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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Lokalsport

„Ich war talentiert – der Rest wurde zurechtgespritzt“

11.12.2013
NWZonline.de NWZonline 2015-07-22T20:06:08Z 280 158

Doping:
„Ich war talentiert – der Rest wurde zurechtgespritzt“

Oldenburg Tief beeindruckt zeigten sich die an der Hauptausschuss-Sitzung des Stadtsportbundes Oldenburg teilnehmenden Delegierten der Oldenburger Sportvereine und Fachverbände von den Ausführungen der Olympia-Teilnehmerin Dagmar Kersten (43). Das anerkannte DDR-Dopingopfer schilderte in einem Referat mit dem Titel „Die Kehrseite der Medaille“ den schmerzvollen Weg zum Gewinn von Silber und Bronze bei Olympia 1988 in Seoul.

Als Zehnjährige gewann Kersten („Damit begann meine Doping-Karriere“) erstmals bei der DDR-Spartakiade und wechselte kurz darauf in das Internat des SC Dynamo Berlin. Mit gerade 15 Jahren gewann sie bei ihrer ersten WM 1985 gleich vier Medaillen. Bei Olympia 1988 war sie mit Silber und Bronze die erfolgreichste Turnerin der Republik. Erich Honecker ehrte sie dafür mit dem Vaterländischen Verdienstorden.

Doch die Zeit im Berliner Sportforum war für Kersten ein ständiger Kampf mit Verletzungen. Mit erlaubten und insbesondere unerlaubten Mitteln („Dynamo hatte eine eigene Apotheke“) wurde stets an der Wiederherstellung ihrer Wettkampffähigkeit gearbeitet. „Ich war sehr beweglich, ich war sehr talentiert – der Rest wurde zurechtgespritzt“, sagt sie heute. Auch Handgreiflichkeiten und seelische Misshandlungen wirft sie den DDR-Trainern vor.

Als bei der 15-Jährigen eine Schädigung der Wirbelsäule festgestellt wurde, stufte man sie zwischenzeitlich als leistungssportuntauglich ein. Als Therapie wurde eine Gipsschale verordnet und die Verabreichung des sogenannten Stoffwechselschemas nach Kaiser – ein in Wahrheit verbotener Drogen-Mix.

Verabreicht wurden Dopingmittel verschiedenster Form, ohne dass die jungen Nachwuchstalente über Wirkstoffe oder mögliche Folgen aufgeklärt worden seien. „Wir haben den Trainern vertraut – Widerrede wurde sowieso nicht geduldet“, so Kersten. Bestand die Gefahr von Doping-Kontrollen, wurden die Athletinnen für verletzt oder außer Form erklärt. Die Einnahme von Abführmitteln war regelmäßige Praxis. „Wenn man täglich vom Trainer zu hören bekommt, man sei ein fettes Schwein, dann glaubt man das selbst irgendwann“, erzählt Kersten.

Heute arbeitet die 43-Jährige als Referentin im Turnen und als Trainerin einer Showakrobatikgruppe. Zudem ist sie nach einer umfassenden Ausbildung als Pädagogin für traditionelle Kampfkunst in Vereinen und Schulen tätig. Ihre Erfahrungen kommen ihr zugute, sie macht vieles anders als in ihrer aktiven Zeit. Ihr Konzept setze nicht auf Sieg, sondern bei ihr stehe die persönliche Entwicklung der Kinder und Jugendlichen im Mittelpunkt.

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