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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Lokalsport

Jüdische Sportler zum Vereinsaustritt gezwungen

23.10.2014

Oldenburg Wenn ein Historiker unter einer Stunde über sein Fachgebiet spricht, will das schon etwas heißen: Das Schicksal jüdischer Sportler in Oldenburg thematisierte Professor Dr. Lorenz Peiffer am Dienstagabend im Schlauen Haus. Er hätte sicher gerne viel mehr erzählt – wenn die Aufzeichnungen darüber aus der Zeit der Nationalsozialisten nicht so dünn gesät wären.

Archive habe er „umgegraben“, so der Sporthistoriker von der Uni Hannover, doch es sei kaum etwas zu finden. Unterlagen bei den Sportvereinen seien vielfach vernichtet worden. „Eine einfache Möglichkeit, seine Vergangenheit zu entsorgen.“ Zudem sei die Aufarbeitung dieses Zeitabschnitts nur in wenigen Fällen geschehen. In den Chroniken und Festschriften der Vereine klaffe meist ein großes Loch. „1933 wird es dunkel, ab 1945 wird es wieder hell“, erklärte Peiffer.

Eingeladen hatte den Experten der Verein „VfB für alle“. Die Initiative von Fans des VfB Oldenburg integrierte den Vortrag in das Programm ihrer Antirassistischen Wochen. Leider waren die Reihen der Zuhörer bei Weitem nicht so geschlossen wie auf der Tribüne. Nur knapp 30 Zuhörer verfolgten die Ausführungen des Gastes.

Peiffer hatte aus bruchstückhaften Informationen, Zeitungsartikeln und Briefen Informationen über jüdische Sportler in Oldenburg zusammengesucht. Zum Beispiel über Leonard Hirschtick, einem Gründungsmitglied von Germania Oldenburg, einem Vorgängerverein des heutigen VfB. 1922 hatte er noch die Ehrennadel des Vereins erhalten. Später wurde sein Ausschluss gefordert. Sein weiteres Schicksal ist ungewiss.

Peiffer berichtete auch von der Familie de Beer, deren Mitglieder in verschiedenen Sportvereinen der Stadt aktiv waren. Charlotte de Beer zum Beispiel war in Vorbereitung auf das Deutsche Turnfest 1933. „Dann haben wir den blauen Brief gekriegt“, so eines ihrer Zitate. Im Zuge der Arisierung wurden jüdische Mitglieder zum Austritt aus den Vereinen gezwungen.

In eigenen Vereinen konnten die jüdischen Bürger noch einige Jahre weiter Sport treiben. Bei der Sportgruppe Schild Oldenburg und bei Makkabi Oldenburg organisierte man sich neu. Allerdings unter widrigen Umständen: Sportstätten, Wettkampfstrukturen oder einfach nur starke Gegner fehlten. Peiffer hat nur wenige Details über diese Oldenburger Vereine gefunden. Aber ein Foto zeigt, dass der Sport immerhin noch Freude machte. „Es war für die Mitglieder eine Bestätigung ihrer selbst.“

Viele dunkle Flecken gibt es noch aus dieser Zeit. Einfach werde es den Forschern nicht gemacht, so Peiffer. „Es gibt wenig Bereitschaft der meisten Vereine, Geld in die Hand zu nehmen.“ Dicke Bretter müsse man bohren, wenn man bei Verbänden und Vereinen um Unterstützung für Projekte werbe.

Eine Tatsache, die den Historiker sehr enttäuscht. „Das sind beschämende Erfahrungen.“

Patrick Buck Redakteur / Redaktion Oldenburg
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