• Jobs
  • Immo
  • Auto
  • Markt
  • Trauer
  • Hochzeit
  • Guide
  • Shop
  • Events
  • Tickets
  • nordbuzz
  • FuPa
  • Werben
  • Kontakt
NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Lokalsport

Die Welt spricht  Fußball

11.01.2014

Oldenburg Wenn er lächelt, gewinnt er. Mit wippendem Gang bewegt sich Andrew Uwe über den Fußballplatz, beim Training mit den B-Junioren des JFV Nordwest hat er immer einen lockeren Spruch parat. „Fußball ohne Spaß“, sagt der 1,94-Meter-Hüne, „geht nicht“.

Neben guter Laune sind dem 46-Jährigen auch Disziplin und Respekt wichtig – beides vermittelt er als Co-Trainer der U 17 den Oldenburger Nachwuchsfußballern. „Das hat mir schon mein Vater beigebracht.“ Diese Tugenden – gepaart mit Talent, Ehrgeiz und Kampfgeist – haben dem Nigerianer zu einer weltweiten Karriere verholfen: Als Profi hat er in Südkorea, Australien, Portugal, Belgien, den Niederlanden und in den USA gekickt. 97-mal stand er für die Auswahlmannschaften der „Super Eagles“ auf dem Feld, sein Debüt feierte er bereits mit 16. Sein deutscher Trainer Manfred Hoener hat ihm taktische Disziplin eingebläut: „Er sagte mir, dass ich den gegnerischen Zehner bis auf die Toilette verfolgen soll.“

Die Defensivarbeit verrichtete er so gut, dass er bis 1991 im Nationalteam blieb. „Herausragend“ war die Olympia-Teilnahme 1988 in Seoul – „meine aufregendste Zeit als Fußballer“.

Uwes Weltsprache ist Fußball: „Fußball verbindet. Von Europa bis Lateinamerika, von Asien bis Afrika – alle sind verrückt nach diesem Spiel.“

In Deutschland stand er zweimal für den VfB Oldenburg unter Vertrag – von 1995 bis 1998 und in der Saison 2000/01 – und hinterließ bleibenden Eindruck: Bei den Fans der Blauen genießt er nach wie vor Kultstatus. Nach einem Intermezzo beim SV Wehen hatte Uwe im Sommer 1995 schon ein Probetraining bei Mainz 05 absolviert, als ihn ein Berater nach Oldenburg lotste. An der Hunte fühlte sich der Abwehrspieler auf Anhieb wohl: „Nette Leute, schöne Stadt.“ Mit Uwe stieg der VfB 1996 in die 2. Liga auf: „Wir hatten nicht die beste Mannschaft, aber den besten Teamgeist“, erinnert sich Uwe. Weil einige Neuzugänge charakterlich nicht passten, ging es postwendend zurück in die Regionalliga. Uwe blieb noch ein weiteres Jahr, um dann nach Ahlen zu wechseln. 2000 kehrte er für eine Saison nach Oldenburg zurück, ehe er seine Karriere in Houston ausklingen ließ.

Bis 2010 hat er in Houston und Dallas Collegeteams gecoacht. Doch wegen des geringeren Stellenwertes, den der Fußball in den USA einnimmt, zog es ihn zum dritten Mal nach Oldenburg – zu seinem Kumpel Timo Ehle. Der vermittelte ihm einen Trainerjob im Jugendleistungszentrum des VfB.

Zusammen mit seiner zweiten Frau Anne, die er im selben Jahr in Dänemark geheiratet hat, und dem gemeinsamen Sohn Austin (4) hat er in Oldenburg sein Glück gefunden. Der in der Zehn-Millionen-Einwohner-Metropole Lagos geborene Afrikaner schätzt vor allem „die Ruhe“ und die Offenheit der Menschen. Diskriminiert gefühlt hat er sich nie – bis auf eine Ausnahme: Als er einem Mann, der mit dem Fahrrad gestürzt war, zu Hilfe kam und den Rettungswagen rief, wollte dieser „dem Schwarzen“ danken. „Ich habe als Mensch geholfen“, betont Uwe, „die Hautfarbe spielt keine Rolle.“ Erst recht nicht auf dem Fußballplatz. Nur einmal habe er sich einen bösen Spruch anhören müssen – ausgerechnet von Oliver Kahn, 1998 im DFB-Pokal mit Ahlen gegen die Bayern. Andrew Uwe hat das dem Ex-Nationaltorwart nachgesehen.

Eine Rückkehr in sein Heimatland kann sich der 46-Jährige dank seiner guten Kontakte perspektivisch vorstellen. Ex-Nationalteamkollege Stephen Keshi coacht die A-Mannschaft. Doch vorerst gilt sein Augenmerk der Familie, den Nachwuchsfußballern in Oldenburg und der Börse: Denn nebenbei betreibt Uwe Aktienhandel. Er lächelt – und macht Gewinn.


Ein Spezial unter   www.nwzonline.de/integration-oldenburg 

Weitere Nachrichten:

VfB Oldenburg | JFV Nordwest | Mainz 05 | Austin | DFB