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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Lokalsport

Nicht ist unmöglich im Club der Tüftler

11.01.2014
NWZonline.de NWZonline 2015-07-21T09:37:39Z 280 158

Erfindungen:
Nichts ist unmöglich im Club der Tüftler

Oldenburg „Piep“, macht der Scanner. „Küchenwaage, gehört in den Technikraum“, antwortet der Computer. „Alles klar“, murmelt Patrick Günther, klemmt das Messgerät unter den Arm, quetscht sich an einer Schaumstoffstehlampe, zwei Elefantenrüsseln aus Plastik und einem flackernden LED-Leuchtwürfel vorbei in Richtung Technikraum.

„Braucht alles seine Ordnung“, sagt er, „sonst finden wir hier nix wieder“. Das Inventarsystem des Vereins „Kreativität trifft Technik“ ist gleich nach der Gründung vor dreieinhalb Jahren entstanden. Der 36-Jährige ist einer der drei Vorsitzenden des Tüftlerclubs in der Raiffeisenstraße, in dem sich Wissenschaft, Informatik, Schöngeist, Schüler und Rentner, Studenten und Anwälte treffen. Auf über 200 Quadratmetern stapeln sich selbst gebastelte Kuriositäten aus Gummi, Holz, Leder, Stoff und Styropor. Ein organisiertes Chaos: Das Meiste, was zwischen Nähwerkstatt, Drehbank, Fräsemaschine und 3D-Drucker herumliegt, ist mit Barcodes versehen, die der Scanner am Computer im vollgestellten Flur erkennt und seinem Standort zuordnen kann – das gleiche Prinzip, wie an der Supermarktkasse. „Bei den ganzen Leuten, die hier ein- und ausgehen, ist das nötig“, sagt Patrick. 100 Mitglieder hat der Verein inzwischen, dazu kommen Spontanbesucher und Workshopteilnehmer.

Paradies für Elektroniker

„Platzt auch bald aus allen Nähten“, sagt der Oldenburger, zieht den Bauch ein, um zwei Jungs mit E-Gitarre vorbei zu lassen und macht die Tür zum Technikraum auf. Hier wird an allem geschraubt und gedreht, wo Strom durchfließt: Systeme zum Energiesparen werden genauso entwickelt wie Handy-Halterungen fürs Fahrrad oder „Spielzeug“, wie Günther sagt. Er greift nach einem daumengroßen Plastik-Raumschiff.

Auf dem Tisch türmen sich Kabel, Drähte, Schraubenzieher und Lötkolben – ein Paradies für Elektroniker und Informatiker. „Nerds“, sagt Patrick – „aber solche mit Freunden.“ Wer an einem der sieben Öffnungstage hierherkommt, will nicht autistisch vor sich rumwerkeln, sondern sein Wissen teilen – und das Werkzeug: „Unser Lasercutter hat mehrere tausend Euro gekostet, das kann sich kein Mensch alleine leisten – und in ’ne Studentenbude passt der auch nicht“, sagt Günther.

WG-Atmosphäre

Die Universal-Schneidemaschine haben sich die Vereinsmitglieder vor einem Jahr gegönnt, zu den anderen Schätzen gehört ein Textildrucker und – ganz wichtig – die Küche: „Wir bestellen nicht nur Pizza, sondern kochen zusammen Chicken-Tandoori“, sagt der freiberufliche Informatiker. Überhaupt käme hier keiner bloß zum Basteln hin. Im gemeinsamen Wohnzimmer stehen Rechner, aber auch Gummibärchentüten und Colaflaschen lagern neben abgewetzten Polstermöbeln mit Chipskrümeln und lassen WG-Atmosphäre aufkommen. „Hier wird gechillt“, sagt Patrick Günther.

Alles ist möglich

„18 Uhr bis Mitternacht ist hier am meisten los. Manchmal gibt der Letzte dem Ersten die Schlüssel in die Hand“, sagt Günther. Wenn er nicht hier ist oder sein Geld als Informatiker und Softwareentwickler verdient, geht er schwimmen, fährt Rad oder trainiert ehrenamtlich Kinder auf dem Sportplatz. Alles ist möglich. Zum Beweis zieht er an einer Plastikschnur. Die wiederum speist eine Heißklebepistole, aus der – Schicht für Schicht – dreidimensionale Objekte entstehen, die sich unendlich oft clonen lassen. Wozu das gut sein soll? „Ganz praktisch: Wenn ein Teil vom Handy abbricht, kann man es selbst ersetzen. Ansonsten – Deko, Spielzeug, Geschenke – alles, was Spaß macht“, sagt Günther. Gestern habe sich jemand einen Mantel genäht, den Dezember über wurden Weihnachtssterne gebastelt – natürlich dreidimensional – und im vergangenen Sommer wurden hier niedersächsische Lehrer von selbst ernannten Nerds fortgebildet.

Was Stadt und Land für die Workshops zahlen, steckt der Verein in die Miete und kostspieligen Anschaffungen, neben Spenden und Mitgliedsbeiträgen die einzige Möglichkeit, neue Träume zu verwirklichen. „Am liebsten würde ich alles mit Funksendern ausstatten, dann würden wir die Dinge noch besser wiederfinden“, sagt Günther. Vorerst muss er sich mit dem piependen Scanner-System arrangieren. Der am häufigsten zu findende Artikel auf diesem Nerd-Planeten ist lebenswichtig und heißt „Kaffeebecher“.


NWZ TV    zeigt einen Beitrag unter   www.nwz.tv/oldenburg-stadt 
Mehr Infos unter   www.kreativität-trifft-technik.de 
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