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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Lokalsport

Handball: Als Talente vom VfL Geschichte schrieben

26.06.2020

Oldenburg Das VfL-Jahr 1985 hätte vielleicht das größte in der Geschichte des deutschen Handballs werden können. Nach zwei Deutschen Meisterschaften in der A-Jugend (1978, 1984), einem Pokalsieg (1981) und einer Vizemeisterschaft (1983) sowie einem Einzug in ein Europapokalendspiel bei den Frauen (1984) tanzten die Oldenburgerinnen auch vor 35 Jahren im Nachwuchs- und Erwachsenenbereich wieder auf mehreren Handball-Hochzeiten. Doch am Ende sprangen „nur“ zwei weitere DM-Titel in der Jugend heraus.

Die große Enttäuschung

Am 4. Mai 1985 war Trainer Robert Schumann nach einem 18:24 seiner Bundesliga-Frauen im Viertelfinale des DHB-Pokals in Leverkusen ziemlich enttäuscht: „Jetzt ist die Saison endgültig vorbei.“ Zwei Wochen vorher hatte sein Team nach einer grandiosen Saison in zwei dramatischen Spielen gegen den TV Lützellinden haarscharf das Finale um die Deutsche Meisterschaft verpasst.

Wusste der Erfolgstrainer in diesem Augenblick schon, dass seine weibliche B-Jugend in Kiel als Außenseiter zeitgleich die Norddeutsche Meisterschaft und somit das Halbfinale um die Deutsche Jugendmeisterschaft erreicht hatte? Und ahnte er zu diesem Zeitpunkt, dass auch die A-Jugend dieses Ziel am folgenden Tag in einem Herzschlagfinale erreichen würde? Wohl nicht. Zu nah war die sportliche Niederlage an diesem Tag.

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Der immense Teamgeist

Aber spätestens am darauffolgenden Montag wurden die Weichen für eine erfolgreiche Titelverteidigung in der A-Jugend gestellt. Im Jahr zuvor hatte die Mannschaft um Silke Prante (geb. Combecher) und Karen Goltz, die nun zum Bundesligakader gehörten, den zweiten DM-Titel geholt. Die B-Jugend war „Vize“ geworden.

Verantwortlich für beide Teams waren neben dem Trainerpaar Helga und Robert Schumann auch Betreuer Peter Forst, der damalige Lebensgefährte und heutige Mann von Nationalspielerin und VfL-Bundesligalegende Rita Forst (geb. Köster). Für ihn war der große Erfolg besonders mit dem immensen Teamgeist in beiden Mannschaften zu erklären: „Es gab eine große Gemeinschaft, alle Spielerinnen hielten unheimlich zusammen. Das zeigte sich besonders in den äußerst knappen Spielen der A-Jugend.“

Und genau dieses Team konnte sich in keiner Minute eines Spiels sehr sicher sein, es auch zu gewinnen. In allen Entscheidungsduellen bis zur Deutschen Meisterschaft lieferte sich die Auswahl um Nationalspielerin Britta Siebler und Torhüterin Isabell Hanning mit den Rivalinnen sehr enge Duelle, die oft erst in den Schlussminuten der Rückspiele entschieden wurden.

Die B-Jugend um die Feldspielerinnen Bianca Mävers und Karin Pusz sowie Torhüterin Heike Zornow flanierte dagegen bis ins DM-Endspiel. Richtig gefordert wurde das Team erst im ersten Halbfinale beim VfL Grunbach. Einem 13:11 in Baden-Württemberg folgte aber im Rückspiel ein wieder sehr souveränes 20:13.

Die Berliner Mauer

Wie im Halbfinale, als die A-Jugend in Pfullingen ebenfalls im Großraum Stuttgart angetreten war, konnten A- und B-Jugend auch im Finale gemeinsam mit Eltern und Freunden in einem großen Reisebus zu den Auswärtsspielen fahren. Diesmal ging es in das von einer Mauer umgebene Berlin beziehungsweise den westlichen Teil dieser Stadt. Für die Verantwortlichen war es gar nicht so leicht, innerhalb von einer Woche ein Quartier für rund 60 Personen zu ordern, da gleichzeitig Berlin Ort der Bundesgartenschau war. So mussten einige Mitreisende vorlieb nehmen mit der Jugendherberge in Tegel und wohnten nicht im Hotel Zornow am Svignyplatz in direkter Nachbarschaft zum Kurfürstendamm.

Der Rest der Berlinfahrt ist schnell erzählt: Lange Anfahrt über die Transitstrecke, langes Warten an der Grenze, klarer Sieg der B-Jugend (19:14 gegen Guts Muths Berlin), knappe Niederlage der A-Jugend (17:19 gegen Rehberge Berlin), Sonntagabend erschöpft zurück.

Die erste Niederlage

Am 8. Juni 1985 kam es dann zu dem ersten absoluten Finalspiel in der Brandsweghalle in Eversten. Dort, wo auch die Bundesliga-Frauen des VfL ihre größten Erfolge feierten, machte die weibliche B-Jugend den Anfang und führte nach zehn Minuten 7:0. Es schien ein großes Schaulaufen zu werden. Die Berlinerinnen ergaben sich aber nicht ihrem Schicksal und führten sogar zehn Minuten vor dem Spielende. Doch natürlich ließen sich die VfL-Mädchen diese erste Meisterschaft in dieser Altersklasse nicht mehr aus den Händen reißen.

