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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Lokalsport

Oldenburger „Matjesmädels“ meistern Mammut-Tour

05.07.2016

Oldenburg Immer ’ne Handbreit Öl unter der Achse? Von wegen! Ihr 24 Jahre alter Volvo 940 GL hat die beiden Freundinnen Sina Jahnke (24, aus Metjendorf) und Michaela Kurz (26, studiert in Oldenburg) nahezu störungsfrei einmal rund um die Ostsee chauffiert. Bei der rund zweiwöchigen „Baltic Sea Circle Rallye“ (NWZ berichtete) gelangten sie am Sonntag wohlbehalten ins Ziel.

7800 Kilometer. 16 Tage, 15 Nächte. Zehn Länder. Zu zweit. In einem gemeinsamen Auto. Das kann schön sein, muss es aber nicht. Sina Jahnke (24, aus Metjendorf, drei Jahre Studium in Oldenburg) und Michaela Kurz (26, studiert in Oldenburg) – die sich extra für die Tour den niedlichen Kampfnamen „Matjesmädels“ gaben – haben’s getan. Und das schmerzfrei. Denn erstens hatten sie ein Ziel (einmal Hamburg hin und zurück), zweitens waren sie für den guten Zweck unterwegs, und drittens sind sie einander und die Eigenheiten der anderen schon gewöhnt. Man kennt sich schließlich schon seit vielen Jahren, hatte zudem eine Intensivvorbereitung (vier Tage Mallorca) erfolgreich absolviert. Und: „Man hat da ja auch keine andere Wahl.“

Autobahn-Joker gezogen

Schweden, Norwegen, Finnland, Russland, Polen – das ist nur eine Hälfte all ihrer Stationen. Die beiden jungen Frauen haben so viel gesehen und trotzdem nur 650 Fotos gemacht. Von sich selbst und von ihrem „Auto, das dann vor irgendetwas steht“, wie Teamchefin Sina nach der Rückkehr sagt. „Das kommt einem während des Fotografierens total toll vor – aber bei der anschließenden Durchsicht wirkt das dann irgendwie komisch ... und erst jetzt merken wir, welche Kombinationen auf den Fotos auch fehlen.“

Ganz egal. Die Erinnerungen – ob fotografischer Art oder im Gedächtnis – kann ihnen niemand mehr nehmen. Und die Urkunde auch nicht. „Master of adventure“ steht auf dem Zertifikat, das Sie zum Abschluss ihrer Tour erhalten haben. Meister der Abenteuer? Das klingt doch gar nicht so schlecht.

Zumal es im rund 200-motorigen Feld lediglich zwei Mädelsteams gab. Und vor allem Sina und Michaela zeigten es der Rallye-Konkurrenz: 7800 Kilometer haben sie gemacht – weniger, als das Gros. Um genau zu sein, „waren wir die einzigen, die unter 8000 Kilometern geblieben sind“, sagt Sina. Woran das gelegen haben mag? Darüber können sie nur spekulieren. Von ihren drei Autobahn-Jokern haben sie nur zwei genutzt – die aber offenbar richtig. Und nur ein einziges Mal haben sie eine Internet-Karte auf dem Handy aktiviert, kurz vor St. Petersburg. „Aber nicht, um uns navigieren zu lassen“, so Sina, „nur um zu gucken!“

Denn Autobahnen und Navigationsgeräte waren bei diese Rallye mit mindestens 20 Jahre alten Fahrzeugen tabu. „Und da hier alles auf Ehrlichkeit beruht, wollten wir auch nicht schummeln.“

Es ging ja auch nicht ums Tempo, sondern ums Ankommen – und ums Spendensammeln. Beides haben sie mit Bravour gemeistert. Am Sonntag kamen sie wie geplant in Hamburg (dort startete 16 Tage zuvor die Tour an den Landungsbrücken) an. Das war Sponsoren und Unterstützern bis heute 1130 Euro wert. Geld, das vollumfänglich an die Oldenburger Elterninitiative krebskranker Kinder geht.

Ihren Pflichtanteil – über 350 Euro „Zwangsspende“ gehen derweil an einen anderen guten Zweck – hatten sie schon vorher geleistet. „Das war uns wichtig“, sagt Sina mit heiserer Stimme. Angeschlagen wirkt sie, dabei hat sie den schlimmsten Part ihrer Erkältung doch schon hinter sich. „Michaela hatte die ersten sieben Tage unserer Tour mit Husten und Schlappheit zu kämpfen, dann war ich dran und hatte zwischenzeitlich auch keine Stimme mehr.“

Im Auto hatten sie, wider früherer Planungen, dann doch nicht geschlafen. Sina war „Luftmatratzenbeauftragte“, geschlafen wurde im Zelt oder auch mal in befremdlichen Unterkünften hier wie dort. Ein Randaspekt, bei all den „bemerkenswerten Sehenswürdigkeiten“, wie sie resümiert. Blutkirche in St. Petersburg, Rummu See in Estland, Berg der Kreuze in Litauen, seekrank auf den Lofoten, Übernachten auf einer Landzunge bei Kandalakscha. Und so weiter und so fort.

Dass ihr Fahrzeug mit immerhin 250.000 Kilometern auf dem Tacho diese Tour ohne größere Blessuren gemeistert hat, ist schon unglaublich genug. Gerade auf den abenteuerlichen schwedischen Straßen. Aber nun, dafür war man ja auch in einem bulligen Schweden unterwegs. Der scheint für diese Pflaster gebaut worden zu sein.

Fieber entfacht

Ein einziges Mal blieben sie liegen – bergauf in Norwegen. Dreimal musste auf den folgenden 15 Kilometern überbrückt werden, und das wurde es auch – der Fahrzeugkolonne sei Dank. Na gut, am Nordkap hatten sie vergessen, das Licht auszustellen – Aber das war es dann auch schon.“

Allen Unwegsamkeiten zum Trotze: Diese Tour hat das „Fieber entfacht“, wie Sina sagt. Eine Fortsetzung sei nicht ausgeschlossen. „Jetzt müssen wir aber erst einmal alle Eindrücke verarbeiten.“ Und die 650 Fotos sortieren.

Übrigens: Die „Matjesmädels“ mögen tatsächlich gar keinen rohen Fisch. Trotzdem machten Name, Mädels und Fahrzeug – in weiß und pink – deutlich mehr Eindruck als „Roadkiller“, „Kommando Heinz Schenk“ oder „Pfälzer Saumagen“, wie die Mitfahrenden hießen. Woran das auch immer liegen mag...

Marc Geschonke Redakteur / Redaktion Oldenburg
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