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Zwei Eurofighter der Bundeswehr abgestürzt
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Aktualisiert vor 9 Minuten.

In Mecklenburg-Vorpommern
Zwei Eurofighter der Bundeswehr abgestürzt

NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Lokalsport

Als ein Talent auszog und den VfL prägte

12.06.2019

Oldenburg Es war am 21. Mai 1989, das Rückspiel im Halbfinale um die Deutsche A-Jugend-Meisterschaft lief in den letzten Zügen und kein Zuschauer auf der Tribüne der Halle am Flötenteich wagte in diesem Augenblick eine Prognose. Die Spielerin des SSV Sundern mit der Nummer 15 warf fünf Minuten vor Schluss ihr viertes Tor zur 15:13-Führung der Sauerländerinnen, das Erreichen des Endspiels lag nach der Vier-Tore-Niederlage im Hinspiel gegen den VfL Oldenburg noch einmal im Bereich des Möglichen.

Doch es war das letzte Tor, das Heike Schmidt in ihrem allerletzten Jugendspiel für den nordrhein-westfälischen Club warf. Die von Robert Schumann trainierten VfL-Talente drehten die Partie, gewannen noch 16:15 und zogen ins Finale gegen die Neuköllner Sportfreunde ein, in dem es in Hin- und Rückspiel (16:19, 20:19) jedoch nicht zur fünften Deutschen Meisterschaft nach 1978, 1984, 1985 und 1988 reichte.

Vivien Heise, geborene Eickhoff, die für die Oldenburgerinnen im besagten zweiten Halbfinale selbst zwei Tore warf, zieht ihre Freundin Heike bis heute damit auf, dass das Spiel nur so knapp ausgegangen sei, weil Teile der Mannschaft sich einen Tag zuvor beim Baden in Schillig einen Sonnenstich zugezogen hätten.

Einen Tag nach dem Ausscheiden mit Sundern schloss sich die talentierte Jugendspielerin aus dem Sauerland dem Oldenburger Frauen-Bundesligisten um Spielführerin Rita Köster und Trainer Schumann an. Aufgefallen war sie schon fünf Monate zuvor Anfang Januar beim hochklassig besetzten internationalen Neujahrsturnier der weiblichen A-Jugendmannschaften in den Hallen am Brandsweg und an der Rebenstraße (heute Robert-Schumann-Halle). Dort zeigte sie für eine Jugendspielerin schon sehr ausgeprägte spielerische Qualitäten und wurde so schnell zu einer potenziellen Kandidatin für das Frauenteam des VfL, das sich zu der Zeit im Umbruch befand.

„Plötzlich saß Robert Schumann neben mir auf der Tribüne und fragte, ob ich Lust hätte, Bundesliga zu spielen“, erinnert sich Heike Horstmann jetzt bei einem Treffen im Garten der Schumanns am Mittelweg und erzählt von ihrem Vater, dem schon wenig später wohl klar geworden war, dass seine Tochter das Elternhaus verlassen würde.

Die Professionalisierung des Frauenhandballs machte in dieser Zeit auch vor den Toren Oldenburgs nicht halt. Der VfL als Amateurverein konnte und wollte im Poker um Spielerinnen und hohe Gehälter nicht mithalten und zahlte daher keine Gelder. Kreative Ideen waren gefragt. Eine garantierte Ausbildungsstelle und ein familiäres Umfeld waren ein Anreiz für junge Talente aus der Region.

Genau das war auch bei der 17-jährigen Heike Schmidt der entscheidende Punkt. Einer Ausbildung zur Industriekauffrau bei Hauptsponsor Botterblom und eine dadurch geförderte Weiterentwicklung der handballerischen Fähigkeiten stand nach der Vertragsunterzeichnung Ende Mai nichts mehr im Weg.

13 Jahre spielte sie mit zwei Unterbrechungen für den VfL in der höchsten deutschen Spielklasse, sie war für die Jugend immer ein großes Vorbild und wurde auch dreimal bei der NWZ-Sportlerwahl zur Sportlerin des Jahres gekürt (1998, 2001, 2003). Ihre größten Erfolge feierte sie aber im Trikot des TuS Walle Bremen und der Nationalmannschaft.

Als 20-Jährige debütierte sie bei einem Länderspiel gegen Estland und erkämpfte sich sechs Jahre später mit dem deutschen Team den dritten Platz bei der Weltmeisterschaft 1997.