Trotz eines 16:17, der ersten Niederlage im allerletzten Saisonspiel, gab es nach dem Schlusspfiff um 20.30 Uhr eine Jubelarie, die mit einer großen Feier im Vereinslokal „Lamberti-Eck“ weit nach Mitternacht endete.

Die doppelte Meisterin

Nur Bianca Mävers, Kopf der Mannschaft und mit sechs Toren an diesem Tag maßgeblich am Erfolg beteiligt, musste schon etwas früher die Segel streichen. Sie sollte als Joker am nächsten Tag noch in der A-Jugend eingesetzt werden. Und weil ihr da zwei weitere Tore gelangen, ist sie die einzige Spielerin vom VfL, die innerhalb von zwei Tagen zweimal Deutsche Meister wurde. Zuvor war Mävers schon zweimal Vizemeisterein geworden (1982 und 1984), 1986 triumphierte sie noch einmal.

Den großen Abschluss der VfL-Handball-Festspiele gab es am 9. Juni 1985 zu ungewohnter Zeit um 11 Uhr. Die A-Jugend-Talente waren sich in dieser Partie zu jeder Zeit bewusst, dass sie mit einem weiteren Titelgewinn ein neues Kapitel in der großen Historie des Vereins schreiben würden. In furioser Manier wurde der Zwei-Tore-Rückstand aus dem Hinspiel schon bis zur Halbzeit fast pulverisiert (12:6). Spätestens nach der 20:8-Führung standen alle außer den mitgereisten Berliner Anhängern unter den 1000 Besuchern auf den Rängen und feierten zehn Minuten vor dem Ende den alten wie neuen Deutschen Meister mit großen Ovationen.

Die größte Ehrerbietung

Meistertrainer Robert Schumann war kurz nach dem Spiel für einen Moment der glücklichste Mensch Welt, zog sich einen Frack an und setzte sich einen Zylinder auf, um seinen Spielerinnen die größte Ehrerbietung zu erweisen. Und trotzdem haderte er an diesem großen Tag mit dem Abschneiden seiner Bundesliga-Mannschaft, die den Einzug in das DM-Finale (Meister wurde Leverkusen) nur hauchdünn verpasst hatte.

Und so wurde dieses Sportjahr 1985 nur zu einem weiteren außergewöhnlichen und ruhmreichen Jahr der Vereinsgeschichte und nicht zur erfolgreichsten Geschichte des Deutschen Handballbundes.

Das lange Warten

Drei Monate zuvor, am 11. März 1985, war Michail Sergejewitsch Gorbatschow Generalsekretär des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei der Sowjetunion (KPdSU) geworden. Seine neuen Ansätze mit Glasnost und Perestroika sorgten mit dafür, dass am 9. November 1989 die Mauer fiel und am 3. Oktober Deutschland wiedervereinigt wurde. Am 9. Juni 1990 holte die A-Jugend die achte und bis heute letzte Deutsche Meisterschaft für den VfL. Die Bundesliga-Spitze wurde seit dem Mauerfall nie wieder erreicht. Auf eine Deutsche Jugendmeisterschaft wartet der Verein jetzt seit 30 Jahren.

Die Kader, die Trainer und die Spiele bis zum DM-Titel der beiden VfL-Mannschaften

Die Kader A-Jugend: Isabell Hannig, Anja Böthig (beide Tor), Grit Schneider, Andrea Haake, Britta Siebler, Sabine Dirkes, Marietta Meyer, Marion Piepersjohanns, Petra Tyborczyk, Tanja Rylewicz, Martina Heeren. B-Jugend: Heike Zornow, Tamara Borning (beide Tor), Maike Schwarz, Tanja Brumund, Indra Ahrens, Bettina Schmidt, Kerstin Klossek, Katja Seggelke, Bianca Mävers, Karin Pusz, Karen Löffel, Jeanette Cordes, Anja Konen, Astrid Janssen.

Die Trainer Trainerduo: Robert und Helga Schumann. Betreuer: Peter Forst.

Weg der weiblichen A-Jugend ins DM-Finale Niedersachsenmeisterschaft: TSV Rüningen - VfL 13:13, VfL - TSV Rüningen 15:12. Norddeutsche Meisterschaft: VfL - Bremen Walle 22:13, Bremen Walle - VfL 17:10, TSV Sasel - VfL 16:16, VfL - TSV Sasel 17:16. Deutsche Meisterschaft, Halbfinale: VfL Pfullingen - VfL 16:17, VfL - VfL Pfullingen 24:17. Finale: Rehberge Berlin - VfL 19:17, VfL - Rehberge Berlin 26:16.

Weg der weiblichen B-Jugend ins DM-Finale Bezirksmeisterschaft: FC Schüttorf - VfL 10:16, VfL - FC Schüttorf 23:11. Niedersachsenmeisterschaft: TSV Anderten - VfL 8:15, Hankensbüttel - VfL 8:20, TuS Bergen - VfL 10:16. Norddeutsche Meisterschaft: Holstein Kiel - VfL 8:15, VfL Horneburg - VfL 8:20, Glashütter SV - VfL 10:16. Deutsche Meisterschaft, Halbfinale: VfL Grunbach - VfL 11:13, VfL - VfL Grunbach 20:13. Finale: Guts Muths Berlin - VfL 14:19, VfL - Guts Muths Berlin 16:17.

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