000 Fans begrüßen kann, was es zuletzt im DFB-Pokal 2011 gegeben hat. Doch schon damals war die Freude getrübt, die Laufbahn musste erneuert werden. Diese war unbrauchbar geworden - befindet sich das Stadion doch auf einer ehemaligen Mülldeponie, sodass der Untergrund „arbeitet“. Mitunter sorgt dies dafür, dass die Gegengerade absackt. Bei einer weiteren Nutzung wäre ein Neubau unausweichlich, wobei fraglich ist, ob eine Baugenehmigung zu bekommen wäre.

Aktuell kommt gute Stimmung hier ohne Dach nur schwer auf. Auch wenn man bei Wind und Wetter seinem Verein die Treue hält: Spiele im Dauerregen wie gegen die SpVgg Bayreuth oder bei sengender Hitze machen nicht viele Fußballbegeisterte auf Dauer mit. Zumal es im Stehplatzbereich auch keine anständige Möglichkeit gibt, dem kleinen Geschäft nachzugehen. An der Haupttribüne gibt es halbwegs vernünftige sanitäre Einrichtungen, aber nass wird man hier bei Regen trotz des Daches. Da ist es kein Wunder, dass es den einen oder anderen in eine der beiden komfortablen EWE-Arenen zieht. Hier muss man auch nicht erst auf eine Drainage hoffen, damit die Spiele stattfinden können.

Wobei sich die Möglichkeit von Spielausfällen im Marschwegstadion lindern ließe – durch eine Rasenheizung. Diese ist aber ebenso wenig vorhanden wie eine digitale Anzeigetafel. Für schwerhörige Menschen, wie ich es bin, sind die Lautsprecher-Durchsagen nur schwer verständlich. Welche Spieler ausgewechselt wurden oder die Länge der Nachspielzeit bleiben für mich ein Geheimnis. Aber ich möchte nicht mit Menschen tauschen, die schlecht zu Fuß sind oder gar auf den Rollstuhl angewiesen sind. Zweitere müssen mit einem Podest vor der Haupttribüne Vorlieb nehmen und werden hier buchstäblich im Regen stehen gelassen.(...)

Christian Maaß Oldenburg

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Bürger-Informationsveranstaltungen zum Stadionneubau; Austausch vor wegweisender Entscheidung

Völlig unabhängig, wie man zum OB, zu Fußball, zu Profisport oder Stadionneubau-oder-nicht steht: Bei den Stadion-Infoveranstaltungen haben bei mir alle demokratischen Alarmglocken geschrillt. Eine vermeintlich neutrale und sachliche Infoveranstaltung hat sich am Mittwoch bereits nach 60 Sekunden in Luft aufgelöst, weil die voreingenommene Moderatorin einige Jungs der U13-Mannschaft interviewte. Die unterschwellige Nachricht: Wer gegen einen Neubau ist, sei gegen die Jugend und deren Sport. Während der „Diskussion“ wurde bei kritischen Stimmen darauf gepocht, dass stets Fragen gestellt werden.

Offensichtliche VfBler durften auch Statements – teils zwei direkt hintereinander – bringen und wurden nicht aufgehalten. Ein Herr aus dem Publikum, der dieses Ungleichgewicht thematisierte, wurde verstummt und es wurde vom einseitig besetzten Podium nicht geantwortet, sondern das Mikrofon direkt weitergegeben.

Geendet hat die traurige Veranstaltung mit einem vermutlich abgesprochenen, inszenierten und emotionalen Beitrag eines Profispielers, der sich ein „echtes Zuhause“ in Form eines Neubaus wünscht. Ich wollte mich als unwissende Bürgerin lediglich informieren und wurde von der Veranstaltung und Selbstinszenierung des OBs schwer enttäuscht.

Karin Bauer Oldenburg

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Die Stadt wird das neue Stadion und die daraus entstehenden jährlichen Kosten vollständig tragen bzw. „bezuschussen“, da alles in eine Stadionrealisierungs- und Betriebsgesellschaft ausgegliedert werden soll. Heißt aber auch in letzterem Fall, dass die Stadt sämtliche Kosten trägt. Die VfB Oldenburg Fußball GmbH, die ein reguläres Wirtschaftsunternehmen ist, wird finanziell nicht daran beteiligt, weil ein reines Vermieter-Mieter-Modell aufgezogen werden soll. Dann sollte der VfB aber auch, wie jeder andere Mieter in einem ordentlichen Mietverhältnis, eine kostendeckende Miete zahlen müssen.

Das ist nicht geplant: Bei Kosten von drei Millionen Euro (Zinsszenario 3,5%) soll der VfB bei Verbleib in der 3. Liga 360.000 Euro Miete pro Jahr zahlen, bei Rückkehr in die Regionalliga 140.000 Euro.

