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Diese Talente schrieben 1978 Geschichte

09.06.2018

Oldenburg Wer sich heute fragt, warum der VfL Oldenburg im Frauenhandball über viele Jahre so erfolgreich im Junioren- und Seniorenbereich arbeitet, sollte sich zu den Wurzeln begeben und in eine Zeit zurückschauen, als eine talentierte Mädchenmannschaft vor 40 Jahren über sich hinauswuchs und völlig überraschend Deutscher Meister wurde. Das Handballjahr 1978 sorgte eben nicht nur international, sondern auch regional für Aufsehen.

Am 5. Februar 1978 gewann die deutsche Männer-Nationalmannschaft in Dänemark durch ein 20:19 in einem dramatischen Finale gegen die UdSSR die Weltmeisterschaft. Dieser erkämpfte Sieg war eine Sensation, denn die Teams aus dem Ostblock waren in den 70er Jahren kaum zu schlagen, Rumänien war Titelverteidiger, die UdSSR der Olympiasieger von 1976.

Dieser Kader feierte 1977/78 diese Erfolge für den VfL

Kader der A-Jugend des VfL in der Saison 1977/78 Tor: Cornelia Kuck,Claudia Cording, Cora Schwörer. Feld: Petra Müller, Monika Stechow, Sabine Steinbrenner, Maike-Susanne Schmidt, Petra Gudatke, Diana Diekmann, Sabine Standke, Rita Köster. Trainerin: Dagmar Schmull.

Sportliche Bilanz 1977/78 Oberliga West: 24:0 Punkte – 233:62 Tore. Spiele um die Niedersachsenmeisterschaft: VfL Oldenburg - TuS Bergen 14:8, TuS Bergen - VfL Oldenburg 7:11. Spiele um die Norddeutsche Meisterschaft: VfL Oldenburg - Werder Bremen 9:5, ASV Bergedorf - VfL Oldenburg 13:20, VfL Bad Oldesloe - VfL Oldenburg 12:14. Halbfinale um die Deutsche Meisterschaft: Reinickendorfer Füchse - VfL Oldenburg 15:14, VfL Oldenburg - Reinickendorfer Füchse 11:10. Endspiel um die Deutsche Meisterschaft am 11. Juni 1978 in Brake: Bajuwaren München - VfL Oldenburg 12:15.

Viele Sportbegeisterte saßen zu Hause vor dem Fernsehgerät und fieberten mit den deutschen Handballern um Heiner Brand, Joachim Deckarm und Arno Ehret mit. Aber nicht alle konnten an diesem Tag das Spektakel verfolgen. Petra Gudatke, Cornelia Kuck und Diana Diekmann, drei Spielerinnen der A-Jugend des VfL Oldenburg nahmen an einem Jugendturnier des Norddeutschen Handballverbandes in Osterholz-Scharmbeck teil, mit der Niedersachsenauswahl spielten sie gegen die Landesverbände Schleswig-Holstein, Bremen und Hamburg.

Und diese drei Talente gehörten zum Kader der Mannschaft, die am 11. Juni 1978 für eine weitere Handball-Sensation sorgte, die weit über die Grenzen der damaligen Region Weser-Ems hinausging. Mit dem Sieg der weiblichen A-Jugend im Endspiel der Deutschen Meisterschaft begann eine VfL-Erfolgsgeschichte im Jugend- und Frauenhandball, die bis heute andauert und die mit dem Deutschen Pokalsieg der Bundesliga-Frauen vor drei Wochen wahrscheinlich noch nicht das letzte Kapitel geschrieben hat.

In der Oberligasaison 1977/1978 gewannen die Handball-Mädchen mit ihrer Trainerin Dagmar Schmull verlustpunktfrei die Meisterschaft in der Oberliga West und qualifizierten sich für das Endspiel um die Niedersachsenmeisterschaft, die mit zwei klaren Siegen gegen den TuS Bergen eingefahren wurde.

Nach drei Erfolgen gegen die Meister der anderen drei norddeutschen Handballverbände, darunter ein 9:5 gegen die hochfavorisierte Mannschaft von Werder Bremen, war der Weg frei für das DM-Halbfinale gegen die Reinickendorfer Füchse, den damals amtierenden Deutschen Meister der weiblichen A-Jugend.

