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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Lokalsport

Charlotte und Lotte sind ein tolles Team

02.03.2019

Bümmerstede Erst gerade ist Charlotte (21) aus dem Auto ihrer Mutter ausgestiegen, schon spurtet sie los. Mit offenen Armen läuft sie in den Stall hinein, umarmt herzlich Andreas Hunger und wendet sich dann sofort ihrer neuen Freundin zu. Die heißt so ähnlich wie sie selbst – nämlich Lotte – und ist eine seelenruhige Norwegerpony-Dame. 12 Jahre alt, cremefarben, mit vorwitziger zweifarbiger Mähne und großen treuen Augen.

Seit Oktober treffen sich Charlotte und Lotte einmal wöchentlich. Denn da zog Lotte ein in die Reit- und Fahrschule Oldenburg (RFO) in Bümmerstede.

Viele Kriterien

Lotte zu finden, war alles andere als einfach, denn die Ansprüche an das neue Therapiepferd des Vereins waren klar festgelegt: „Wir haben sehr kleine Ponys und dann Großpferde. Wir suchten ein Pferdchen mit mittlerer Größe“, beschreibt die Pferdewirtin Meike Huntemann, die bei der RFO angestellt ist. Da das neue Mitglied vor allem für Menschen mit Beeinträchtigungen eingesetzt werden sollte, war auch klar: „Brav, ruhig, gelassen, entspannt musste es sein. Überzogen formuliert, muss neben einem Therapiepferd eine Bombe explodieren können, ohne dass es sich aufregt“, begründet Dr. Beate Hunger, die gemeinsam mit ihrem Mann den Hof an der Bümmersteder Straße bewirtschaftet, wieso es so lange gedauert hat, ein passendes Tier zu finden.

Lange Suche nach Lotte

Wieso Hippotherapie?

Das therapeutische Reiten setzt sich aus drei Teilbereichen zusammen: Hippotherapie, heilpädagogische Förderung und ergotherapeutische Behandlung mit Pferd. Allen Therapieformen ist eines gemein: sie ermöglichen Menschen mit Handicap das Reiten und den Kontakt zum Pferd.

Die Therapie fördert nicht nur Motorik, Balance oder Beweglichkeit, sondern stärkt auch das Selbstbewusstsein und unterstützt den Erwerb sozialer Kompetenzen. Die Pferde können beim Reiten die Beine, die Augen oder die Kraft eines Menschen ersetzen.

Rund ein Jahr hat Andreas Hunger das Internet durchforstet, ist viele Kilometer quer durch Deutschland gefahren, „aber das Richtige war einfach nie dabei“, erzählt er. Doch dann kam Lotte. „Die Beschreibung schien perfekt für uns zu passen“, weiß Andreas Hunger noch. Bei Lotte stimmte alles. „Sie ist nicht nur superartig, sondern lässt sich auch noch nett reiten, ist hübsch und unglaublich süß“, sagt Meike Huntemann und streichelt der zwölfjährigen Ponydame über die weiche Nase. Auch Beate Hunger sagt eindeutig: „Lotte ist ein Glücksgriff.“ Die Stute ist die Ruhe in Person ... äh, in Pferd. Eingesetzt wird sie nicht nur für therapeutische Zwecke, sondern auch fürs Voltigieren und Gruppenreitstunden. All das meistert Lotte besonnen: „Wir haben eine spezielle Aufstiegshilfe für Menschen, die nicht alleine hochkommen. Das ist ein riesiges, wuchtiges Gerät und es muss nah ran ans Pferd. Lotte hat nicht mal mit der Wimper gezuckt“, ist Beate Hunger sehr stolz.

Ponys machen glücklich

Die speziellen Reiteinheiten können alle in Anspruch nehmen, sie müssen jedoch meist privat bezahlt werden. Die Krankenkassen unterstützen sie in der Regel nicht, da der therapeutische Nutzen nicht nachgewiesen sei.

Charlotte und ihre Mutter sehen das anders. Charlotte hat Down-Syndrom, das Reiten tut ihrem Körper, aber vor allem ihrer Seele gut. „Das sieht doch jeder, der die beiden beobachtet“, beschreibt Martina Ahlrichs. „Meine Tochter reitet seit ihrem fünften Lebensjahr. Jede Woche freut sie sich riesig, in den Stall zu fahren. Unsere Krankengymnastin ist immer ganz begeistert, wie gut ihre Muskulatur ist.“

Reiten gut fürs Selbstbewusstsein

Doch das sei nur ein netter Nebeneffekt. Das, was wirklich zähle, sei die Verbindung zwischen Mensch und Tier: „Sie sitzt immer direkt auf dem Pferderücken, spürt die Bewegung, die Wärme und die Freundschaft des Tieres“, ergänzt Martina Ahlrichs. Außerdem sei das Reiten gut für das Selbstbewusstsein. Kinder, Jugendliche und auch Erwachsene mit Handicap spürten, dass dieses große Tier mit ihnen zusammenarbeiten möchte, dass es ihnen zeigt: „Du schaffst das, trau dich!“

Lottes Ohren sind gespitzt, freundlich schaut sie zu, wie Charlotte sich vorbereitet. Huntemann wirft ihr den Longiergurt über den Rücken, Charlotte tätschelt ihr den Hals, redet liebevoll auf sie ein. „Lotte macht uns wirklich sehr glücklich. Sie ist eine Heldin“, sagt Meike Huntemann und lächelt. Reitschülerin Charlotte bestätigt das mit einem eifrigen Nicken.

Freundin kommt mit

Und weil ihr das so gut gefällt, hat sie inzwischen auch ihre Freundin Jasmin überzeugt, die ebenso Downsyndrom hat. Die 19-Jährige kommt nun seit zwei Monaten gemeinsam mit Charlotte in die RFO: „Für mich ist das richtig schön hierherzukommen“, sagt sie und wartet freudig darauf, dass sie als Nächste dran ist. Andreas Hunger hat ihr nämlich einen kleinen Ausritt versprochen bei dem frühlingshaften Wetter.

Nicht nur für die Reitschülerinnen ist der Besuch wohltuend, auch Charlottes Mama genießt diesen wöchentlichen Termin. „Alle hier sind herzlich, ich muss mich niemandem erklären, alle nehmen meine Tochter, wie sie ist. Hier wird Inklusion gelebt, nicht nur davon geredet.“


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Imke Harms Volontärin, 3. Ausbildungsjahr / NWZ-Redaktion
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