Erwähnenswert in diesem Zusammenhang ist, dass für den VfB beim Verbleib in der 3. Liga mit Erlösen von 2.650.000 Euro gerechnet wird. Und dann nur eine lächerliche Miete von 360.000 Euro, um in einem nagelneuen Stadion spielen zu dürfen?

Janina Blanke Oldenburg

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Die sogenannten Infoveranstaltungen zum Stadionneubau entpuppten sich als reine Werbeveranstaltung. Auf dem Podium saßen ausnahmslos Profiteure des Vorhabens, was eine objektive Information und Diskussion gar nicht erst möglich machte. Im Publikum saßen überwiegend VfB Fans. Den Fußballfans ist allerdings kein Vorwurf zu machen. Schließlich wurde ihnen das Stadion auf dem Silbertablett serviert. Wer würde da schon nein sagen.

Den Kopf schütteln muss man über den Oberbürgermeister und die Ratsmitglieder, die dem Stadion ihre Stimme geben werden. Dass in Zeiten von ökologischer Krise, dem Krieg in Europa und der damit verbundenen Energiekrise ein solches Projekt vorangetrieben wird, lässt jegliches Verantwortungsbewusstsein vermissen.

Der Nachwuchs und die künftigen Generationen, auf die in der Veranstaltung so oft verwiesen wurde, werden sich über existenziellere Fragen des Lebens Sorgen machen müssen, als über die Chancen des Profifußballs in Oldenburg.

Imke Janssen per E-Mail

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(...) Ich könnte heulen, wenn ich sehe, dass der VfB drei eigentliche Heimspiele gegen Abstiegskonkurrenten im 160 km entfernten Hannover austragen muss, weil das Marschwegstadion die DFB-Vorgaben nicht erfüllt. Neben dem sportlichen Heimvorteil werden dem VfB dadurch auch die bitter benötigten Einnahmen entzogen. Das kann doch wohl wirklich nicht sein!

Auch, dass der VfB, weil es der vertraglich an den DFB gebundene Magenta Sport verlangt, für ein provisorisches Flutlicht bei jedem Heimspiel ca. 40.000 Euro aufwenden muss, ist doch hanebüchen! Jetzt geht es um die Frage, ob Oldenburg ein neues und zeitgemäßes Stadion benötigt.

Der Verlauf der zu diesem Thema vom OB, Herrn Krogmann, einberufenen offenen Informationsveranstaltungen am 24. und 25. Januar hat doch eindeutig gezeigt, dass ein neues Stadion unabdingbar ist. Hier nochmals die Pro- und Contra-Argumente aufzuführen, würden den Rahmen eines Leserbriefes sprengen.

Wenn am 27. Februar der Rat der Stadt eine Grundsatzentscheidung zum Stadionneubau herbeiführen soll, hoffe ich, dass auch wirklich alle Aspekte – wie sportliche, stadtplanerische, stukturpolitische, ökonomische – gebührende Berücksichtigung finden. Man sollte sich auch ein Beispiel an der vergleichbaren Stadt Osnabrück oder dem wesentlich kleineren Meppen nehmen, wo Kommunen, Wirtschaft und die gesamte Region vorbehaltlos hinter „ihren Vereinen VfL und SVM“ stehen. Eifersüchteleien und Missgunst in derartigen Fragen gibt es da nicht! Da ist man froh, höherklassigen Fußball in der Region zu haben!

Ulrich Weiß Oldenburg

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Die Problemlage zum Stadion Neubau wird zunehmend deutlicher. Es scheint so, dass sich Oberbürgermeister Krogmann verschätzt hat, wenn er glaubte, es sei einfach, einen Neubau in der Stadt durchzusetzen. Die einseitige Besetzung des Podiums für die Veranstaltungen er Stadt am vergangenen Dienstag und Mittwoch deutete eher auf eine Verunsicherung seinerseits hin. (...)

Die Kosten für ein Stadion Neubau sind augenblicklich unkalkulierbar, Fachleute sprechen von einer Summe zwischen 60 und 80 Millionen Euro. Die Diskussion darüber dürfte auch die nächsten Jahre noch anhalten und wird auch die nächste Kommunalwahl noch stark beeinflussen.

(...) In Städten wie Oldenburg sollen die Bürgerinnen und Bürger dann in den kommunalen Kassen das Geld für ein dem DFB gefallenes Stadion zusammenkratzen? Als Lohn gibt es dann das Etikett „... spielt in der 3. Bundesliga mit”! Nutzen wird das niemandem, vielmehr werden soziale Aufgaben vernachlässigt: Pflegeschule, Kindergärten, Schulen, Sportvereine uvm.

Eine Frage muss sich der Oberbürgermeister dann wirklich gefallen lassen: Ist er wirklich der Vertreter der Bürgerinnen und Bürger oder vertritt er einseitig nur die Interessen des DFB und des VfB?

Wilhelm Arndt per E-Mail