Die Mannschaft aus Berlin stellte zu dieser Zeit einen Großteil der Jugend-Nationalmannschaft und war der klare Favorit. Aber spätestens nach der knappen 14:15-Auswärtsniederlage der Oldenburgerinnen gab es kein Halten mehr, ein Heimsieg mit zwei Toren Vorsprung lag im Bereich des Möglichen.

Am 27. Mai 1978 platzte die OTB-Halle am Haarenesch mit über 800 Zuschauern aus allen Nähten. Alles war angerichtet zum großen Schlagabtausch. In einem Herzschlagfinale gewannen die VfL-Mädchen mit 11:10, auch ein kurioses Eigentor von Sabine Standke in der Schlussminute verhinderte den Einzug ins Finale um die Deutsche Meisterschaft nicht mehr. Die mehr geworfenen Auswärtstore im Hinspiel gaben schließlich den Ausschlag.

Nun war die Mannschaft mit den späteren Bundesliga- und Nationalspielerinnen Rita Köster, Maike Schmidt, Diana Diekmann und Cornelia Kuck im Endspiel. Der Traum war zum Greifen nah. Eine ganze Saison lang hatte die Mannschaft alle Spiele gewonnen, die jahrelange Trainingsarbeit sollte sich nun auszahlen. Trainerin Dagmar Schmull trainierte den Kern der Mannschaft seit Anfang der C-Jugend und hatte eine vorbildliche und charakterstarke Truppe geformt, die sich im Laufe des Jahres mit jedem Spiel gesteigert hatte und nun antrat, den kleinen Handball-Olymp zu besteigen.

Im Endspiel trafen die Oldenburgerinnen in Brake auf den Bayrischen und Süddeutschen Meister Bajuwaren München. Die Verantwortlichen beider Mannschaften einigten sich auf den „neutralen“ Spielort an der Weser. Es gab vom Deutschen Handballbund die Bedingung, dass dieser Ort mindestens 30 Kilometer von beiden Endspielgegnern entfernt liegen musste. Wäre eine Halle auf halber Wegstrecke zwischen Oldenburg und München ausgesucht worden, hätte es wohl nicht so ein großes Zuschauerinteresse gegeben.

Und so machte sich am 11. Juni 1978 eine große Karawane in Richtung Wesermarsch auf, um das große Finale nicht zu verpassen. Knapp 1000 Zuschauer sahen dort eine begeistert aufspielende VfL-Mannschaft, die am Ende mit 15:12 den ersten Deutschen Meistertitel im Jugendhandball für den Verein errang.

Es war die Geburtsstunde einer großartigen Handball-Erfolgsgeschichte in Oldenburg. 1979 stieg die erste Frauenmannschaft souverän von der Oberliga in die Regionalliga auf. Es folgten 1980 der Sprung in die Bundesliga, 1981 zum ersten Mal der Deutsche Pokalsieg, 1983 die Deutsche Vizemeisterschaft und 1984 Platz zwei im Europapokal – und immer mit dabei waren Rita Köster, Maike Schmidt und Cornelia Kuck.

Erfolgstrainerin Dagmar Schmull war nach ihrem großen Triumph wieder bei den etwas Kleineren in der D-Jugend angefangen.

Und wer heute beim Training der Kleinsten zuschaut, wird dort eine Silke Prante antreffen, die 1984 Deutscher A-Jugendmeister wurde, eine Vivien Heise (dreimal Deutsche Meisterin) oder eine Bianca Kannegießer (zweimal Deutsche Meisterin). Bei den Spielen steht eine Claudia Buhl an der Kuchentheke, die 1978 als zweite Torfrau die erste Deutsche Meisterschaft gewonnen hat.

Ich hatte das Glück, bei allen acht Deutschen Jugendmeistertiteln dabei zu sein, auch als neunjähriger Junge mit meinem Vater 1978 beim Halbfinale und beim Endspiel. 40 Jahre sind seitdem vergangen, aber die VfL-Familie engagiert sich immer noch gemeinsam für den großen Erfolg.

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