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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Lokalsport

Auf drei Rädern zum König von Mallorca

23.05.2017

Oldenburg Was für eine Schnapsidee. Dabei trinkt Alexander Post gar keinen Alkohol. Aber seine Freunde neckten ihn in feuchtfröhlicher Stimmung während eines Mallorca-Urlaubs. Zu Hause fahre er schön umweltfreundlich durch die Gegend, aber im Sommer nehme er das Flugzeug ans Mittelmeer, meinten sie. Er könne doch mal mit seinem komischen Elektrogefährt nach Südeuropa fahren, witzelten sie. Ja, warum eigentlich nicht?

2500 Kilometer von Oldenburg bis zur Fähre in Richtung Balearen – dass Alexander Post auf so einen Vorschlag eingeht, hat allerdings weniger mit einer Laune zu tun. „Ich möchte wieder Luft kriegen können“, sagt der 42-Jährige. Dieser Satz passt auf vielfache Weise in sein Leben: Vor neun Wochen hat er aufgehört zu rauchen. Vor sieben Monaten trennte er sich von seinem Handy, um nicht permanent erreichbar zu sein. Und im Juli folgt der große Schritt mit dem vorläufigen Ausstieg aus einem Leben, das ihm zuletzt wie eine Last auf den Schultern lag. Die Reise verbindet Post mit einer mindestens sechs Monate währenden Auszeit.

Elend lange Arbeitstage als Veranstaltungstechniker mit wenig Schlaf, dazu Ärgernisse des Alltags – Post gibt zu, dass es viele Dinge gibt, vor denen er auch ein wenig fliehen möchte. Nicht vor allen: Seine beiden Töchter sollen weiterhin den Unterhalt bekommen, der ihnen zusteht. Dafür arbeitet und spart er derzeit, schränkt seine eigenen Ausgaben so weit wie möglich ein.

Ansonsten kappt Post seinen Leinen in Oldenburg. Aufträge nimmt er ab Juli nicht mehr an, seine Wohnung gibt er auf. Es ist noch nicht einmal klar, ob er an die Hunte zurückkehrt oder als Auswanderer sein Glück am Mittelmeer findet. Sein vorerst letzter Arbeitseinsatz in Oldenburg wird der Kultursommer sein. Am 9. Juli, dem letzten Tag des Sommerevents, möchte er sich von der Bühne auf dem Schlossplatz aus verabschieden und dann Richtung Süden abfahren.

Dass Post nicht nur dann, sondern auch während seiner Reise im Blickpunkt stehen wird, dafür sorgt sein ungewöhnliches Gefährt. Der Sinclair C5 ist ein in den 80ern hergestelltes dreirädriges Elektrofahrzeug, das rein rechtlich als Fahrrad gilt. Neben dem Antrieb über eine Batterie kann der Fahrer zum Vorwärtskommen zusätzlich in die Pedale treten. Tempo 25 ist das erlaubte Maximum.

In Oldenburg ist der 42-Jährige damit dauernd unterwegs, einen Führschein hat er gar nicht. Allerdings fährt er derzeit nicht sein eigenes Modell, sondern hat mit einem Freund getauscht. Dieser ist gerade dabei, Posts Sinclair für die große Reise fit zu machen. „Er bekommt stärkere Akkus, Blinker und Bremslichter“, erzählt Post. 100 Kilometer pro Tag sollen dann möglich sein. Außerdem tüftelt der Freund in Bad Eilsen an einem Anhänger aus einer Dachskibox, die er zu einem Miniwohnwagen umbaut.

Das wird Posts Domizil sein für die Reise – wenn er nicht unterwegs von netten Menschen aufgenommen wird. Denn über Facebook, wo er schon länger von seinen Plänen berichtet, haben ihn bereits etliche Leute angeschrieben und Einladungen zum Übernachten und Akkuaufladen ausgesprochen. „Die Fahrt wird auch ein großer Test, ob die Menschen wirklich so offen sind, wie sie sich im Internet geben.“

Eine Einladung hat Post ganz persönlich entgegengenommen: Am Rande des Schlagercountdowns in der Weser-Ems-Halle im März traf er auf Jürgen Drews, der sich ganz begeistert vom Sinclair zeigte und gleich zur Probe saß. Der selbst ernannte König von Mallorca versprach dem Oldenburger eine freie Mahlzeit in seinem Bistro, sollte er es mit dem Elektrogefährt tatsächlich bis auf die Mittelmeerinsel schaffen. Zwar ist Post kein großer Fan der Ballermann-Szene. Ein solches Angebot wollte er allerdings nicht ausschlagen.

Ein Mann, ein Wort – darauf verlässt sich Post bei dieser Geste. Dabei ist er in diesen Dingen schon häufiger enttäuscht worden. Unter anderem, als er auf sein erstes Sinclair bot und der Verkäufer ihm den Zuschlag in die Hand versprach. Am nächsten Tag ging das Dreirad plötzlich an einen Käufer, der mehr Geld zahlte. In Anlehnung an diese und andere Widrigkeiten, denen Post den Rücken kehren will, hat er seinem Sinclair einen besonderen Namen gegeben: die Retour-Kutsche.


  Ein Video finden Sie unter   www.nwzonline.de/videos 

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