Der VfL blieb immer ihre Heimat. In Oldenburg absolvierte sie auch ihr Architektur-Studium und schloss es 2000 mit dem Diplom ab. Zudem führte sie jahrelang das Planungsteam an, das das traditionell im August ausgetragene Wunderhorn-Turnier organisiert.

Der ehemalige VfL-Coach und heutige polnische Nationaltrainer Leszek Krowicki schwärmt immer noch in großer Bewunderung von ihr. „Leider habe ich sie nur in Bremen und 2001 kurzzeitig in der Nationalmannschaft trainieren dürfen. Sie beendete ihre Handballkarriere, als ich 2005 in Oldenburg anfing, das war sehr schade“, sagt der 61-Jährige.

„Heike war auf dem Handballfeld eine sehr fleißige und vielseitige Spielerin, die besonders in den entscheidenden Phasen wichtige Tore geworfen hat. Hier denke ich immer wieder an das 24:21-Siegtor im Rückspiel im Europapokalfinale 1994 gegen die Mannschaft aus Budapest“, schwärmt Krowicki und freut sich schon auf weitere Spiele mit seinen Polinnen gegen das deutsche Team und somit auf weitere sportliche Zusammentreffen.

Heute schaut Heike Horstmann gerne und zufrieden auf die Zeit zurück, als sie zum VfL wechselte und ein neues Kapitel in ihrem Leben begann. Viele Menschen der ersten Stunde sind immer noch an ihrer Seite – die Freundschaften und Verbindungen, die vor 30 Jahren entstanden sind, werden bis zum heutigen Tag gepflegt.

Drei ganz besondere Beziehungen bestehen zu Helga Schumann, Maike Balthazar und Vivien Heise. Helga Schumann und ihr 2002 verstorbener Mann Robert gaben ihr in Oldenburg ein neues Zuhause. Mehr als acht Jahre wohnte sie hier im Dachgeschoss am Mittelweg. Schmidt folgte auf Christine Kynast, die ebenfalls als Bundesliga-Spielerin viele Jahre im Hause Schumann residiert hatte.

„Als ich hörte, dass wir wieder eine 17-Jährige aufnehmen würden, dachte ich zuerst, dass jetzt alles wieder von vorne losgehen werde, ein bisschen Bedenken hatte ich schon“, sagt die jetzt 82-jährige Schumann schmunzelnd beim Treffen im Garten. Heike Horstmann erzählt, dass sie damals in den ersten Wochen nicht nur einmal ein wenig Heimweh gehabt habe. „Die Chemie passte aber von Anfang an, Helga und Robert wurden meine zweite Familie“, fasst die 47-Jährige kurz zusammen. Noch heute sehen sich die beiden oft, entweder in einer Sporthalle oder zum Tee am Mittelweg.

Auch mit Maike Balthazar, geborene Becker, die in den goldenen 80-Jahren des VfL mit dem Team national wie international große Erfolge feierte, trifft sich Horstmann regelmäßig zum Gedankenaustausch. In diesen Gesprächen spielen natürlich alle Neuigkeiten aus der Handball-Szene eine wichtige Rolle, aber auch andere Aspekte wie die eigenen Kinder oder das Golf-Handicap.

„Heike hatte schon immer einen Drang zur Perfektion, früher beim Handball und jetzt beim Golf, aber immer fair und nicht zu verbissen, das macht sie so sympathisch“, beschreibt die jetzt 57-jährige Balthazar ihre Freundin Heike. Diese schaffte 2013 die Platzreife, jetzt liegt ihr Handicap bei ganz starken 7,9.

„Nach dem geliebten Handball ist meine neue Leidenschaft Golf geworden. Dieser Sport ist einfach nur faszinierend“, sagt Horstmann: „Ich bin froh, ihn gemeinsam mit meinem Mann Günter Klein ausüben zu können.“ Ihr elfjähriger Sohn Ben ist indes leidenschaftlicher Fußballer geworden.

Zurückblickend auf ein herausragendes Sportlerinnenleben waren es nicht immer nur die ganz großen Momente wie Welt- und Europameisterschaften oder die Olympischen Spiele, die bei Heike Horstmann die größten Eindrücke hinterlassen haben. Prägend waren die kleinen, freundschaftlichen Ereignisse, die am Anfang ihrer Oldenburger Eingewöhnungszeit standen.

Und schon fangen Heike Horstmann und Vivien Heise im Garten wieder an davon zu erzählen, wie es bei einem Freundschaftsturnier in der Tschechoslowakei beim Club Frydek Mistek Mitte August 1989 war – drei Monate vor dem Fall der Mauer, mit 17 Jahren und der Welt noch vor sich...

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